Suchen

Ifat 2014

Die Ifat 2014 im Visier – Mit Exklusiv-Interview stimmt PROCESS auf die Leitmesse ein

| Redakteur: Jörg Kempf

In gut einem halben Jahr ist es wieder soweit: It’s Ifat-Time! Die weltweit wichtigste Umwelttechnologiemesse findet vom 5. bis 9. Mai 2014 auf dem Münchner Messegelände statt. Welche technischen Trends erwarten den Besucher, was treibt die Branche um? Antworten gibt Otto Schaaf, Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe Köln und seit 2007 Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Firmen zum Thema

( Bild: Bettina Fürst-Fastré / Stadtentwässerungsbetriebe Köln )

PROCESS: Herr Schaaf, das Motto der Ifat 2014 lautet: Resources, Innovations, Solutions. Wo gibt es aus Ihrer Sicht in der Wasser- und Abwasserwirtschaft noch technisches Entwicklungspotenzial?

Schaaf: Hier müssen wir differenzieren. Besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern benötigen wir neuartige Sanitärsysteme, die robust, einfach und langlebig installiert werden können. Doch auch in den Industrienationen zwingen uns die Folgen der demographischen Entwicklung immer mehr in flexiblere Prozesse und nachhaltige Investitionen. Diese neuartigen Sanitärsysteme, die unter dem Sammelbegriff NASS zusammengefasst werden können, zielen auf die nachhaltige Nutzung oder Wiederverwertung von Stoff- und Wasserströmen im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Sie schaffen kosteneffiziente Alternativen zu den bestehenden Systemen und erweitern die Verfahrenspalette für Länder mit unzureichender Sanitärversorgung. Für Länder mit knappen Wasserressourcen ist die uns bekannte Schwemmkanalisation ein nicht zu finanzierender Luxus.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 49 Bildern

Weiteres Entwicklungspotenzial sehe ich in Technologien, die z.B. die Reinigungsleistung weiter verbessern, Stichwort Spurenstoffelimination. Dabei geht es um das Entfernen von Stoffen, die beispielsweise durch Medikamente, Kosmetika, Pestizide, Düngemittel oder viele andere Industrieprodukte in sehr geringen, aber messbaren Konzentrationen in den Wasserkreislauf gelangen. Die DWA vertritt die Auffassung, diese Schadstoffe möglichst an der Quelle zu vermeiden bzw. die Stoffe am Ort der Entstehung zu separieren. Der energetische und damit der finanzielle Aufwand für eine flächendeckende Aufrüstung aller Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe wäre immens, würde aber dennoch die Gesamtproblematik nicht lösen. Viele der eingetragenen Stoffe können in einer 4. Stufe nicht oder nur unzureichend entfernt werden oder sie werden zu Transformationsprodukten umgewandelt, deren Schadwirkung bisher nicht hinreichend untersucht wurde. Zudem werden nicht alle Eintragspfade erfasst.

Darüber hinaus sehe ich Entwicklungspotenzial bei allem, was mit Energie zu tun hat. Sowohl die Entwicklung neuer Technologien zur Gewinnung von Energie aus dem Prozess der Abwasserreinigung, als auch die Steigerung der Energieeffizienz haben das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die stromautarke Kläranlage rückt in erreichbare Nähe. Aus dem Abwasserstrom kann man nicht nur Energie gewinnen. Auch Wertstoffe können und sollten im Sinne einer wirkungsvollen Kreislaufwirtschaft zurückgewonnen werden. Die Forschung hat bereits verschiedene Verfahren zum Recycling von Phosphor entwickelt, die allerdings noch nicht wirtschaftlich eingesetzt werden können. Die Abwasserwirtschaft arbeitet intensiv daran, die Verfahren so weiterzuentwickeln, dass eine breite Anwendbarkeit in der Praxis wirtschaftlich erreicht wird.

PROCESS: Sie haben das Stichwort Spurenstoffelimination bereits genannt: Die DWA ist Projektpartner beim Verbundprojekt „TransRisk“, das sich mit dieser Thematik befasst. Was ist der Part der DWA dabei? Gibt es bereits Erkenntnisse?

Schaaf: In „TransRisk“ werden die möglichen Risiken durch das Vorkommen anthropogener Spurenstoffen und ihrer Transformationsprodukte im Wasserkreislauf charakterisiert. Gleiches gilt für Krankheitserreger. Aufgabe der DWA ist es, die Ergebnisse zu kommunizieren und zu verbreiten. Ziel ist außerdem, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und das betroffene Fachpersonal zu schulen. In der Modellregion Donauried wurden mithilfe des entwickelten chemischen, ökotoxikologischen und mikrobiologischen Analyseinstrumentariums erste Erkenntnisse zu Arzneimitteln und anderen anthropogenen Spurenstoffen in Kläranlagenabläufen gewonnen, die hormonähnliche und zytotoxische Wirkungen aufweisen. Besonders in Klinikabwässern lassen sich antibiotika-resistente Keime nachweisen.

Neben den analytischen Aktivitäten im Rahmen der Risikocharakterisierung wird im Projekt an einem optimierten Verfahren zur Elimination anthropogener Spurenstoffe gearbeitet. Hierzu laufen Untersuchungen an einer Versuchskläranlage in Darmstadt, in der ein Membranbioreaktor mit teilintegrierter Ozonanlage errichtet wurde. Parallel wird in der Versuchsanlage konventionell behandeltes Abwasser mit nachgeschalteter Ozonung und kombinierter Bio-/Aktivkohlefiltration getestet. Ein alternativer Ansatz basiert auf dem Einsatz spezieller Eisenbakterien im Rahmen der Abwasserbehand-lung, die bestimmte Medikamente oxidieren und abbauen können.

Wie gut sind deutsche Unternehmen im globalen Wasser- und Abwassersektor aufgestellt? Hierzu und zum Thema Energieeffizienz äußert sich Otto Schaaf auf der folgenden Seite.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42305411)