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Namur-Hauptsitzung 2018

Digitalisierung wird anfassbar – Namur-Hauptsitzung blickt in die Zukunft

| Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Wolfgang Ernhofer

Auch bei dieser Fragestellung geht es darum, wie sich der Informationsfluss verbessern lässt. Zum Hintergrund: Alle wesentlichen Informationen wurden in Form von Zeichnungen, Verfahrensfließbild und Rohrleitungs- & Instrumentierungsfließbild sowie Spezifikationsblättern für Anlagenteile und Geräte dokumentiert. Und dies wurde dann in Datenmodelle überführt, um sie in den CAE- und IT-Systemen zu speichern.

Genau hier tut sich jedoch insbesondere beim herstellerübergreifenden Arbeiten eine gewaltige Lücke auf. Dabei ist doch eines der wesentlichen Ziele der Digitalisierung/Industrie 4.0 die Durchgängigkeit, Transparenz und Effizienz aller Geschäftsprozesse. „Um Prozessschritte über alle Gewerke zu integrieren, ist es notwendig, ein neutrales, Disziplinen übergreifendes, Hersteller unabhängiges Datenmodell zu entwickeln“, erklärte Otten, der in seinem Vortrag die Dexpi (Data Exchange in Process Industry)-Initiative vorstellte. Damit wird ermöglicht, Informationen aus einem Rohrleitungs- & Instrumentierungsfließbild in genau solch ein Datenmodell zu überführen. Entscheidender Punkt dabei: Das Modell basiert auf gängigen Normen (u.a.ISO 10628, IC6242, IEC 61987) und relevanten Namur-Empfehlungen (NE100, NE159 und NE 150). Es muss also kein neuer Standard entwickelt werden.

Das Modell wird zurzeit bei Evonik in die Zielarchitektur der Simulations- und CAE-Systeme implementiert, so dass ein durchgängiges Datenmanagement von der Verfahrensentwicklung bis in den technischen Anlagenbetrieb möglich ist. Über das Engineering hinaus soll das Modell als Basis für den digitalen Zwilling der Anlage dienen. „Damit verringert sich der Implementierungsaufwand der Systeme und es öffnet sich die Möglichkeit Funktionalitäten, die bisher in getrennten System realisiert wurden, z. B. Prozessinformationssysteme, auf Plattformen zu virtualisieren,“ so Otten abschließend.

Konnektivität – Das Fundament für die Digitalisierung

Traditionell ist die Automatisierungspyramide das Leitbild und die Architektur für die Automatisierung von Chemieanlagen. Im aktuellen Szenario der immer schneller wachsenden Anforderungen an die Datenverfügbarkeit ist die strenge Architektur jedoch nicht flexibel genug, um neue Sensoren zu integrieren. „Wir müssen raus aus der grauen sicheren Welt in die rosarote Cyber-Welt“, gab Martin Schwibach, BASF, die Richtung vor. Schließlich hängen Industrie 4.0-Anwendungsfälle von der Erfassung und Analyse neuer Daten ab. Hierfür ist es notwendig, eine bessere Konnektivität bereitzustellen, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.

Genau der Punkt IT-Sicherheit wird jedoch in Zukunft der Knackpunkt sein. „Wir haben jeden Tag 390.000 neue Schadprogramme. Und dies obwohl wir noch nicht einmal in einer digitalisierten Welt leben“, verdeutlichte Arne Schönbohm, Präsident des BSI, am Rande der diesjährigen Namur-Hauptsitzung, die Dringlichkeit. Insgesamt ist festzustellen, dass eine neue Angriffsqualität die Gefährdungslage auf ein neues Niveau hebt und flexible Gegenmaßnahmen erfordert. Aus diesem Grund ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun Mitglied in der Namur geworden und umgekehrt tritt die Namur der Allianz für Cyber-Sicherheit bei.

Namur und BSI schmieden starkes Bündnis für IT-Sicherheit

Abwehr von Cyber-Attacken

Namur und BSI schmieden starkes Bündnis für IT-Sicherheit

13.11.18 - 70 % aller Unternehmen sind schon einmal Opfer von Cyber-Angriffen geworden. Die Abwehr solcher Attacken kann nur gemeinsam bewältigt werden. Aus diesem Grund rücken die Namur und das BSI enger zusammen. lesen

Teilnehmer der Allianz für Cyber-Sicherheit profitieren von der Expertise des BSI und erhalten unter anderem Anleitungen und Lösungshinweise bei akuten Gefahrenlagen. Beispielsweise wurde ein Muster-Sicherheitskonzept als Schablone entwickelt, um quasi einen IT-Grundschutz in Chemieanlagen zu erhalten. Insgesamt können solche Vorgaben jedoch nur als Wegweiser dienen. Dabei ist die Prozessindustrie nicht schlecht aufgestellt, so Schönböhm, insbesondere die vorhandenen Safety-Konzepte bieten bereits eine gute Grundlage für den Schutz vor Angriffen durch Cyber-Attacken. Für die Zukunft gilt es nun, noch enger zusammen zu arbeiten und Erfahrungen auszutauschen, auch branchenübergreifend.

Neben der IT-Sicherheit geht es auch darum, der schieren Datenmenge Herr zu werden. Zum Vergleich: „Der digitale Fußabdruck eines Menschen beträgt 45 Gigabyte pro Jahr. Nur eine unserer Anlagen produziert 10 Terabyte Daten pro Jahr“, gab Schwibach eine Größenordnung vor. „Um diese Komplexität zu beherrschen, benötigen wir Regeln und Strukturen.“ Dabei wird die Konnektivität zu oft unterschätzt. „Wir müssen uns um Topologien, Performance, Access-/ID-Management, Firewalls etc. kümmern“, mahnt Schwibach an. In Zukunft entscheiden Verfügbarkeit und Latenz, Transferraten, Teilnehmerdichte etc. über den Erfolg eines Use Cases. Nur dann werden Anwendungen wie der Einsatz von Robotern, Drohnen oder Highspeed-Kameraufnahmen im Rahmen des Predicitive Maintenance zum Alltag werden können.

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Einen weiteren Erfolgsfaktor sieht Schwibach in der Flexibilität bei der Anbindung der Feldgeräte an die IT-Infrastruktur, Data Connectivity und im Device Management. Dabei ist sich der Experte wohl bewusst, dass es auch hier keine Lösung für alle Anwendungen geben wird. Auch hier kann noch über das 'Wie' diskutiert werden, über das 'Ob', aber nicht mehr, wie abschließend anmerkte: „Wenn Daten das Erdöl des 21. Jahrhunderts sind, dann ist Connectivity die Tankstelle.“

Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Fazit: Auch wenn viele Digitalisierungsprojekte in der Prozessindustrie bisher nur punktuell in die Praxis überführt wurden, hat das Tempo deutlich zugelegt oder wie es der neue Namur-Vorsitzende Dr. Felix Hanisch beschreibt: „Die Digitalisierung in der Prozessindustrie wird anfassbar und besteht nicht mehr nur als Powerpoint-Folie.“ Dabei sieht er die Namur weiter als Gestalter der digitalen Transformation und forderte die Anwender auf, mehr Digitalisierung zu wagen, beispielsweise Produktprototypen von MTP und NOA in die Anwendung zu bringen.

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Vielleicht berichten die Anwender schon auf der nächsten Namur-Hauptsitzung im nächsten Jahre über erste Erfolge. Diese findet am 7. und 8.November 2019 wieder in Bad Neuenahr unter dem Motto „Enhanced connectivity for smart production“ statt.

Sponsor der nächsten Namur-Hauptsitzung 2019 wird Verbindungs- und Automatisierungsexperte Phoenix Contact.

Link zum Video des Namur-Hauptvortrags von Endress+Hauser

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