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Aus dem Leben eines Auditors

Ein Audit ist kein Wunschkonzert

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Kolumnist Karl Metzger ist Geschäftsführer Gmplan und schreibt regelmäßig über seine Erlebnisse als Auditor.
Kolumnist Karl Metzger ist Geschäftsführer Gmplan und schreibt regelmäßig über seine Erlebnisse als Auditor. (Bild: Metzger)

Ein Auditor kann es halt nicht jedem recht machen – Dass die Arbeit unseres Auditors bei den Auditierten keine Jubelstürme auslöst, ist sicherlich nachvollziehbar. Aber auch Auftraggeber merken schnell, dass externe Auditoren keine Gefälligkeitsjobs machen. Für interne Auditoren gelten wieder andere Maßstäbe.

Für einen in der EU ansässigen Importeur habe ich einen Wirkstoffhersteller in Asien auditiert. Da das Projekt intern etwas heikel war, hat man, anstelle der eigenen QP, mich mit der Durchführung des Audits beauftragt. Die aktuelle Situation vor Ort, vor allem im Produktionsbereich, war desolat. Es gab also nur eine Beurteilung: nicht qualifiziert. Das passte der obersten Leitung bei besagtem Auftraggeber nicht. Die Bezahlung wurde mit der Begründung verweigert, das Ziel des Audits sei nicht erreicht worden. In Branchenkreisen brüstete man sich sogar noch mit dieser „erzieherischen Maßnahme“ und damit, man werde es diesem Auditor zeigen.

Eine ganz andere Dimension hat der nächste Sponsor, von dem hier die Rede sein soll: Man sieht sich gerne als Global Player, d.h. Unternehmenssprache ist Englisch und die Abläufe wurden an die „Vorgaben von SAP“ angepasst. Hier war man mit der Qualität unserer Auditberichte nicht zufrieden – kommt fast nie vor, aber natürlich nehmen wir so etwas ernst. In diesem Fall haben wir die Berichte an die Kundenanforderungen angepasst; allerdings ohne einige gewünschte Formulierungen, weil leider nicht zutreffend, zu übernehmen.

Keine Audits nach dem Abendessen

Kurze Zeit später durfte ich hautnah miterleben, wie ein Mitarbeiter dieses Konzerns ein richtig professionelles Audit durchführt. Wegen der etwas komplexeren Thematik waren zwei Audittage angesetzt. Da wichtige Produktionsschritte während der Nachtschicht durchgeführt werden sollten, hatte der Auditor angekündigt, sich dies nach dem Abendessen ansehen zu wollen. Diesem Abendessen, das mit größeren Mengen Alkohol heruntergespült wurde, folgte auf seinen Wunsch noch ein Bar-Besuch, bei dem der Herr sein Bestes gab und sich dem Verlust der Muttersprache schon sehr annäherte.

Beim Gang durch die Produktion musste er dann schon gestützt und davor geschützt werden, sich selbst oder andere zu gefährden. Auf der Rückfahrt entledigte er sich noch vom größten Teil seines Mageninhalts – im Fahrzeug. Am zweiten Audittag tauchte er nur noch im Laufe des Nachmittags zur Abschlussbesprechung auf. Dabei räumte er ein, ab einer sehr frühen Stufe der Produktion einen Filmriss zu haben. Selbstverständlich hat der Auditee einen umfassenden Auditbericht erhalten…

*P.S.: Bevor jetzt jemand anfängt zu recherchieren bei welchen Arbeitgebern ich vorher abhängig beschäftigt war: diese Mühe können Sie sich sparen, dort war es nie ein Thema, mein Urteil bzgl. der Einschätzung (potenzieller) Lieferanten oder Dienstleister in Frage zu stellen; das Gleiche gilt für die Firmen, für die ich aktuell in verantwortlicher Position bei Behörden gemeldet bin.

Ihr Karl Metzger

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