Valve World Expo & Conference 2010 Die ganze Welt der Armaturen: Die Valve World Expo & Conference 2010 in Düsseldorf

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Auch bei den Herstellern von Armaturen gilt: Komplettanbieter haben bessere Marktchancen. Für Kooperationsgespräche und zum Aufbau von Netzwerken bot die Valve World Expo in Düsseldorf beste Möglichkeiten – wo sonst dreht sich auf einer Veranstaltung alles allein um das Thema Armaturen und Zulieferer? PROCESS hat sich auf der Messe umgesehen und präsentiert wichtige Highlights.

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536 internationale Unternehmen aus 37 Ländern präsentierten an drei Messetagen neueste Technologien, Komponenten und Systeme aus dem breiten Feld der Industriearmaturen. (Bild: Messe Düsseldorf)
536 internationale Unternehmen aus 37 Ländern präsentierten an drei Messetagen neueste Technologien, Komponenten und Systeme aus dem breiten Feld der Industriearmaturen. (Bild: Messe Düsseldorf)

Wen immer PROCESS beim Messe-Rundgang ansprach: Alle Aussteller waren höchst zufrieden mit dem Wechsel von Maastricht (dort fand die Valve World Expo & Conference bislang bereits sechs mal statt) nach Düsseldorf. Die professionelle Organisation und die bessere Erreichbarkeit des neuen Standortes wurden mehrfach hervorgehoben – so auch durch den Ebro-Marketingleiter Peter Eckhoff: „Der Standort Düsseldorf hat uns kundenseitig sehr viele gute, neue Kontakte gebracht. Der Vorteil besteht auch in der logistischen Nähe zu unseren Großkunden und den schnellen Verkehrsanbindungen dorthin.“ Von einer geradezu „ausgelassenen Stimmung bei Ausstellern und Besuchern“ spricht gar der Veranstalter.

Neue Ideen für ein höheres Sicherheitsniveau

Pilotgesteuerte Sicherheitsventile sind bereits seit Jahren in den USA und auch im Mittleren Osten bewährt; in den meisten europäischen Ländern sind solche Ventile erst durch die harmonisierte Norm DIN EN ISO 4126-4 zulässig. Ihr Vorteil: Die bis zum Ansprechdruck steigende Zuhaltekraft eines solchen Ventils bietet dem Betreiber den Vorteil, seine Anlage nahe am Ansprechdruck des Ventils betreiben zu können.

Zudem erlauben pilotgesteuerte Sicherheitsventile höhere Gegendrücke als federbelastete Sicherheitsventile. Dazu wird die Zuhaltekraft nicht durch eine Feder aufgebracht, sondern durch das abzusichernde Medium selbst. Als erster deutscher Hersteller von Sicherheitsventilen bietet Leser pilotgesteuerte Sicherheitsventile in den Nennweiten DN 25 bis DN 200 an. Zu den Anwendungsgebieten solcher Sicherheitsventile gehören Chemieanlagen, Raffinerien und Offshore-Anwendungen.

ARI präsentierte gleich mehrere Neuheiten, u.a. das Safe FN (Full Nozzle), ein Sicherheitsventil nach API 526 bis 414 bar (6000 psi). Die präzise Wiederholgenauigkeit des Ansprechdrucks, ein servicefreundlicher Wendekegel (beidseitig einsetzbare Dichtplatten) sowie die optimale Kegelzentrierung sind die hervorstechenden Eigenschaften des neuen Sicherheitsventils. Weitere Merkmale sind die höhere Lebensdauer durch eine sichere Düsenzentrierung und den Schutz vor Spaltkorrosion (Gewinde der Düse nahe am Sitz) sowie durch den korrosionsbeständigen Faltenbalg in Standard-Inconel 625.

Als Schutzlösung vor hohen Drücken in allen industriellen Anwendungen für kleine und mittelgroße Durchflussmengen von Dampf, Gasen und Flüssigkeiten präsentierte Bopp & Reuther die Produktserie Si 11/13/14. Das Ventil ist konstruiert als kompaktes und modulares Sicherheitsventil. Die Klassifizierung folgt dem API-Standard 526.

Nach der Explosion der Bohrinsel im Golf von Mexiko besteht rund um das Thema Oil & Gas ein enormer Innovationsdruck. Dazu präsentierten mehrere Hersteller Lösungen im Bereich LDAR (Leak Detection and Repair).

Automatisierte Armaturen: Auch für den Ex-Bereich

Armaturenantriebe und Stellungsregler werden zunehmend mit Kommunikations- und Diagnosefunktionen ausgerüstet, das zeigte einmal mehr die Valve World 2010. Mit Opos Interface offerieren die Partner Arca, Bar und Siemens eine Standard-Schnittstelle für die zuverlässige und effiziente Verbindung eines intelligenten Stellungsreglers und eines pneumatischen Schub- bzw. Schwenkantriebs. Die Schnittstelle zeichnet sich aus durch eine kostengünstige Montage, reduzierte Lagerhaltungskosten für Ersatzteile, erhöhte Zuverlässigkeit und Standfestigkeit sowie sicheren Stellungsreglertausch im laufenden Betrieb mittels integrierter Verblockung. Dies gilt besonders bei sicherheitsgerichteten Applikationen. Die Standard-Schnittstelle ist herstellerunabhängig und bietet Anwendern bei der Auswahl von Produkten hohe Flexibilität.

Hoerbiger präsentierte den elektrohydraulischen Armaturenstellantrieb EHAS als Komplettsystem mit integrierten Sicherheitsfunktionen. Ein besonderes Merkmal ist die wartungsfreie, autonome Hydraulik. Die Armaturen werden elektrisch angesteuert, das Eingangssignal gelangt zum kompakten Hydraulikaggregat und wird von diesem in hohe Stellkräfte umgesetzt. Die Radialkolbenpumpe und der Ausgleichs- und Vorratstank für das Hydrauliköl sind in einem druckgekapselten und Atex-geprüften Gehäuse untergebracht. EHAS eignet sich damit insbesondere auch für Anwendungen im Ex-gefährdeten Umfeld. Die kompakte Antriebseinheit wird direkt an den Aktuator einer Armatur angeflanscht.

Airline Ex von Bürkert ist ein modulares elektropneumatisches Automatisierungssystem, das komplexe Prozess- und Fertigungsabläufe im Ex-gefährdeten Umfeld (Zone 1/21) automatisiert. Dabei erlaubt die Konstruktion in der Zündschutzart Eigensicherheit (Exi) den Wechsel von Ventilen und Modulen im laufenden Betrieb. Airline Ex wird vor allem in der Pharmaindustrie, der Chemie und Petrochemie sowie der Lackverarbeitung eingesetzt. In diesen Anwendungsgebieten ermöglicht das System eine Integration von Exi-Pneumatikventilen ohne zusätzlichen Verdrahtungsaufwand. Prozess- und Fertigungsabläufe können durch die Integration von pneumatischen Funktionen somit auch im Ex-Umfeld konsequent dezentralisiert werden.

Actubar heißt die intelligente Generation pneumatischer Schwenkantriebe von Bar. Der Antrieb ist Hauptbestandteil des Valve-Control-Systems Bar-Vacotrol: ein modulares System zum Überwachen, Regeln und Diagnostizieren von Automatik-Armaturen.

Lösungen zur Überwachung von Regelventilen

Bei mangelnder Wartung können Regelventile die Prozesssicherheit erheblich negativ beeinflussen. Um den tatsächlichen Zustand eines Regelventils im Prozess zu erfassen, sind komplexe Analysen und die Erfahrung des Herstellers wichtig. Eine Reihe von Unternehmen hat Lösungen entwickelt, um das zu ermöglichen.

So offeriert beispielsweise Flowserve ein netzwerkfähiges Diagnosesystem für Regelventile, das in einen Überwachungsleitstand vor Ort oder in ein Plant Asset Management über FDT/DTM eingebunden werden kann. Ventil und Stellungsregler werden konstant überwacht. Flowserve richtet das vollautomatische Diagnosesystem darauf aus, nicht auf Symptome hinzuweisen, sondern eine vorausschauende, vorbeugende Diagnose zu bieten: Der Fokus liegt auf dem Status des Ventils und weniger auf Alarmmeldungen. Die eigentlichen Ursachen sollen erkannt werden. Und es werden Vorschläge gemacht, mit welchen Schritten die Funktionsfähigkeit des Ventils und des gesamten Produktionsablaufes verlängert wird. Unnötige Inspektionen, insbesondere die Analyse unkritischer Prozesskomponenten werden vermieden – unproduktive Arbeitsschritte entfallen.

Siemens präsentierte den elektropneumatischen Stellungsregler Sipart PS2 für Schub- und Schwenkantriebe in der Prozessindustrie. Er ist im Kunststoff-, Aluminium- oder Edelstahlgehäuse verfügbar und bietet neben unterschiedlichen Funktionalitäten auch Diagnosemöglichkeiten. Mit dem Sitrans VP300 stellte das Unternehmen zudem einen robusten Stellungsregler vor, der sich durch berührungslose Stellungserfassung, ein grafikfähiges Display und verschiedenste Diagnosefunktionen auszeichnet. Mit der mechanischen und pneumatischen Schnittstelle Opos-Interface ermöglicht der Sitrans VP300 darüber hinaus eine besonders einfache Montage.

Mit PFA ausgekleidet: Sicher ist sicher

Kugelhähne der Baureihe BVI/BVA von Richter Chemie-Technik dienen als Absperr- und Stellarmaturen für aggressive Medien. Die Kugelhähne sind, so der Hersteller, eine kostengünstige Alternative zu Armaturen aus Sondermetallen und speziellen Legierungen. Präsentiert wurde diese Baureihe zudem als Alternative zu ausgekleideten Kükenhähnen, mit dem Vorteil höherer Durchflusswerte, deutlich geringerer Drehmomente und minimalen Wartungsaufwands. Die 3 mm dicke Auskleidung besteht aus reinem PFA mit dem Vorteil einer hohen Permeationsbeständigkeit und einer vakuumfesten Verankerung.

Neu bei Ebro sind zentrische Leichtmetall-Gehäuse mit eingegossenem Edelstahlring, die als durchschlagende, metallisch dichtende Version Produktströme regeln und absperren und dabei auf verschleißende Elastomermanschetten verzichten. Zudem gibt es die Stafsjö-Schieber nun mit Linearzylinder. Die neuen Schaltkästen für die Stellungsrückmeldung sind äußerst niedrig und werden direkt auf den Zylinder aufgesetzt. Durch den Verzicht auf die Montagebrücke baut das System niedriger und bietet Anlagenbauern und -betreibern eine deutliche Platzersparnis.

Fazit

536 internationale Unternehmen aus 37 Ländern präsentierten an drei Messetagen neueste Technologien, Komponenten und Systeme aus dem breiten Feld der Industriearmaturen. Rund 9800 Besucher zählte man in Düsseldorf – wobei die Zahl der Erstbesucher etwas überrascht: Fast zwei Drittel der Messegäste gaben an, zum ersten Mal die Valve World Expo & Conference zu besuchen.

Die Messe war zudem gut terminiert, haben sich doch die Perspektiven insbesondere für die deutschen Hersteller von Industriearmaturen im ersten Halbjahr 2010 im Zuge der weltweiten konjunkturellen Erholung erfreulich verbessert. Impulse erwartet die Branche insbesondere aus der Kraftwerkstechnik, der chemischen Industrie sowie der Petrochemie.

Die nächste Valve World Expo findet vom 27. bis 29. November 2012 wieder in Düsseldorf statt.

* Der Autor arbeitet als freier Mitarbeiter für PROCESS.

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