VCI-Studie zu weltweiten Chemiemärkten 2010 Deutschland ist erneut Exportweltmeister von Chemikalien

Redakteur: Marion Henig

Obwohl sich das Wachstum im globalen Chemiegeschäft immer stärker nach Asien verschiebt, bleibt Deutschland nach wie vor Exportweltmeister von Chemieprodukten. Das geht aus einer aktuellen Studie des VCI hervor.

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TOP 10: Chemieexporte in Milliarden Euro, 2010: Die weltweite Chemieproduktion ist auf wenige Länder und Regionen konzentriert. 70 Prozent der globalen Chemieumsätze entfallen auf die zehn größten Chemie-Produzentenländer. Mit Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zählen vier europäische Staaten zu den Top 10. Asien belegt mit China, Japan, Südkorea und Indien ebenso vier Plätze. Die Vereinigten Staaten und Brasilien sind die Vertreter Amerikas in der Top 10. (Grafik, Quelle: VCI)
TOP 10: Chemieexporte in Milliarden Euro, 2010: Die weltweite Chemieproduktion ist auf wenige Länder und Regionen konzentriert. 70 Prozent der globalen Chemieumsätze entfallen auf die zehn größten Chemie-Produzentenländer. Mit Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zählen vier europäische Staaten zu den Top 10. Asien belegt mit China, Japan, Südkorea und Indien ebenso vier Plätze. Die Vereinigten Staaten und Brasilien sind die Vertreter Amerikas in der Top 10. (Grafik, Quelle: VCI)

Frankfurt – Die deutsche Chemieindustrie hat 2010 Waren im Wert von 144 Milliarden Euro ins Ausland verkauft. Das entspricht einem Plus von 17,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie ist damit deutlich vor den USA (129 Milliarden Euro) und Belgien (97 Milliarden Euro) der größte Chemieexporteur der Welt. Das geht aus der Studie „Chemiemärkte weltweit 2011“ hervor, die der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt veröffentlicht hat.

Nach einem Rückgang im Krisenjahr 2009 stieg die weltweite Nachfrage nach Chemikalien 2010 um 23 Prozent auf rund 3,1 Billionen Euro und übertraf damit erstmals die 3 Billionenmarke. Die größten Zuwächse gab es in Asien, Südamerika und Osteuropa. Dort waren Produkte aus Deutschland gefragt wie nie zuvor. Weil die deutsche Chemiebranche während der Wirtschaftskrise ihre Belegschaft gehalten hatte, konnte die Produktion 2010 rasch wieder ausgedehnt und die steigende weltweite Nachfrage bedient werden.

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„Um Innovationen voranzutreiben, steigern die Chemieunternehmen ihre Forschungsausgaben dieses Jahr auf rund 10 Milliarden Euro. Daher ist der VCI zuversichtlich, dass Deutschland auch in den kommenden Jahren Exportweltmeister von Chemieprodukten bleibt“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer

Dr. Utz Tillmann bei der Präsentation der Studie. Das laufendende Jahr stimme zuversichtlich: Allein im ersten Halbjahr 2011 stiegen die deutschen Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 10,5 Prozent auf 77 Milliarden Euro.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie weitere Details aus der aktuellen VCI-Studie "Chemiemärkte weltweit 2011 – Umsatz, Handel und Verbrauch von Chemikalien".

Die weltweite Chemieproduktion konzentriert sich auf wenige Länder

Weltweit wurden laut VCI 2010 Chemikalien im Wert von 3.140 Milliarden Euro hergestellt. In den letzten fünf Jahren ist der globale Chemieumsatz jährlich um über sieben Prozent gewachsen. Asien ist inzwischen der mit Abstand größte Chemieproduzent. 45 Prozent des weltweiten Chemieumsatzes wird von den asiatischen Ländern erwirtschaftet. Europa folgt mit knapp einem Viertel und Nordamerika mit einem Fünftel der Weltchemieumsätze auf Platz zwei und drei. Asien war von der Wirtschaftskrise 2009 deutlich weniger betroffen, profitierte aber vom jüngsten Aufschwung, so dass die Region ihren Weltmarktanteil weiter ausbauen konnte. Auch Lateinamerika konnte seine Position weiter verstärken, wenngleich auf deutlich geringerem Niveau. Die Verlierer von Weltmarktanteilen waren Europa und Nordamerika.

Im Krisenjahr 2009 waren die Chemieumsätze weltweit um über sechs Prozent eingebrochen. 2010 erholte sich der weltweite Chemieumsatz mit einem Plus von über 23 Prozent. Damit konnten global gesehen die Verluste der Krise nicht nur aufgeholt, sondern das Vorkrisenniveau konnte sogar klar übertroffen werden. Allerdings spielen Preis- und Wechselkurseffekte (alle Berechnungen erfolgen in Euro) bei den Umsatzwachstumsraten eine große Rolle.

Industriestaaten verlieren Weltmarktanteile

Mit dem Aufbau neuer Kapazitäten und einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit konnten die Schwellenländer ihre Weltmarktanteile in den letzten zehn Jahren deutlich steigern.

Den größten Zuwachs konnte die Volksrepublik China verbuchen. Im Vergleich zu 2000 konnte sie ihren Weltmarktanteil um über 16 Prozentpunkte ausbauen und überholte damit 2004 Deutschland, 2005 Japan und steht seit letztem Jahr auf Platz 1 weltweit. Auch einige andere asiatische Staaten wie Indien und Indonesien zählen zu den Gewinnern im weltweiten Chemiegeschäft.

Die erdöl- und erdgasreichen Länder im Nahen Osten haben in den letzten Jahren begonnen, eine starke Grundstoffchemie aufzubauen, so dass ihre Weltmarktanteile in den nächsten Jahren vermutlich noch steigen werden.

Die Weltmarktanteile der traditionellen Chemieproduzenten nahmen dagegen weiter ab. Den größten Rückgang mussten Japan und die USA verkraften. Dort sanken im 10-Jahres-Vergleich die Weltmarktanteile um 5,4 bzw. 8,3 Prozentpunkte. Auch die deutsche Chemie verlor gegenüber 2000 Weltmarktanteile. Der Weltmarktanteil sank um 1,5 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent im Jahr 2010.

Die Verschiebung von Marktanteilen ist laut VCI die natürliche Folge des Aufholprozesses der Schwellenländer. Im Industrialisierungsprozess wachse dort der Umsatz mit Chemiewaren dynamischer als in bereits industriealisierten Ländern. Der Verlust von Europa und Nordamerika bedeute demnach nicht, dass der Umsatz hier nicht mehr wachse, das Wachstum falle nur einfach langsamer aus.

Verschiebungen im Chemiegeschäft spiegeln sich auch im Chemieverbrauch wider

Der Chemieverbrauch verteilt sich ähnlich wie die Umsätze auf die Regionen der Welt. Asien verbraucht laut VCI-Studie inzwischen fast die Hälfte der Chemieerzeugnisse weltweit. Europa folgt mit einem Anteil von rund einem Viertel, NAFTA mit einem Fünftel. Die Wachstumszentren der Chemienachfrage haben sich von Westeuropa in die Schwellenländer Asiens, allem nach China und Indien, und auch wieder verstärkt in die Länder Lateinamerikas verschoben. Mit der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre in diesen Ländern und dem zunehmenden Einkommen pro Kopf steigt auch der Chemieverbrauch. Der Verbrauch chemischer Erzeugnisse pro Kopf liegt in den Schwellenländern aber immer noch weit unter dem Verbrauch der Industrieländer. In China beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch beispielsweise nur knapp 600 Euro, in den USA dagegen über 1.800 Euro. Damit ist in den Schwellenländern noch erhebliches Steigerungspotenzial vorhanden. Investitionen in ausländische Produktionsstätten und M&A-Aktivitäten würden durch diese Verschiebung attraktiver, das weltweite Handelsvolumen steigt und die internationale Arbeitsteilung wird immer ausgeglichener, bewertet der VCI die Situation.

Der Ausbau der Produktionskapazitäten wurde und wird in Asien besonders vorangetrieben. Die bevölkerungsreichsten Länder der Erde – China, Indonesien und Indien – sind dabei die am schnellsten wachsenden Chemieproduzenten. Die Länder im Nahen Osten profitieren besonders von den günstigen Rohstoffvorkommen und verstärkten Investitionen im Grundstoffbereich. Bei den osteuropäischen Staaten erzielten Polen, Slowenien und Litauen überdurchschnittliche Wachstumsraten.

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