Rekordauftrag für Siemens Dosiertechnik für den größten Kraftwerkspark der Welt

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Siemens hat im letzten Jahr den größten Auftrag der Firmengeschichte eingefahren. Ägypten will seine Stromerzeugung verdoppeln und baut dazu gleich drei GuD-Kraftwerke. Das Rodgauer Unternehmen MPT Meß- und Prozeßtechnik ist mit im Boot und liefert die Chemikalien-Dosieranlagen.

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Vier H-Klasse-Gasturbinen mit jeweils 400 Megawatt erreichen das Beni Suef Kraftwerk. Nach der Fertigstellung wird die Anlage in Beni Suef mit einer installierten Gesamtleistung von 4,8 Gigawatt das weltweit größte gasbefeuerte Gas- und Dampfturbinen (GuD-)Kraftwerk sein.
Vier H-Klasse-Gasturbinen mit jeweils 400 Megawatt erreichen das Beni Suef Kraftwerk. Nach der Fertigstellung wird die Anlage in Beni Suef mit einer installierten Gesamtleistung von 4,8 Gigawatt das weltweit größte gasbefeuerte Gas- und Dampfturbinen (GuD-)Kraftwerk sein.
(Bild: www.siemens.com/press)

In Ägypten entsteht gerade der größte Kraftwerkspark der Welt: Drei baugleiche GuD-Großkraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von je 4,8 Gigawatt und einer Gesamtkapazität von 14,4 Gigawatt sollen 2018 fertig gestellt sein. Die Projekte sollen die Stromerzeugung in dem Land am Nil um die Hälfte steigern und die ökonomische Entwicklung des Landes voran treiben. Die Kraftwerke stehen in Beni Suef, am Burullus-See und in der neu zu erbauenden Hauptstadt (New Capital).

Das Herzstück der erdgasbefeuerten GuD-Kraftwerke, die an drei verschiedenen Standorten über das Land verteilt errichtet werden, bilden jeweils acht Gasturbinen der neuesten Siemens-Generation. Die sogenannte H-Klasse erzielt höchste Wirkungsgrade und trägt damit neben sicherer Stromversorgung zu einer Entlastung der Umwelt bei.

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Megaprojekt für Siemens

Im letzten Jahr hat Siemens das Megaprojekt an Land gezogen und hat mittlerweile die Gasturbinen geliefert. Ägyptische Partner sind Elsewedy PSP und Orascom Construction. Das Rodgauer Unternehmen MPT Meß- und Prozeßtechnik ist von Siemens beauftragt worden, Chemikalien-Dosieranlagen für die Kesselwasser-Aufbereitung der drei Kraftwerke zu liefern.

Zum Leistungsumfang gehören Planung, Engineering, Projektierung, Entwicklung und Herstellung der Anlagen. Um das Kesselwasser zu konditionieren, werden Inhibitor, Ammoniumhydroxid und Sauerstoff bzw. Trinatriumphosphat dosiert.

Dosieren im Megamaßstab

In Beni Suef und auch am Burullus-See besteht die Ammoniumhydroxid-Dosierstation aus vier Einheiten mit jeweils zehn Kolbenmembran-Pumpen. Jede Einheit steht in einem 20-Fuß-Container. Die Dosierung erfolgt in der Regel aus einem Ansetzbehälter heraus. Auch die Sauerstoff-Dosierstation besteht aus vier Einheiten, und zwar mit jeweils zwei Gasflaschen. Die Inhibitor-Station dosiert mit einer Membranpumpe direkt aus dem Liefergebinde heraus.

Die Installation für New Capital unterscheidet sich von den anderen beiden: Hier werden zwei Ammoniumhydroxid-Dosiereinheiten mit jeweils vier Pumpen in 40-Fuß-Containern errichtet. Die Inhibitor-Station besteht aus vier Einheiten mit je einer Dosierpumpe. Bei der Sauerstoff-Dosierung gibt es keinen großen Unterschied. In allen drei Kraftwerken verbaut MPT insgesamt 94 Dosierpumpen, darunter 88 neuartige XA-Fabrikate von Milton Roy.

„In diesem Vorhaben bedient MPT einmal mehr kundenspezifische Dosierprojekte, wie wir sie auch im Großformat routiniert umsetzen“, erklärt Klaus Diegelmann, Geschäftsführer von MPT mit einigem Stolz. „Hier zeigt sich, wie etabliert wir auch in Weltregionen sind, die über ein großes Wachstumspotential verfügen.“

Finanzierung durch 17 Banken

Deutsche Bank, HSBC und KfW IPEX-Bank strukturieren und arrangieren zusammen die Hermes-gedeckten Finanzierungen für die drei Gas- und Dampfkraftwerke in Ägypten. Das Fremdkapital in Höhe von insgesamt 3,5 Mrd. EUR stellt ein Konsortium bestehend aus 17 internationalen Banken bereit. Der Auftrag aus Ägypten ist für Exporteur Siemens der größte seiner Firmengeschichte. Die Gesamtinvestitionskosten für die drei Kraftwerke belaufen sich auf 6 Mrd. EUR.

Deutsche Bank, HSBC und KfW IPEX-Bank treten bei der Finanzierung gemeinsam als Coordinating Initial Mandated Lead Arranger (CIMLA) auf. Die Banken waren hierfür von der staatlichen Egyptian Electricity Holding Company (EEHC) mandatiert worden. Gemeinsam agieren die CIMLAs auch als Joint Bookrunner für die Syndizierung des Hermes-gedeckten Finanzierungsvolumens, bei dem die Deutsche Bank die Rolle des Coordinating Bookrunners und die KfW IPEX-Bank die Rolle des Hermes- und Facility-Agenten übernimmt. Während die Deutsche Bank die Umwelt- und Sozialprüfung für die Kraftwerke Beni Suef und Burullus koordiniert, fungiert HSBC als Umweltkoordinator für New Capital.

Ägypten garantiert für die Kredite

Trotz Größe und Komplexität des Geschäfts war die Finanzierung schnell klar: Nach einem auf der Sharm-El-Sheikh-Konferenz im März 2015 von Siemens und Ägypten unterschriebenen Memorandum of Understanding und dem darauf folgenden Staatsbesuch des ägyptischen Präsidenten Al-Sisi in Deutschland wurden die CIMLAs im Juni 2015 mandatiert. Bereits im November 2015 wurden die Kreditverträge für das erste Projekt Beni Suef unterschrieben. Nun folgte im März 2016 der Financial Close für die beiden weiteren Kraftwerke Burullus und New Capital. Die Kredite sind mit einer Garantie des ägyptischen Finanzministeriums (Ministry of Finance of the Arab Republic of Egypt) versehen.

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