Vakuum-Prozessanlagen Dips, Suppen oder Dressings: Wie der Schweizer Saucenspezialist seine Rezepturvielfalt bewältigt

Autor / Redakteur: Sven Ludwig* / M.A. Manja Wühr

Qualität und Kundenzufriedenheit sind das Credo bei Gautschi. Deshalb gingen die Spezialisten bei der Planung ihrer neuen Produktion mit Schweizer Präzision vor. Mit gleich vier Vakuum-Prozessanlagen ist Azo Liquids ein wichtiger Partner, die fünfte ist bereits beauftragt.

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Flexibel und schonend Produzieren mit Vakuum-Prozessanlagen von Azo Liquids
Flexibel und schonend Produzieren mit Vakuum-Prozessanlagen von Azo Liquids
(Bild: ©murziknata - stock.adobe.com, nonillion - stock.adobe.com, AZO, [M]-Sahlmüller)

Heute Bio-Senf, morgen Tomatenketchup, nächste Woche Fischsuppe: Gautschi Spezialitäten produziert seit über 40 Jahren alle Arten von kalten Saucen, Dips und Dressings, sowohl für Industriekunden wie auch für kleine Marken. Seit Kurzem bereichern verzehrfertige Suppen die Angebotspalette – insgesamt kommen jährlich über 450 Rezepturen zum Einsatz. So umfangreich die Produktpalette, so wichtig ist es für das traditionsreiche Schweizer Unternehmen, die Wünsche der Kunden einfach und schnell umzusetzen.

„Flexibilität und individuelles Eingehen auf Kundenwünsche sind Eckpfeiler unserer täglichen Arbeit“, betont Urs Bütikofer, Produktionsleiter bei Gautschi Spezialitäten. Diese Eigenschaften müssen sich auch in der Produktion widerspiegeln, denn Gautschi stellt pro Jahr Hunderte unterschiedlicher Produkte her, darunter rund 25 Prozent in bester Bioqualität. Insgesamt verlassen pro Jahr 4000 Tonnen Saucen und Suppen die Fabrik im schweizerischen Utzenstorf.

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Möglich machen diese Vielfalt der Rezepturen vier Azo Liquids-­Prozessanlagen – die erste von ihnen wurde bereits 2010 installiert. Hauptkriterium für die Entscheidung war ein entwicklungsfähiges Konzept: Die Anlage sollte mit der wachsenden Produktion Schritt halten können und auch den flexiblen Anforderungen gewachsen sein. Diese Voraussetzungen erfüllt die erste für Gautschi konstruierte Batch Vakuum-Prozessanlage Zoatec BG ebenso wie all ihre Nachfolger.

In der neu errichteten, knapp 3000 m2 großen Produktionshalle sind alle Maschinen rundum begehbar. Sämtliche Komponenten am Prozessbehälter sind darüber hinaus problemlos von außen zugänglich und ermöglichen so eine einfache Bedienbarkeit, Reinigung und Wartung: beste Voraussetzungen für Produkte und Mitarbeiter.

Große Vielfalt, häufige Rezepturwechsel

Die große Produktvielfalt bei Gautschi erfordert häufige Rezepturwechsel. Zudem weisen die verschiedenen Produkte unterschiedliche Homogenitäten auf, von cremigen Dips bis zu Suppen mit stückiger Einlage. Das akribische Ausloten der Anforderungen an den Prozess und damit auch die exakte Konfiguration der Anlage waren für den Saucen-Spezialisten daher unabdingbar.

Der erste Schritt bei der Planung der Anlage bestand daher aus einer gemeinsamen Bedarfsanalyse und dem anschließenden Formulieren der individuellen Anforderungen. „Ziel war die Zusammenstellung einer Anlage, die alle vorhandenen Rezepturen programmgesteuert produziert und somit für all unsere Produkte durchgehend eine gleichbleibende und hohe Qualität garantiert“, fasst Urs Bütikofer, Produktionsleiter Gautschi Spezialitäten, zusammen.

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Maßgeschneiderte Anlage für vielseitige Prozesse

Die Hauptanforderung des Produktionsleiters: Die Homogenität der Erzeugnisse sollte weiter optimiert werden, vor allem im Hinblick auf die stetige Erweiterung des Produktangebots. Denn neue Rezepturen bringen oft auch neue Anforderungen mit sich, in Bezug auf eine feine Verteilung der Tröpfchen, optimierte Stabilität und eine ansprechende Farbe – insbesondere bei Öl-Wasser-Gemischen. Zudem stand die Notwendigkeit der schnellen und effizienten Reinigung im Vordergrund. Wichtig ist daher ein effizienter Prozess, in den sich neben den üblichen automatischen Abläufen auch manuelle Produktionsschritte störungsfrei integrieren lassen.

Bei jeder der insgesamt vier Prozessanlagen, die Azo Liquids für Gautschi geplant und konstruiert hat, flossen während der Entwicklung immer wieder Anpassungen des Saucenherstellers mit ein. Veränderungen an den einzelnen Elementen und auf die besonderen Anforderungen des Kunden angepasste Konfigurationen wurden dabei bereits im Vorfeld im Technikum in Neuenburg getestet. In den ausführlichen Testläufen werden wichtige Daten und Informationen gewonnen. Anhand dieser Fakten ist eine Installation des kompletten Produktionssystems vor Ort innerhalb von fünf Monaten möglich.

Die Vakuum-­Prozessanlage Typ Zoatec BG ist modular aufgebaut und so für jeden Bedarfsfall flexibel einsetzbar. Wichtig ist dies besonders hinsichtlich der umfangreichen Produktvariationen, die Gautschi produziert. Hauptbestandteile der Anlagen sind die jeweils 400 Liter fassenden Mischbehälter. Sie besitzen einen Doppelmantel zum indirekten Kühlen und Heizen. Die Mischbehälter stehen auf nur vier Maschinenfüßen, darin integrierte Wiegezellen sichern höchste Auswertungsgenauigkeit.

Hauptbestandteil der Vakuum-Prozessanlagen bei Gautschi ist das modulare Rührwerk. Dieses ist kombiniert mit zwei beweglichen Strömungsbrechern und einem Frequenzumrichter für eine optimale Anpassung der Mischgeschwindigkeit an die Produkteigenschaften. Die PTFE-Abstreifplatten sind ohne zusätzliche Befestigungselemente über einen passgenauen Formschluss am Rührwerk angebracht. Dies vermeidet ein Überhitzen des Produktes beim Heizen sowie beim Abkühlen das Auskristallisieren an der Behälterinnenwand. Geringe Wandabstände und bis zum Deckel hochgezogene Abstreifelemente verhindern zudem ein Anbacken und Ankleben des Produkts an der Behälterwand. So ist ein sicherer Prozess ohne manuellen Eingriff gewährleistet.

Zusätzlich sind im Mischerdeckel Sprühdüsen installiert, die eine rückstandsfreie CIP Reinigung ohne manuelle Hilfe ermöglichen. Sie werden über den Homogenisator mit einem Druck von 2 bis 3 bar und einer Strömungsgeschwindigkeit größer 2 m/s gespeist. Somit ist keine zusätzliche Druckerhöhungspumpe für die Reinigung erforderlich.

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Der Homogenisator – Herzstück der Anlage

Eine gleichbleibend stabile Struktur der Produkte und eine gute Fließfähigkeit ermöglicht der Azo Liquids-Homogenisator, der mit vom Antrieb weg gerichtetem Produktstrom arbeitet. Für das schonende Einmischen stückiger Güter ist es möglich vom Dispergiermodus in den Pumpmodus umzuschalten. Besonders bei der Herstellung von Fertigsuppen, in die ganze Teigwaren in Chargengrößen von 400 Kilogramm gemischt werden, beweist der Homogenisator hier seine Stärke.

„Dank des sehr guten Wirkungsgrades der frequenzgesteuerten Inline Homogenisatoren von 600 U/min bis 3000 U/min erreichen wir für jedes Produkt die von unseren Kunden gewünschte Qualität“, beschreibt Urs Bütikofer die Vorteile der Anlage. So werden im Werk täglich 18 Tonnen produziert, aufgeteilt in Chargen von 180 bis 400 Kilogramm und mit Produktionszeiten von zehn Minuten bis zu einer Stunde. „Dank der Anlagen von Azo Liquids konnten wir die Laufzeiten gemessen an der Batchgröße um circa 30 Prozent verkürzen“, fasst der Produktionsleiter zusammen.

Geschickt kombiniert für Heiß-Kalt-Verfahren

„Vor dem Ziel einer Verkürzung der Prozesszeiten war uns zudem wichtig, dass die Anlagen je nach Prozessanforderungen kombinierbar sind“, ergänzt Urs Bütikofer. Die Lösung: Eine Produkttransferleitung stellt die physikalische Verbindung zwischen zwei Vakuum-Prozessanlagen her. Vorlagenbehälter geben die Rohstoffe in Form von Pulver, Cremes oder Flüssigkeiten zu, das Entleeren geschieht über ein speziell entwickeltes Entleerventil. Eine solche Kombination zweier Anlagen ist insbesondere bei Heiß-Verfahren interessant. Denn die Verbindung zweier Anlagen minimiert den durch die erforderliche Abkühlzeit entstehenden Zeitverlust enorm.

Während im zweiten Behälter die erste Charge schonend heruntergekühlt wird, kann man im ersten Behälter bereits eine neue Charge produzieren. „Unsere Vakuum-Prozessanlagen Typ Zoatec BG laufen ohne Probleme, fünf Tage die Woche“, so Urs Bütikofer. Und der Produktionsleiter ist sich sicher: „Sollte einmal etwas sein, steht uns das Serviceteam von Azo Liquids zur Seite“. Kein Wunder also, dass Gautschi auch bei der erneuten Erweiterung seiner Produktionskapazität im Herbst 2017 die fünfte Prozessanlage von Azo Liquids installieren wird.

* Der Autor ist Leiter Vertrieb und Marketing bei Azo Liquids, Neuenburg am Rhein.

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