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Atex in anderem Rahmen

Der Explosionsschutz und das „New Legislative Framework“ der EU

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Was ändert sich bei Atex?

Sieht man von den Prüfstellen ab, die mehr Änderungen zu beachten haben, sind die Neuigkeiten für Wirtschaftsakteure (Hersteller, Importeure und Händler) grundsätzlich überschaubar. Wichtig zu wissen ist zuallererst, dass Atex-Bescheinigungen nach der bisherigen Richtlinienfassung 94/4/EG ihre Gültigkeit behalten. Die NLF-Fassung ist nur Grundlage für neu ausgestellte Bescheinigungen – und dies auch erst verpflichtend ab dem 20. April 2016.

Die EG-Konformitätserklärung wird durch die EU-Konformitätserklärung ersetzt. Bei Zulassungen neuer Geräte wird eine EU-Baumusterprüfbescheinigung ausgestellt. Da sich die Bezeichnung der Richtlinie geändert hat, müssen in neuen Zertifikaten und EU-Konformitätserklärungen natürlich sämtliche entsprechenden Verweise angepasst werden. Außerdem werden manche Begrifflichkeiten revidiert: Der NLF will durch einen klareren Sprachgebrauch Unsicherheiten und Missverständnisse reduzieren, die sich bislang durch uneindeutige Terminologie ergeben konnten. Teils waren auch identische Begriffe in verschiedenen, aber parallel anzuwendenden Normen bislang unterschiedlich gemeint und zu verstehen.

Durch anders definierte Begriffe haben sich in der Atex-Norm aber auch einige inhaltliche Veränderungen ergeben, nämlich insbesondere eine Ausweitung des Geltungsbereichs der Richtlinie. So gilt als „Bereitstellung auf dem Markt“ nicht mehr nur der Vertrieb oder die Verwendung neuer Produkte. Als „Hersteller“ im Sinne der Norm kann jetzt unter Umständen auch ein Anlagenbetreiber betrachtet werden, der explosionsgeschützte Technik für den eigenen Gebrauch auslegt und einsetzt.

Darüber hinaus werden Importeure und Händler in die Pflicht genommen, Produkte in eigener Verantwortung zu begutachten und in fraglichen Fällen die Marktaufsicht zu informieren. Anwender können durch diese Veränderung erweiterte Pflichten zum Beispiel in Form von Prüf- und Dokumentationsvorschriften für Konformitätserklärungen und -bescheinigungen treffen. Über Bezug und Lieferung Atex-konformer Produkte müssen grundsätzlich zur besseren Verfolgbarkeit zehn Jahre lang Unterlagen verwahrt werden.

Ein Schritt in guter Hoffnung

Für viele seriöse Hersteller und Anwender explosionsgeschützter Ausrüstung bedeuten die Veränderungen durch das „New Legislative Framework“ nur einen geringfügigen Umstellungsaufwand ihrer bisher schon üblichen Praxis bei Herstellung und Zertifizierung oder Auswahl und Einsatz normenkonformer Produkte. Ob durch klarer definierte fachsprachliche Begriffe in Zukunft Sachverhalte einfacher und sicherer verstanden werden können, bleibt einstweilen offen.

Abzuwarten bleibt ebenfalls, ob Wettbewerber, die fahrlässig oder mutwillig Prüfverfahren ausgewichen sind und Normen verletzt haben, in Zukunft tatsächlich konsequenter vom Markt ferngehalten werden. Inwiefern das NLF dieses erklärte Ziel erreicht, wird die EU auch selbst beobachten: Die Kommission erstattet im Jahr 2018 Bericht darüber, ob und wie sich die Marktüberwachung konkret verbessert hat.

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