Gesundheitsrisiken

Diese Gesundheitsrisiken stecken in Nanomaterialien

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Auch im Auto ist jede Menge Nano zu finden: Vom Autoreifen, der mit nano-Ruß und nano-Siliziumdioxid einen besseren Grip bekommen soll, bis hin zum Autoabgas, das ebenfalls nano-Ruß, bei Dieselfahrzeugen aber vermutlich auch nano-Cerdioxid enthält. Im Gegensatz zu Kosmetika werden Nanomaterialien im Auto aber wenig thematisiert – vielleicht liegen bei „des Deutschen liebsten Kind“ die Prioritäten anders?

Risikomanagement muss Vor- und Nachteile abwägen

Nicht immer sind die Schlussfolgerungen so eindeutig. So etwa wird nano-Eisen als Reagenz verwendet, um z.B. durch chlorierte Lösungsmittel (CKW) verunreinigtes Wasser zu reinigen. Im Feldversuch konnte gezeigt werden, dass die CKW in verunreinigtem Grundwasser in ungefährliche Substanzen zerlegt werden konnten, wenn man mit Hilfe von Bohrungen das nano-Eisen in das Grundwasser einbrachte. Das Eisen lockt als positiven Nebeneffekt Bakterien an, welche beim Abbau der CKW mithelfen ("Düngungseffekt"). Diesen positiven Effekten stehen aber Nebenwirkungen gegenüber: Kommen Kleinorganismen mit dem nano-Eisen in Kontakt, kann es für sie negative Folgen haben. Eine Studie hat beispielsweise gezeigt, dass Zebrafischembryonen verzögert schlüpfen, wenn sich nano-Eisen auf ihre Eihülle aufgelagert hat. Zebrafischembryonen kommen allerdings nicht im Grundwasser vor.

Die verschiedenen Aspekte müssen sorgfältig abgewogen und ein Risikomanagement installiert werden. Im Fall des nano-Eisens ist das relativ einfach: da es mit Verunreinigungen im Grundwasser reagiert, dabei wesentlich giftigere Schadstoffe aus dem Grundwasser entfernt und sich auch überschüssiges nano-Eisen mit der Zeit abbaut, besteht ein sehr geringes Risiko für andere Organismen – die Vorteile überwiegen.

Viele weitere Beispiele findet man in der DaNa-Wissenbasis. Die dort vorgenommene Zuordnung von Anwendungen und Eigenschaften ist weltweit einzigartig: Auch in anderen Datenbanken werden Eigenschaften der Nanomaterialien beschrieben, dabei aber nicht unterschieden, in welcher Anwendung die jeweiligen Eigenschaften wichtig sind. So ist es etwa prinzipiell möglich, dass bestimmte Materialien, wenn sie als nano-Pulver vorliegen, im menschlichen Körper Entzündungen hervorrufen. Tatsächlich kommt aber der Verbraucher mit diesen pulvrigen Nanomaterialien nicht in Kontakt. In der DaNa-Datenbank werden daher die Eigenschaften der Nanomaterialien im Kontext gesehen: von einem Nanomaterial geht nur dann ein Risiko aus, wenn es sowohl toxisch ist und als auch die Möglichkeit zum direkten Kontakt besteht.

Langzeitschäden von Nanomaterialien teilweise unklar

Damit werden Nanomaterialien aber nicht automatisch für ungefährlich erklärt. Es gibt immer noch eine Menge Fragen zu klären, unter anderem auch im Bereich der Umwelt-Toxikologie. Untersuchungen zum Ende der Lebenszeit von Verbraucherprodukten, die Nanomaterialien enthalten - also wenn der Tennisschläger auf der Mülldeponie landet - müssen noch durchgeführt werden. Ebenso sind Langzeituntersuchungen zu den Auswirkungen von Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt derzeit noch nicht abgeschlossen. Auch sie werden weitere wichtige Hinweise auf mögliche Gefährdungen bringen.

Das Projekt DaNa2.0 wird von BMBF unter dem Förderkennzeichen 03X0131 gefördert. Der Autor dankt Dr. Dana Kühnel vom Umweltforschungszentrum Leipzig für die fachliche Unterstützung.

* Dr. Christoph Steinbach, DECHEMA e.V. arbeitet für den Bereich Chemische Nanotechnologie

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