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ACHEMA Trendbericht Chemieanlagenbau

Die Karten im Chemieanlagenbau werden neu gemischt

| Redakteur: Marion Henig

Die Rahmenbedingungen im Chemieanlagenbau haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Und auch die Finanzmarktkrise wird die fundamentalen Kräfte, die diese Veränderungen treiben, nur wenig beeinflussen. Wie sich die Rollenverteilung zwischen Prozessbetreibern, Anlagenbauern und Lieferanten verändert und mit welchen Konzepten Planer gegensteuern, lesen Sie hier.

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Im Chemieanlagenbau sind neue Konzepte gefordert.
Im Chemieanlagenbau sind neue Konzepte gefordert.
( Bild: BASF )

Bis 2003 war die Welt aus Sicht des Chemieanlagenbaus noch in Ordnung. Kalkulierbare Preise und Risiken sowie weitgehend akzeptierte Vertragsbestandteile und Spielregeln schufen ein recht stabiles Umfeld, in dem die Unternehmen des Anlagenbaus wachsen konnten. Doch dann setzten auf breiter Front Veränderungsprozesse ein: Die Lieferzeiten für Schlüsselequipment stiegen, die Preise für Anlagenausrüstung – insbesondere Maschinen und Apparate – explodierten und machten manches Projekt unwirtschaftlich. Was waren und sind die Gründe für diese Entwicklung?

Der wichtigste Faktor war der mit dem einsetzenden Wirtschaftsboom in den größten Volkswirtschaften der Welt einhergehende Rohstoffbedarf. Und hier spielt der Ölpreis eine entscheidende Rolle. So bauten in den USA Raffineriebetreiber angesichts lukrativer Ölpreise massiv Kapazitäten aus und absorbierten die verfügbaren Engineering- und Montagekapazitäten sowie das am Markt angebotene Equipment. Zudem machen hohe Energiepreise Investitionen in teure Verfahren zur Rohstoffgewinnung wirtschaftlich. Aber auch andere Branchen profitierten von der Rohstoffknappheit und dem Energiehunger der Industrie: Neue Minen wurden und werden erschlossen, eine Vielzahl neuer Kraftwerke befindet sich im Bau, und auch zivile Bauvorhaben treiben die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Engineering, Bau und Montage und nach Maschinen und Apparaten. Und da die Nachfrage den Preis bestimmt, kennt dieser nur eine Richtung: aufwärts.

Inzwischen ist der Ölpreis infolge der Finanzmarktkrise zwar gesunken, aber jüngsten Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA zufolge wird er bis 2030 auf über 200 Dollar pro Barrel klettern – und damit eine Vielzahl von Investitionsprojekten anschieben. „Wir gehen davon aus, dass der derzeitige Boom noch mindestens bis 2012 bzw. 2014 anhalten wird“, erklärt Dr. Ralf Sick-Sonntag, Leiter des Engineerings bei Bayer Technology Services. Hintergrund für diese Einschätzung: Der Auftragsbestand und die Vollauslastung der Anlagenbauer deuten auf einen „Super Cycle“ bis zum Jahr 2012 bzw. 2013 hin. Projektverzögerungen lassen erwarten, dass der „Super Cycle“ bis 2014/2015 anhält. Die angekündigten LNG-Programme erfordern Megaprojekte bis 2016. Und: Die bereits angekündigten Kraftwerksprogramme werden bis 2030 für eine hohe Projektlast sorgen.

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