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Brexit-Folgen Die Ruhe vor dem Insolvenz-Sturm

| Redakteur: Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Die britische Wirtschaft zeigt sich nach dem EU-Referendum derzeit noch recht stabil und täuscht so über die langfristigen Konsequenzen des EU-Austritts hinweg, die das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hemmen. Doch die Profitabilität der Unternehmen gerät zunehmend unter Druck, warnt der Kreditversicherer Euler Hermes.

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Spätestens ab dem Jahr 2017 erwartet Euler Hermes stärkere Auswirkungen der Brexit-Entscheidung.
Spätestens ab dem Jahr 2017 erwartet Euler Hermes stärkere Auswirkungen der Brexit-Entscheidung.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

„Der Wendepunkt lässt sich sogar genau bestimmen: Seit dem zweiten Quartal haben Insolvenzen in Großbritannien angezogen“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Zuvor waren die Fallzahlen vier Jahre in Folge rückläufig. Zwar hat sich das Risiko einer Rezession durch die schnelle Benennung der neuen Premierministerin sowie durch die effiziente Nutzung der Geldpolitik verzögert, vom Eis ist die Kuh aber noch lange nicht. Die Zukunftsaussichten und die Attraktivität für künftige Investitionen aus dem Ausland haben bereits durch die Brexit-Unsicherheit und die möglichen Austrittsszenarien gelitten. Derzeit ist das wohl die Ruhe vor dem Insolvenz-Sturm.“

Unternehmen müssen die Folgen des Brexits verstehen

Politische Anhaltspunkte oder Leitlinien für die Wirtschaft könnten helfen. So lange diese weiterhin unklar sind und die Unternehmen keine Planungssicherheit haben, wird der Sturm kaum aufzuhalten sein.

„Investitionen basieren auf Vertrauen – und die derzeitige Unsicherheit ist quasi der böse Gegenspieler des Vertrauens“, sagte Van het Hof. „Die Wirtschaft insgesamt wird aber vermutlich auch weiterhin relativ robust bleiben – jedenfalls bis zum effektiven EU-Austritt.“ Dieser könnte 2019 stattfinden, wenn man von Austrittsverhandlungen ab März 2017 ausgeht.

„Obwohl die Wirtschaft recht widerstandsfähig ist, steigt das Risiko schon jetzt, sowohl im Inland als auch für Exporteure aus dem Ausland“, sagte Van het Hof. „Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Sie müssen dabei künftige Risiken berücksichtigen und genau verstehen, inwiefern der Brexit genau ihr Geschäftsmodell negativ beeinflussen könnte. Wenn investitionsintensive Branchen bei wichtigen Entscheidungen jetzt auf der Stelle treten, könnte das in der Zukunft weniger Produktionsmengen und Jobs bedeuten.“

Dies betrifft vor allem Branchen wie die Luftfahrt, das Baugewerbe, die Metallindustrie und Automatisierung. Kapitalintensive Industrien wie beispielsweise der Automobilsektor sowie die Chemie- und Papierbranche merken jetzt schon die steigenden Kosten.

Transaktionen werden zurückgefahren

„Zudem führt die Unsicherheit zu einem Investitionsstau bei Fusionen und Übernahmen“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. „Um ganze 30 % sind in den vergangenen zwölf Monaten die Transaktionen gestiegen, die derzeit auf Eis liegen. Viele Unternehmen warten auf den formellen Beginn der Austrittsverhandlungen, bevor sie anfangen, ihre Planungen für Arbeitsplätze und Investitionen anzupassen.“

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