Konjunktur-Daten der Chemiebranche Die Konjunktur der Chemiebranche entwickelt sich positiv, doch es gibt auch Verlierer

Redakteur: Marion Wiesmann

Im ersten Halbjahr 2007 setzte sich die gute Chemiekonjunktur fort. Das geht nicht nur aus den Zahlen des VCI und des BDI hervor. Auch die Quartals- und Halbjahresberichte der großen Chemieunternehmen bestätigen den Aufschwung. Einzelne Sparten scheinen jedoch ihren Zenit erreicht zu haben.

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Das erste Halbjahr ist für die deutsche Chemiebranche gut gelaufen.
Das erste Halbjahr ist für die deutsche Chemiebranche gut gelaufen.
( Bild: PROCESS )

Die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen im In- und Ausland wächst weiter, und mit ihr wuchs die Produktion im ersten Halbjahr um vier Prozent. Auch der VDI-Innovationsklimaindex für die deutsche Chemiebranche hat einen neuen Rekordwert erreicht. Der wichtige Stimmungsindex stieg zum Ende des zweiten Quartals 2007 von gut 30 auf 45 Punkte. Über alle Fachbereiche hinweg konnte der Wert von 30 Punkten vom ersten Quartal weiter gehalten werden.

Die Branche zeigte in der ersten Jahreshälfte jedoch eine zweigeteilte Entwicklung: Während das Wachstum der Grundstoffchemie bereits ihren Zenit überschritten hat, setzten alle anderen Sparten ihre positive Entwicklung fort. Sehr erfreulich verlief die erste Jahreshälfte besonders für Fein- und Spezialchemikalien, die ein Produktionsplus von 7,5 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2006 aufwiesen. Im Fall des Chemiekonzerns Wacker zeichnete sich die Entwicklung jedoch nicht ganz so positiv ab, denn der Umsatz des Geschäftsbereichs „Fine Chemicals“ stagnierte. Andere Wacker-Geschäftsbereiche legten dagegen kräftig zu, besonders der Bereich „Polysilicon“ steigerte im zweiten Quartal seinen Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26 Prozent.

Schlechtere Produktionszahlen vermeldeten laut VCI hingegen die Sparten „anorganische Grundstoffe“ mit einem Minus von 1,5 Prozent und „Petrochemikalien“, dessen Produktion stagnierte. Als einzige Grundstoff-Sparte konnten die Polymere mit einem Plus von einem Prozent ein geringes Wachstum aufweisen. Grund für diesen Effekt ist die starke Baukonjunktur weltweit. Denn sie verhalf nicht nur Engineering-Unternehmen wie Linde zu einem Umsatzplus von fast acht Prozent, sondern bescherte auch dem Wacker-Geschäftsbereich „Polymers“ ein Plus von rund 14 Prozent.

Gewinner und Verlierer in Chemie und Pharma

Ein weiterer großer Gewinner des ersten Halbjahres ist, wie sich schon im ersten Quartal angedeutet hatte, der Global Player BASF mit einem Umsatzplus von 19 Prozent. Besonders die Segmente Chemikalien und Veredelungsprodukte konnten bei BASF zulegen. Auch bei den Styrol-Kunststoffen steigerte das Unternehmen sein Ergebnis deutlich. Sorgenkind des Konzerns mit rückläufigen Zahlen ist hingegen das Segment Öl und Gas. Anders bei technischen Gasen: Der Geschäftsbereich „Gases“ von Linde berichtet von einem bereinigten Umsatzplus von satten 7,9 Prozent im ersten Halbjahr. Insgesamt hat das Gas- und Engineering-Unternehmen knapp 13 Prozent Umsatz zugelegt.

Mit sieben Prozent Umsatzwachstum kann auch Altana gute Zahlen aufweisen, während Bayer vergleichsweise moderat um 5,4 Prozent den Umsatz erhöhen konnte. Der Bayer-Teilkonzern Healthcare legte hingegen um 9,3 Prozent zu, so wie insgesamt die Produktion der pharmazeutischen Industrie wieder Fahrt aufgenommen hat – laut VCI lag sie im ersten Halbjahr bei sieben Prozent über dem Vorjahr. Beispiel Fresenius: Der Konzernumsatz stieg um rund zehn Prozent. Doch auch im Pharmamarkt gibt es Verlierer. Der Gewinn des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis ist im zweiten Quartal unerwartet stark zurückgegangen. Die Konkurrenz durch Generika sowie der starke Euro ließen das Nettoergebnis des drittgrößten Pharmaunternehmens um 6,3 Prozent fallen.

Branchenkenner erwarten 2007 ein Umsatzplus von 5,5 Prozent

Der Ausblick fällt jedoch weniger euphorisch aus: Einen „anhaltend robusten Geschäftsverlauf“ erwartet Wacker. BASF rechnet mit einem weltweiten Wachstum von rund 3,5 Prozent, das sich regional jedoch sehr unterschiedlich gestalte. Als Risiken nennen die Unternehmen den deutlich gestiegenen Ölpreis. Angesichts hoher Rohölpreise werden die Erzeugerpreise voraussichtlich um zwei Prozent steigen, so die Prognose des VCI. Auch die derzeit schwache Entwicklung des US-Dollars sowie die Spannungen in weltweiten Krisengebieten könnten sich auf den globalisierten Chemiemarkt auswirken. In Summe ist die Branche jedoch auf einem guten Weg, und es soll laut VCI weiter bergauf gehen. Für das Gesamtjahr 2007 rechnet der Verband mit einer Erhöhung der Chemieproduktion um 3,5 Prozent und einem Umsatzplus von 5,5 Prozent. Der Bund Deutscher Ingenieure warnt dagegen vor einem leichten Nachfragerückgang aus dem Ausland.

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