Analyse-Lösungen vom Labor zum Prozess E+H-Strategie 2020+: Darum setzt der Automatisierungsspezialist auf Analyse-Lösungen

Redakteur: Dominik Stephan

Durchblick vom Labor bis zum Prozess: Geht es nach Endress+Hauser, sollen Analyselösungen aus einer Hand zum Eckpfeiler der Unternehmensstrategie werden. Möglich machen das einige hochkarätige Übernahmen und neue Technologien. Jetzt lässt sich das Unternehmen in die Karten schauen…

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Sensorfertigung bei Endress+Hauser in Waldheim. Geht es nach dem Schweizer Automatisierungsspezialisten, soll der Umsatzanteil (derzeit etwa 20%) der Analayse-Lösungen bei E+H kräftig steigen
Sensorfertigung bei Endress+Hauser in Waldheim. Geht es nach dem Schweizer Automatisierungsspezialisten, soll der Umsatzanteil (derzeit etwa 20%) der Analayse-Lösungen bei E+H kräftig steigen
(Bild: PROCESS)

Leipzig – Vom Prozess über das Technikum bis ins Labor: Nach der Übernahme von Analytik Jena setzt der Schweizer Automatisierung- und Sensorspezialist noch stärker auf Analyse. Mit dem Thüringer Laborausrüster ergänzen die „People for Process-Automation“ (wie sich E+H selbst bezeichnet) ihr Portfolio um Lösungen von Spektroskopie bis zur Element-Untersuchung für Forschung, Qualitätssicherung und (Produkt)-Entwicklung. Auch 2017 kamen neue Unternehmen zur Endress+Hauser-Gruppe und ergänzen das Technologie-Portfolio.

In Zukunft soll der Anteil der Sensoren und Analyse-Lösungen von derzeit ca. 20 % des Umsatzes der Gruppe kräftig steigen, erklärt Dr. Manfred Jagiella. Der Endress+Hauser Conducta-Vorstand wurde 2016 ins Executive-Board der Schweizer berufen und soll dort die Analyse-Strategie der Gruppe weiter entwickeln und umsetzen.

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Möglich werden soll dieses Wachstum durch Innovationen – so melden die Entwickler der Gruppe Jahr für Jahr 7.000 Patente an – aber auch durch gezielte Akquisitionen wie dem Spezialisten für laserbasierte Gas-Analysatoren Spectra Sensors im Jahr 2012, den Raman-Spektroskopie-Hersteller Kaiser Optical Systems 2013 und natürlich Analytik Jena. Der Laborausrüster gehört seit 2015 zur E+H-Gruppe und soll den Schweizern den Weg in den Labormarkt ebnen.

Auch 2017 kommen Unternehmen zu E+H

Analytik Jena wurde nach dem Ende der DDR von ehemaligen Zeiss-Mitarbeitern gegründet und entwickelt Analysesysteme zur qualitativen und quantitativen Untersuchung von Flüssigkeiten, Feststoffen und Gasen, besonders für die optische Spektroskopie und Elementaranalytik. Das Portfolio reicht von der DNA-Aufreinigung über Robotik, Standard- und Real-Time-PCR-Instrumente bis hin zu Kits für die molekulare Diagnostik, erklären Firmensprecher.

Auch im Bereich innovativer Inline-Spektrometer und Feuchtemess-Lösungen erweiterten die „People for Process Automation“ ihr Portfolio durch die Übernahme der Imko Micromodultechnik aus Ettlingen (Baden-Württemberg) sowie Blue Ocean Nova nochmals im Oktober 2017. Die Prozesssensoren von Blue Ocean Nova umfassen Lösungen für die optische Spektroskopie relevanten Bereiche (UV/VIS, NIR und MIR) zur Inline-Analyse von Flüssigkeiten, Gasen und Feststoffen.

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Die Technologie ermöglicht die Integration des Spektrometers direkt in die Messsonde – auch in explosionsgefährdeten Bereichen. Darüber hinaus können die Sensoren automatisch gereinigt und direkt in Prozessleitsysteme eingebunden werden. „Die von Blue Ocean Nova entwickelten intelligenten Prozesssensoren erweitern unser bisheriges Angebot im Bereich der Prozessanalytik um einen strategisch wichtigen Baustein“, erklärt Jagiella die Entscheidung. „Mit der Übernahme folgen wir konsequent unserer Strategie, das Analyseportfolio zu stärken und unsere Kunden künftig vom Labor bis in den Prozess zu unterstützen.“

In Zukunft sollen auch technisch Synergie-Effekte genutzt werden, erklärten die Verantwortlichen: So sollen Technologien aus der Laboranalyse auch für Produktionsprozesse genutzt werden und umgekehrt der Transfer von der offline Analysen von Prozessproben im Labor zur online oder inline Messung direkt im Produktionsprozess möglich werden, erklärte Dr. Monika Heisterkamp, Director Marketing bei Endress+Hauser Conducta. Die online oder inline Messung soll bereits während der Produkt- und Prozessentwicklung und im Upscaling qualifiziert werden und auf identischer Technologie aufbauen, um den Sprung aus dem Labor in den Prozess zu beschleunigen.

Neuentwicklungen für die Wasseranalyse

Mit dem Chlordioxid Sensor Memosens CCS50D bringen die Analyse-Spezialisten zudem einen robusten, wartungsarmen Sensor für die Chlordioxidmessung bei Prozesswasser und in Utilities. Der Sensor soll eine effektive Desinfektion für höchste Wasserqualität und -sicherheit, zur Vermeidung einer Überdosierung von Chlordioxid oder um die Abwesenheit von ClO2 in Getränke- und Umkehrosmoseanlagen sicherstellen helfen.

Warum Analytik Jena auch weiter unter eigenem Namen auftritt und was es mit der "roten" und "blauen" Welt der Analyse auf sich hat, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Korea-Story!

Dank der digitalen Memosens-Technologie verbindet CCS50D maximale Prozess- und Datensicherheit mit einfacher Bedienung. Dank des Memosens-Steckers ist es möglich, den Sensor im Labor zu kalibrieren und per Plug & Play in den Prozess zu bringen. Der Anschluss an den Liquiline Multiparameter-Messumformer ermögliche außerdem eine einfache Kombination mit anderen relevanten Parametern der Flüssigkeitsanalyse, so Heisterkamp.

Theorie und Praxis: Analyse im Einsatz

Vom Technologie-Experten zum ganzheitlichen Lösungsanbieter in Sachen Analyse: Was das bedeutet, macht ein Besuch bei SKW Piesteriz an der Elbe deutlich: Am 1915 gegründeten Agrarchemie-Standort produziert SKW als Tochter des tschechischen Agrofert-Konzers Düngemittela und Chemieprodukte auf Ammoniak- und Harnstoffbasis. Mit einem nach Piesteritz benannten Verfahren wird hier außerdem hochkonzentrierte Salpetersäure und dabei auch eine Komponente für Raketentreibstoff hergestellt.

Für Forschung und Produktentwicklung setzt man in Sachsen Anhalt ebenso wie für Qualitäts- und Produktanalyse auf Laborausstattung von Analytik Jena. Ein Forschungs-Jahresbudget in Milliardenhöhe unterstreicht die Bedeutung des Bereichs für den Standort, erklären SKW-Sprecher.

Das analytische Labor ist mit modernen Analysegeräte ausgestattet, um alle am Standort auftretenden analytischen Fragen - unter anderem für Rohstoff-, Prozess- und Qualitätskontrolle, Umweltanalytik, Materialidentifizierungen, Spezialanalytik für Forschungsanwendungen - beantworten zu können. Dazu gehören Lösungen zur Plasma-, Atom-, Fluorenszenzspektrometrie, der Elementaranalytik für Stickstoff, Schwefel, Kohlenstoff, Halogene ebenso wie IR- und NIR-Spektroskopie für verschiedene Anwendungsfelder, darunter für flüssiges Stickstofftetraoxid – eine absolute Besonderheit unter den Laboren Europas. Ergänzt wird die Ausrüstung durch "klassische" Laborausrüstung (z.B. modernste Titrationstechnik, unter anderem für Sonderanwendungen im Bereich Düngemittel- und Ammoniakanalytik)

Was Labor-Mitarbeiter wollen

Außerdem verfügt die SKW über eine breite Palette an On-Line-Messtechnik, darunter Massenspektrometer zur Prozessgasanalytik im Ammoniakprozess, On-Line-Messgeräte zur Kühl- und Abwasserüberwachung und moderne automatische Probenentnahmesysteme. Verwendet werden unter anderen das Atomabsorptionsspektrometer, das Plasma Quant MS für die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma, eine Quecksilberanalyse Mercur Plus und weitere Geräte des Thüringer Herstellers.

Im täglichen Einsatz hätten besonders die hohe Robustheit und Matrixverträglichkeit bei der zuverlässigen Analyse komplexer Proben sowie die einfach Handhabung bei hoher analytische Leistungsfähigkeit (Auflösungsvermögen, Interferenzabtrennung, Empfindlichkeit, beste Nachweisgrenzen) überzeugt, erklärten die Labormitarbeiter in Piesteriz.

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