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Ölpreisverfall Der niedrige Ölpreis bringt Milliardenprojekte in Gefahr

| Autor: Anke Geipel-Kern

Auch wenn sich Autofahrer freuen: Der Ölpreisverfall hat nicht nur gute Seiten. Weltweit verschieben Öl- und Gaskonzerne Riesenprojekte. Was das bedeutet, zeigt die jüngste Analyse der Beratungsfirma Wood Mackenzie.

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Förderprojekte in der Tiefsee sind risikoreich. .
Förderprojekte in der Tiefsee sind risikoreich. .
(Picture: Daniel Sinoca; CC0;)

Der Blick auf die Preisanzeige der Zapfsäule zeigt momentan erfreuliches. Mancherorts muss der Autofahrer nur noch 90 Cent für den Liter Diesel bezahlen. Am Montag notierte ein Barrel der Nordseesorte Brent bei 27, 70 US-Dollar und kostete damit so wenig wie seit November 2003 nicht mehr. Amerikanisches Rohöl (WTI) fiel bis auf 28,36 Dollar – der tiefste Stand seit Oktober 2003. Die internationale Energieagentur IEA spricht von einer Ölflut und von künftigen Preisen um die 20 Dollar für den Barrel Rohöl.

Investoren warten ab

Was das für die vielen in den letzten Jahren geplanten Öl- und Gasprojekte bedeutet, analysiert nun die Beratungsfirma Wood Mackenzie. In der Neuauflage einer bereits im Juni 2015 veröffentlichten Studie kommen die Experten zu wenig ermutigenden Ergebnissen.

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Allein in den letzten sechs Monaten des letzten Jahres seien 22 Fördervorhaben zurückgestellt worden, was einer Fördermenge von sieben Millionen Barrel Öläquivalenten entspricht, die dem Markt nicht zur Verfügung stehen.

Die Studie listet insgesamt 68 Projekte auf, die sich auf jeden Fall verzögern werden, wenn nicht gar komplett aufgehoben werden. Insgesamt summiere sich der Wert dieser Projekte auf 380 Milliarden Dollar. Die Fachleute sprechen von brutalen Folgen des Ölpreisverfalls.

Prominentestes Beispiel ist Royal Dutch Shell, die am Montag bekannt gegeben haben, sich aus einem Milliarden schweren Erdgasprojekt der Vereinigten Arabischen Emirate zurückziehen zu wollen. Weil die Einnahmen wegschmelzen werden Ölfirmen nervös und streichen Stellen, wie etwa der US-Mineralölkonzern Chevron, der den Abbau von 1500 Stellen plant oder BP, bei der laut dpa-Meldung weltweit 4000 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Mehr als die Hälfte der von Wood Mackkenzie aufgelisteten Projekte, die nun aufgeschoben werden, sind übrigens Fördervorhaben in der Tiefsee, wo die Förderung für die Betreiberfirmen besonders kostspielig und auch risikoreich ist.

Klar, dass darunter auch das Projektgeschäft der Großanlagenbauer leidet. Wie aus dem Zwischenbericht von Linde hervorgeht, schlägt sich der Ölpreis in den Auftragsbüchern und im Umsatz nieder. Um zehn Prozent sei der Umsatz der Engineering Division gesunken, heißt es im Konzern. Den französischen Technip-Konzern hat es noch härter getroffen. Der Großanlagenbauer hat bereits im letzten Jahr massive Sparmaßnahmen eingeleitet und verkündet, mit Stellenkürzungen gegensteuern.

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