Hocheffiziente Gebläsetechnik Ein innovativer „Dirigent“ – Aerzen enthüllt auf Ifat neue Maschinensteuerung

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

„Von der besten zur allerbesten Performance im Belebungsbecken“ – unter diesem Motto stand der Messeauftritt von Aerzen auf der Ifat. Am ersten Tag wurde die neue Maschinensteuerung Aersmart feierlich enthüllt. Sie verspricht einen hocheffizienten Betrieb von Kläranlagen. Erste Feldeinsätze bestätigen dies.

Firmen zum Thema

Marketingleiter Stephan Brand eröffnete die Fachpressekonferenz auf der Ifat mit einem Überblick über die aktuellen Trends in der Wasserwirtschaft.
Marketingleiter Stephan Brand eröffnete die Fachpressekonferenz auf der Ifat mit einem Überblick über die aktuellen Trends in der Wasserwirtschaft.
(Bild: Kempf/PROCESS)

München, Aerzen – Energiefresser Belebungsbecken: Durchschnittlich mehr als 70 Prozent der Betriebskosten einer Kläranlage entfallen auf Energiekosten, die bei der Luftversorgung der Belebungsbecken entstehen. Die Gebläse-Experten aus Aerzen haben sich dieser Thematik schon frühzeitig angenommen und mit ihrem Mix aus Blower-, Turbo- und Hybridtechnologie eine äußerst effiziente Lösung auf den Markt gebracht. Pünktlich zur diesjährigen Ifat hat das Unternehmen jetzt noch einen oben drauf gesetzt: In München wurde die neue Verbundsteuerung Aersmart erstmals dem Fachpublikum präsentiert.

Marketingleiter Stephan Brand verkündete anlässlich der feierlichen Enthüllung nicht ohne Stolz: „Unsere neue Verbundsteuerung bewirkt einen bisher nicht gekannten Gesamtwirkungsgrad – ganz nah am Optimum und mit zusätzlichen Einsparungen bis zu 15 Prozent.“ Und sei angesichts neuer Regelwerke zur Energieeffizienz und Energieanalyse von Kläranlagen gemäß DWA-Regelwerk als intelligente Schnittstelle schon jetzt ein richtungsweisender Baustein für Wasser 4.0.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Was macht die neue Steuerung so besonders?

Starke Schwankungen kennzeichnen den Lastbetrieb in biologischen Kläranlagen. Je nach Region, Tages- und Jahreszeit oder Niederschlägen wechseln Abwassermenge und Verschmutzungsgrade – teilweise sprunghaft. Für diesen Einsatzbereich bietet Aerzen mit drei seiner Hochleistungskompressoren Delta Blower, Delta Hybrid und Aerzen Turbo ein Lösungsportfolio für die ölfreie Einleitung von Sauerstoff in Belebungsbecken. Mit ihrer Typenvielfalt sind diese drei Aggregate auf die unterschiedlichsten anlagenspezifischen Anforderungen zugeschnitten. Im Verbund sorgen sie für eine Performance, die punktgenau auf den Bedarf der wechselnden Lastprofile ausgelegt ist – von der Grundlast bis zu Versorgungsspitzen. Denn jede Technologie, ob Verdränger- oder Strömungsmaschine, hat Stärken aber auch Schwächen:

  • Das Turbogebläse ist im Nennpunkt unschlagbar bezogen auf die Energieeffizienz. Der Regelbereich umfasst etwa 40 bis100 Prozent. Im Teillastbetrieb sind Strömungsmaschinen aber weniger effizient.
  • Das wiederum ist die Stärke von Verdrängermaschinen wie Delta Blower und Delta Hybrid. Sie zeichnen sich durch einen hohen Regelbereich von 25 bis 100 Prozent und gute Wirkungsgrade auch im Teillastbetrieb aus.

„Im Verbundsystem addieren sich die Vorteile der drei Hochleistungstechnologien zu einer bislang nicht gekannten Energieeffizienz im Gesamtbetrieb: höchste Energieeinsparung, bester Regelbereich und niedrigste Investitionskosten“, zählt Brand auf. Durch die Einsparungen bis zu 30 Prozent finanziere sich die Umrüstung je nach Anlage bereits nach zwei Jahren, so seine Rechnung.

Und so funktioniert Aersmart: Weiterlesen auf der nächsten Seite ...

Aersmart ist dabei der intelligente Baustein oder „Dirigent“, der die angeforderten Volumenströme derart auf den Maschinenpark verteilt, dass Schwach-, Mittel- und Starklasten so effizient abgearbeitet werden, wie es die bestehende Konfiguration jeweils zulässt. Dabei sind die Kennfelder und Wirkungsgrade im Algorithmus der Steuerung eingebunden. So wird der installierte Maschinenpark ganz nah dem theoretisch höchsten Wirkungsgrad betrieben. Auch Fremdfabrikate sind durch die übergeordnete Steuerung regelbar. Bis zu zwölf Maschinen kann die Steuerung auf diese Weise zu höchster Effizienz „konzertieren“.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Und so funktioniert Aersmart

Die geforderte Sauerstoffmenge wird als Sollwert z.B. als 4–20 mA-Signal oder über Busanbindung an die Maschinensteuerung übertragen. Diese betreibt daraus die bestehende Maschinenkonfiguration zu einem Zusammenspiel, das die Sauerstoffversorgung der Klärbecken effizient wie nie an der geforderten Lastkurve entlang fährt, ganz nah am Optimum.

Aersmart vereint dabei auch Technologien, denn sie ist die erste übergeordnete Maschinensteuerung zur effizienten Kombination unterschiedlicher Maschinentechnologien, egal ob die Kläranlage mit Verdränger- und/oder Strömungs-maschinen betrieben wird.

Des Weiteren werden auch die Anlagendaten wie Druck, Volumenstrom, Temperaturen, Energieverbrauch und damit die schwankenden Lastgänge sowie die einzelnen Maschinendaten einschließlich Serviceintervalle nachhaltig aufgezeichnet und können an die Leitstelle übertragen bzw. von anderen Systemen weiterverarbeitet werden. Veränderte Bedarfe sowie mögliche Alterungs-effekte des Belebungssystems lassen sich so jederzeit nachvollziehen. Dies schaffe eine bisher nicht dagewesene Transparenz über den gesamten Lebenszyklus und die Möglichkeit zu zielgerichteten Maßnahmen, betont Brand.

Wie erfolgreich der „Dirigent“ made by Aerzen den Takt vorgibt, belegen bereits erste Feldtest in den Kläranlagen Holzkirchen (siehe Bildergalerie) und Rheda-Wiedenbrück.

(ID:44091164)