ACHEMA 2009 Die ACHEMA bleibt auf der Erfolgsspur

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die ACHEMA ist auf Kurs, trotz Wirtschafts- und Finanzkrise - das war der Tenor der Wirtschaftspressekonferenz zur ACHEMA 2009. PROCESS vermittelt Ihnen ein Bild der aktuellen Stimmung.

Firmen zum Thema

Alfred Oberholz, Vorsitzender der Dechema: „Die Idee von der +2° Gesellschaft darf nicht auf dem Altar der Wirtschaftskrise geopfert werden.“
Alfred Oberholz, Vorsitzender der Dechema: „Die Idee von der +2° Gesellschaft darf nicht auf dem Altar der Wirtschaftskrise geopfert werden.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Frankfurt – „Krisen sind wie Krankheiten, sie sind ansteckend, aber es gibt auch Immunsysteme und Teil des Immunsystems scheint die ACHEMA zu sein.“ Ob das Bild, das der Dechema-Vorsitzende Dr. Alfred Oberholz auf der Wirtschaftspressekonferenz der ACHEMA 2009 heraufbeschworen hat, tatsächlich stimmig ist, wird erst nach der Ausstellung offenbar werden. Aber die Signale, welche die Podiumsteilnehmer sendeten, waren eindeutig. Die Prozessindustrie leidet zwar zurzeit, doch die Wirtschaftkrise ist beherrschbar.

„Bevor wir anfangen zu jammern, sollten wir beachten von welchem Niveau wir kommen“, meint Gottlieb Hupfer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rossdorfer Enviro Chemie und Vorsitzender der VDMA-Fachverbandes Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate. In den vergangenen fünf Jahren jagte ein Rekordergebnis das nächste. Noch im Jahr 2008 haben die deutschen Hersteller verfahrentechnischer Maschinen und Anlagen in den ersten drei Quartalen um 18 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gesteigert. Auch die Exporte konnten sich im vergangenen Jahr sehen lassen. Sie erreichten fast 4,6 Milliarden Euro und stiegen damit im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Zwar schlägt der Einbruch der Chemiebranche mittlerweile auch auf die Ausrüster durch, und Hupfer erwartet nicht nur einen Auftragsrückgang sondern wachsenden Druck auf die Margen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Trotzdem sieht er die Branche vor allem im Vergleich zu den starken italienischen Wettbewerbern gut gerüstet. Die Auftragsbücher waren Ende 2008 noch gut gefüllt. Der durchschnittliche Auftragsbestand entsprach einer Produktion von fünf Monaten – bei einem Streuband von zwei Wochen bis zu einem Jahr. Bis Mitte des Jahres oder sogar darüber hinaus sei die Auslastung der Unternehmen noch gesichert, meint Hupfer. „Das gibt uns Zeit, unsere Kapazitäten und Ressourcen den Gegebenheiten anzupassen.“ Ohnehin werde in den nächsten zwei bis drei Jahren, so glaubt er, wenig in ganz neue Produktion investiert werden, aber die Branche lebe nicht nur von Neuinvestitionen. „Ein großer Teil, ich vermute 50 Prozent fließt, in Umbau- und Modernisierungsprojekte.“ Mit Prognosen für das laufende Jahr hält er sich allerdings zurück. Das erste Halbjahr müsse erst vorbei sein, ehe eine halbwegs vernünftige Prognose möglich wäre.

Energiebranche wächst noch

Ganz ähnlich der Tenor von Michael Ziesemer, Mitglied der Geschäftsführung bei Endress+Hauser und Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbandes Automation und Vorsitzender Fachbereich Messtechnik und Prozessautomatisierung. Die Auftragseingänge in der Prozessautomatisierung seien im ersten Quartal 2009 um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen, das sei massiv, aber geringer als in anderen Investitionsgüterbereichen. „Das liegt daran, dass die Projekte zu einem großen Teil von langfristigen Trends getrieben sind“, erklärt er. Das gilt vor allem für die noch recht krisenresistente Energiebranche, bei denen zum Teil Investitionsprojekte mit einem Vorlauf von sieben bis acht Jahren geplant werden. Wachstum sieht Ziesemer daher weiterhin im Bereich Öl und Gas, in der Kraftwerks- und der Wassertechnik. Rückläufig seien dagegen die Auftragseingänge in der Chemie, um Maschinenbau und in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. „ Wir sehen beispielsweise bei den Herstellern von Abfüllanlagen Auftragsrückgänge zum Teil von deutlich unter minus 30 Prozent“, präzisiert er.

(ID:295536)