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M&A-Analyse

Deutschland-USA-Deals dominieren in der Chemieindustrie

| Redakteur: Tobias Hüser

Die größten Transaktionen von deutschen Käufern im Chemiesektor von 2007 bis heute.
Die größten Transaktionen von deutschen Käufern im Chemiesektor von 2007 bis heute. (Bild: KPMG)

Die Zahl der angekündigten Fusionen und Übernahmen ist in den Branchen Life Sciences und Chemie laut einer KPMG-Analyse im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent von 1801 auf 1765 zurückgegangen. Das Transaktionsvolumen sank im selben Zeitraum um 29 % von 293 Milliarden Dollar auf 209 Milliarden Dollar. Die stärksten M&A-Aktivitäten sind in USA und China zu verzeichnen. Gerade deutsche Unternehmen zeigen starkes Interesse an US-Unternehmen.

Berlin – Im Chemiesektor wurden im ersten Halbjahr 534 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 66 Milliarden Dollar angekündigt. Damit zeigt sich hier ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahreswerten (578 Deals mit einem Gesamtvolumen von 153 Millionen Dollar). Auf dem Markt für Spezialchemie kündigten Huntsman und Clariant ihren Zusammenschluss an. Das fusionierte Unternehmen Huntsman Clariant soll sich mit einem erwarteten Umsatz von mehr als 13 Milliarden Dollar stärker im Markt für Spezialchemie positionieren. Die Parteien erwarten durch die Fusion eine Wertsteigerung um mehr als 3,5 Milliarden Dollar.

China bastelt am größten Chemiekonzern der Welt

Mega-Fusion

China bastelt am größten Chemiekonzern der Welt

18.05.17 - Die beiden chinesischen Chemiunternehmen Sinochem und Chemchina planen eine Fusion. Mit einem Jahresumsatz von rund 90 Milliarden Euro, würde der neu entstandene Chemiegigant den bisherigen Branchenprimus, BASF, ablösen. lesen

US-Unternehmen sind als Ziel möglicher Übernahmen sehr attraktiv. Die aktivsten Käufer von US-Unternehmen in der Chemiebranche sind neben einheimischen Wettbewerbern deutsche Firmen Diese Entwicklung zeichnet sich bereits seit einem Jahrzehnt ab, doch haben deutsch-amerikanische M&A-Aktivitäten vor allem seit 2014 deutlich Fahrt aufgenommen: In diesen Zeitraum entfallen sechs der zehn größten Transaktionen der vergangenen zehn Jahre, die von deutschen Käufern angekündigt beziehungsweise umgesetzt wurden und US-amerikanische Unternehmen zum Ziel hatten.

Die wichtigsten Transaktionen im Chemie-Sektor

Der Vorstand von Bayer verkündete auf der jährlichen Hauptversammlung Ende April, dass er den Abschluss des 66-Milliarden-Dollar-Kaufs von Monsanto noch in diesem Jahr erwartet. Evonik Industries schloss im ersten Halbjahr 2017 den Kauf des Bereichs für Spezialadditive von Air Products & Chemicals für 3,8 Milliarden Dollar ab. Auch Lanxess realisierte die größte Transaktion in der Firmengeschichte mit der 2,4-Milliarden-Dollar-Akquisition von Chemtura, einem Hersteller für Additive, und baut ihre Präsenz im US-Markt aus.

Bezogen auf den Transaktionswert stellen deutsche Unternehmen wiederum auch das bevorzugte Akquisitionsziel der US-Amerikaner dar. Die in 2016 angekündigte 35,2 Milliarden Dollar schwere Fusion von Praxair und Linde hat das Potenzial, einen der weltweit größten Anbieter von Industriegasen hervorzubringen. Fresenius Kabi wiederum demonstriert mit ihrer 4,8 Milliarden Dollar-Offerte für das US-amerikanischen Pharmaunternehmen Akorn, dass entsprechende geografische M&A-Tendenzen nicht nur in der Chemieindustrie bestehen, sondern auch im Bereich Life Sciences.

Medtech-Firmen zunehmend im M&A-Fokus

Die KPMG-Analyse erweitert in diesem Jahr zum ersten Mal den Pharmasektor um den Bereich Medizintechnologie (Medtech) und liefert somit ein umfassendes Bild der gesamten Life Sciences-Branche. Im Bereich Life Sciences hat sich die Anzahl der angekündigten Transaktionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zu 2016 um rund ein Prozent auf 1231 erhöht. Das Transaktionsvolumen betrug 143 Milliarden Dollar und damit zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Sechs der zehn größten angekündigten Life Sciences-Deals entfallen auf den Medtech-Bereich.

Chemiebranche mit Verschnaufpause im Übernahmekampf

Übernahmen in der Chemie

Chemiebranche mit Verschnaufpause im Übernahmekampf

30.06.17 - Der Wert der weltweiten Firmenübernahmen im Chemiesegment ist im Vergleich zum ersten Halbjahr der letzten beiden Jahre gesunken, liegt nach Einschätzung von Experten der Unternehmensberatung Price Waterhouse Cooper mit 72,8 Milliarden Dollar aber weiterhin auf hohem Niveau. Europa und die USA kristallisieren sich dabei als Hotspots heraus, die Konsolidierung innerhalb Asiens geht hingegen weiter. lesen

Medtech-Unternehmen setzen derzeit weltweit 392 Milliarden Dollar um – bei einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 5,2 %. In diesem Bereich wurden im ersten Halbjahr 2017 509 Übernahmen und Fusionen in einem Gesamtvolumen von 60 Milliarden Dollar angekündigt. Der Löwenanteil entfällt dabei auf das 24-Milliarden-Dollar-Angebot von Becton, Dickinson & Co. zur Übernahme von C.R. Bard, einem Unternehmen, dessen Fokus auf Urologie, Gefäßerkrankungen und Onkologie liegt.

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