Ifat 2014

Die Ifat 2014 im Visier – Mit Exklusiv-Interview stimmt PROCESS auf die Leitmesse ein

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Energiepotenziale bei Wasserkraft und Kläranlagen

PROCESS: Das Thema Energieeffizienz beschäftigt uns alle bereits seit Jahren. Wo sehen Sie ungenutzte Potenziale für effiziente Technik in der deutschen Wasser- und Abwasserwirtschaft?

Schaaf: Das größte Potenzial der Wasserwirtschaft hinsichtlich Energieeffizienz liegt ohne Zweifel in der Nutzung der Wasserkraft. Hier werden pro Jahr schon jetzt mehr als 20 TWh an elektrischer Energie erzeugt. Das ermittelte Zubaupotenzial wird theoretisch auf etwa 4 bis 5 TWh geschätzt, von denen gut 3 TWh als realisierbar angesehen werden können. Besonders bei der Erweiterung der Wasserkraftnutzung an den Flüssen kommt es auf die ökologische Verträglichkeit im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie an, was für jeden Einzelfall geprüft werden muss.

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Zusätzlich schlummert ein nicht unerhebliches Energiepotenzial in den Kläranlagen. Im ersten Schritt geht es um die Möglichkeiten der Einsparung von Energie, die im Arbeitsblatt der DWA-A 216 „Energieanalysen für Kläranlagen“ aufgezeigt werden. Wir gehen davon aus, dass ein Einsparpotenzial von 25 % realistisch ist. Neben der Einsparung von Energie kann auch die Produktion von Energie in Form von Wärme und Strom wesentlich gesteigert werden. Hier ist eine Steigerung der Stromerzeugung von derzeit 1,1 auf 3 TWh/a möglich. Bei der Nutzung zusätzlicher Faulraumkapazitäten zur Co-Vergärung anderer organischer Stoffe kann hier zusätzlich eine weitere TWh realisiert werden. Gleichzeitig müssen wir die besten Optionen für die Energienutzung betrachten. Als Stichworte nenne ich hier nur „Power to gas“ oder Wasserstofftechnologie.

Weitere Möglichkeiten liegen aber auch in der Kanalisation. Abwasser hat durch die Anteile an Prozess- und/oder Warmwasser eine vergleichsweise hohe Temperatur. Die Temperaturen im Kanal oder auf der Kläranlage liegen selbst im Winter in der Regel zwischen 10 und 15 °C. Das Abwasser ist damit deutlich wärmer als die Außenluft. Abwasser ist deswegen eine günstige Wärmequelle für Wärmepumpen zur Beheizung von Gebäuden.

PROCESS: Branchenbeobachter prognostizieren gigantische Marktgrößen für Produkte und Dienstleistungen im globalen Wasser- und Abwassersektor. Wie gut sind deutsche Unternehmen für dieses Wachstum aufgestellt?

Schaaf: Sie sind gut aufgestellt. Das Wachstumspotenzial bezieht sich aber nicht nur auf den Export von Produkten und Dienstleistungen. Der Erfolg liegt insbesondere in der Kombination, die Produkte und Dienstleistungen mit dem erforderlichen Betriebs-Know-how zu koppeln. Nur so ist es möglich, moderne Anlagen mit der notwendigen Kompetenz und Effizienz zu betreiben. In diesem Kontext wäre es wünschenswert, die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland so zu gestalten, dass auch öffentliche Betreiber ihren Beitrag zu internationalen Verbesserung der Sanitärversorgung leisten könnten. Deutschland verfügt wie kein anderes Land über entsprechende Ausbildungsberufe im Wassersektor.

Der internationale Markt ist riesig: Nur zehn Prozent des weltweiten Abwassers wird gereinigt. Für die restlichen 90 % bleibt viel zu tun! Deutschland verfügt über Technologien, bei denen sogar die Amerikaner fünf bis zehn Jahre hinter den hiesigen Entwicklungen zurückliegen. Wir haben ein hohes Maß an Know-how erreicht, das auch international von Interesse ist.

Wie steht die DWA zur Nutzung von Technologien wie Geothermie und Fracking? Und welche Lehren kann man aus dem diesjährigen Juni-Hochwasser ziehen? Das erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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