Industrie-4.0-Praxistest bestanden

Digitale Sensorik erkennt drohenden Lagerschaden an Pumpe

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Warten auf die Betriebsbewährung

Solche innovativen Konzepte in der Großchemie umzusetzen, ist nicht immer ganz einfach, wie Kronisch erklärt: „Bei Pilotanwendungen in der Chemieindustrie hat man folgende Schwierigkeit: Entweder ist die Anwendung so kritisch, dass man Anlagenteile in einem gewissen Turnus (Pumpen nach 50.000 Betriebsstunden) vorsorglich austauscht, oder man versucht, ein anderes Konzept umzusetzen. Mitunter vergeht aber sehr viel Zeit, bis man beurteilen kann, ob sich ein neues Konzept wirklich lohnt.“

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Umso erfreulicher – zumindest aus Sicht des IoT-Projektteams bei ISW-Technik – war es, dass der KSB Guard etwa zwei Monate nach der Inbetriebnahme eine Anomalie im Schwingungsbild einer Etanorm-Pumpe, also eine Abweichung zum Normalbetrieb, meldete. Die Techniker identifizierten einen sich anbahnenden Lagerschaden und leiteten zu unkritischen Zeiten eine gezielte Instandhaltungsmaßnahme ein, obwohl die Pumpe sicher noch zwei Wochen problemlos gearbeitet hätte.

„Es ist natürlich viel praktischer, wenn diese Maßnahmen im normalen Betrieb stattfinden, anstatt in einer ungeplanten Nachtaktion“, macht Jakobi deutlich. Gleichzeitig können viele Vorgänge parallel ablaufen. So wurde die Ersatzteillieferung sofort angestoßen, und auch der Ausbau und die Reparatur konnten besser geplant werden. Der größte Vorteil jedoch: Ein spontaner Ausfall der Anlage mit ungeplanten Stillstandzeiten und möglichen, weiterreichenden Betriebsschäden konnte verhindert werden. Dank der gezielten, vorausschauenden Instandhaltungsmaßnahme erhöhten sich damit nicht zuletzt die Sicherheit und Verfügbarkeit der Energieversorgung im Industriepark.

Da es sich beim Einsatz des neuen Überwachungssystems um ein Pilotprojekt handelte, hat man die Pumpen weiterhin klassisch im Blick. „Natürlich achtet der Schichtleiter weiter auf Geräusche oder Leckagen, so wie er es viele Jahre gemacht hat“, erklärt Jakobi, der jedoch einen Ausblick in die Zukunft wagt. „Der Fachkräftemangel wird seine Spuren hinterlassen, und daher werden solche intelligenten Überwachungssysteme immer interessanter.“ Wurden früher routinemäßig kritische Komponenten nach einer bestimmten Betriebsstundenzahl getauscht, ist man in den vergangenen Jahren in vielen Anlagenteilen zu einer zustandsorientierten Wartung übergegangen.

Mit der jetzigen Lösung geht man aber noch einen Schritt weiter – in eine vorausschauende Wartung. „Das ist wirklich ein Sprung und vor allem eine Anwendung, die sich zu Recht Industrie-4.0-Anwendung nennen darf“, so Kronisch.

Auf dem Weg zum Full-Service-Konzept

Seiner Meinung nach funktionieren solche innovativen Konzepte nur, wenn sie vom Anwender akzeptiert werden. Doch hier merkt Kronisch einen Bewusstseinswandel. „Vor einigen Jahren war für viele Anwender Smart Maintenance noch nicht greifbar, inzwischen haben wir einige Projekte hinsichtlich Machine Learning- oder Big-Data-Analysen mit Erfolg umgesetzt.“ Auch KSB Guard ist mittlerweile bereits bei einem weiteren Kunden der ISW-Technik am Standort im Einsatz. Kronisch ist überzeugt, dass man die KSB-Lösung weiter ausbauen wird, vor allem bei kritischem Equipment. Dies ist vor dem Hintergrund interessant, dass die Pumpeninstandhaltung zum Full-Service-Konzept ausgebaut werden soll.

„Das heißt, der Kunde am Standort bekommt kaum etwas von den Instandhaltungsaufgaben mit und hat mit dem Austausch eines Lagers so wenig wie möglich zu tun“, wagt Kronisch einen Ausblick. Geplant ist, diese Predictive-Maintenance-Lösung im Laufe der nächsten Monate auf die nächste Stufe der Digitalisierung zu heben: Die Zustandsüberwachung wird dann zukünftig über die eigene IoT-Plattform „KI-Konzept“ automatisiert erfolgen. Man darf gespannt sein.

* Die Autorin ist Fachjournalistin für Chemie und Technik.

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