Standort-Vermarktung Die mitteldeutsche Chemie- und Kunststoffindustrie auf Investorenfang

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Mit 18 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2006 haben die Chemie- und Kunststoffindustrie von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg ihre Wirtschaftskraft bewiesen. Jetzt stellt das Cluster sein Potenzial als Chemiestandort in einer neuen Broschüre künftigen Investoren vor.

Firmen zum Thema

Am Chemiestandort Leuna steht die Gesellschaft Infraleuna Neuansiedlern zur Seite. Bild: Infraleuna
Am Chemiestandort Leuna steht die Gesellschaft Infraleuna Neuansiedlern zur Seite. Bild: Infraleuna
( Archiv: Vogel Business Media )

Halle, Bitterfeld – Im Jahr 2006 erarbeiteten 750 Chemie- und Kunststoff-Betriebe in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg einen Umsatz von 18 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war das eine Steigerung um rund 15 Prozent. Das dokumentiert der erste mitteldeutsche Clusteratlas Chemie/Kunststoffe, der jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die in englischer und deutscher Sprache erschienene Broschüre soll bei der weltweiten Suche nach weiteren Investoren helfen. Erarbeitet und herausgegeben wird der Atlas von der isw Gesellschaft für wissenschaftliche Beratung und Dienstleistung aus Halle, die im Auftrag der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland den Clusterprozess forciert. Unterstützt wurde die Veröffentlichung durch die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt und die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland.

Bildergalerie

Die Broschüre erinnert daran, dass seit Beginn der 90er Jahre allein in die großen Standorte Sachsen-Anhalts, in Leuna, Schkopau, Bitterfeld-Wolfen, Zeitz, Piesteritz sowie in Böhlen (Sachsen) und in Schwarzheide (Brandenburg) Investitionen von 17 Milliarden Euro zur Sanierung und Neuerrichtung der Infrastruktur und Produktionsanlagen geflossen sind. Bis zum Jahr 2008 sind hier Investitionen mit weiteren 650 Millionen Euro und 1200 neue Arbeitsplätze geplant.

Mitteldeutschland als Mittler im europäischen Handel

Der Atlas für das Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland beleuchtet Schwerpunkte der Branche. Mitteldeutschland wird als Chemieland vorgestellt, das von der chemischen Industrie und Kunststoffverarbeitung geprägt ist. Es hätten sich in Mitteldeutschland eine Vielzahl von Netzwerken und Kooperationen etabliert, die oft über Ländergrenzen hinweg reichen und damit Synergien frei setzen würden, heißt es in der Broschüre weiter. Als Beispiel wird die enge Zusammenarbeit mit dem Automobilbau in Mitteldeutschland hervorgehoben. „Die Verflechtung des Clusterprozesses mit Entwicklungen in der Automobilindustrie, in der Biotechnologie, der Logistik, dem Maschinen- und Anlagenbau lösen neue Impulse für die Entwicklung Ostdeutschland aus“, sagte der Sprecher des Zukunftscluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland, Christoph Mühlhaus, bei der Präsentation der Publikation.

Hervorgehoben werden in dem Clusteratlas die besonderen Chancen für die Chemie- und Kunststoffindustrie durch die Nähe zu den mittel- und osteuropäischen Wachstumsmärkten. Gerade die Verschiebung europäischer Wirtschaftsaktivitäten in Richtung Osten erhöhe die Bedeutung ostdeutscher Regionen als Mittler im europäischen Handel.

Mitteldeutsche Chemieunternehmen setzen auf Vernetzung

Mit statistischem Material zeichnet die Broschüre die Entwicklung seit den 90er Jahren nach. Große Aufmerksamkeit wird dem Stoffverbund und den Wertschöpfungsketten gewidmet, die Forschung, Produktion und Absatz verknüpfen. Weiterhin stellt die Broschüre die einzelnen Chemieparks und Chemiestandorte vor. Dabei wird dem Netzwerk CeChemNet, dem Verbund der Chemiestandorte in Mitteldeutschland, ebenso viel Aufmerksamkeit gegeben wie der Zusammenarbeit von 18 europäischen Chemieregionen im Netzwerk European Chemical Regions Network (ECRN). Zum Inhalt gehören auch Netzwerke, Kompetenzzentren, Wachstumskerne, Zweckverbände und Arbeitsgemeinschaften ebenso wie Forschungseinrichtungen an Hochschulen und an außeruniversitären Einrichtungen.

Das Cluster Chemie/Kunststoffe versteht sich als eine Plattform des Länder übergreifenden Zusammenwirkens. Auf ihr arbeiten sowohl große wie auch kleine und mittlere Firmen, deren Verbände, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Dienstleister sowie Politik und Verwaltung zusammen. Das Cluster zählt mehr als 400 Unternehmen.

(ID:221211)