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Industrie 4.0 Datensicherheit wird bei Industrie 4.0 heiß diskutiert

| Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer / Matthias Back

Das Problem der Datensicherheit wird oft diskutiert, wenn es darum geht, das Konzept Industrie 4.0 im Industriebetrieb einzuführen. Und was geschieht mit den Mitarbeitern, die wegen Industrie 4.0 ihren Job verlieren? Unsere Schwestermarke MM Maschinenmarkt hat vier Chefs mittelständischer Unternehmen zu einem Roundtable in die Redaktion eingeladen.

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Gemeinsam mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski (ganz links) und MM-Fachredakteur Reinhold Schäfer (ganz rechts) diskutierten Prof. Dr.-Ing. Holger Borcherding, Technischer Leiter des Bereichs Innovationen, Lenze; Bernhard Müller, Geschäftsführer Industrie 4.0, Sick; Dr. Omar Sadi, Technischer Geschäftsführer, Getriebebau Nord; Dr.-Ing. Gunther Kegel, Vorsitzender der Geschäftsführung, Pepperl + Fuchs (v.l.n.r.).
Gemeinsam mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski (ganz links) und MM-Fachredakteur Reinhold Schäfer (ganz rechts) diskutierten Prof. Dr.-Ing. Holger Borcherding, Technischer Leiter des Bereichs Innovationen, Lenze; Bernhard Müller, Geschäftsführer Industrie 4.0, Sick; Dr. Omar Sadi, Technischer Geschäftsführer, Getriebebau Nord; Dr.-Ing. Gunther Kegel, Vorsitzender der Geschäftsführung, Pepperl + Fuchs (v.l.n.r.).
(Bild: Johannes Untch)

Wenn es um die Vernetzung der Unternehmen nach außen geht, dann kommt schnell die Frage nach der Datensicherheit auf. Der englische Sprachraum verwendet dazu den Begriff Security, der mittlerweile auch bei uns gerne verwendet wird. Eine Studie von IDC zeigt nun geradezu Bestürzendes : So äußerten zwei Drittel der befragten Maschinenbetreiber Sicherheitsvorfälle durch Fremdzugriff, 15 % davon seien sogar Personenschäden. Da wird die Angst vor der Einführung von Industrie 4.0 geradezu groß.

Europäisches Sicherheitsdenken fehlt

Auch Dr. Omar Sadi, Technischer Geschäftsführer des Antriebsherstellers Getriebebau Nord, glaubt, dass viele Firmen Angst hätten, dass andere von außen auf die Daten des Unternehmens zugreifen könnten. Nach seiner Ansicht fehlt es noch an einem Konzept aus europäischer Sicht, das sagt, wie diese Sicherheit aussehen müsste.

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Bernhard Müller, Geschäftsführer Industrie 4.0 des Sicherheitstechnikherstellers Sick, bestätigt dies: „Das Wichtigste ist es, die Datensicherheit herzustellen. Bei uns im Unternehmen haben wir die Sicherheit von außen auch von Hackern überprüfen lassen. Insofern ist die Sicherheit bei uns im Unternehmen schon hoch, doch wenn ich diese IT öffne für fremde Cloudsysteme, wobei das ja auch eigene Clouds sein können, dann muss ich da noch mehr tun als bisher.“ Er glaubt nicht, dass heute schon viele guten Gewissens dies machen können, ohne Angst um ihre Daten zu haben.

Datensicherheit muss hergestellt werden

Dr.-Ing. Gunther Kegel, Vorsitzender der Geschäftsführung des Automatisierungsunternehmens Pepperl + Fuchs, ist hier anderer Ansicht: „Sicherheit ist erst mal nichts, was man kaufen kann. Es ist kein Standard, den ich einfach definieren kann. Ich muss erst einmal überlegen, was ich eigentlich schützen möchte und was mögliche Angriffsszenarien sind, gegen die ich mich schützen will. Davon hängt mein Sicherheitskonzept ab.“ Es sei einfach nicht wahr, dass es keine Sicherheitsmechanismen gegen Hacker gebe, wenn man vorher alles sauber definiert habe, was man schützen möchte und welche Angriffsarten es gebe. „Es gibt praktisch für alles Sicherheitsmechanismen“, ist Kegel überzeugt. Es könne nur durchaus sein, dass es betriebswirtschaftlich irgendwann keinen Sinn mehr habe, weil die Sicherheitsmechanismen die Leistung so stark beeinflussten, dass sich das Konzept so nicht aufrechterhalten lasse.

„Wenn ich hier lese, 15 % Personenschäden: Das glaube ich schlichtweg nicht. Wenn ich sehe, wie wenig Personenschadenunfälle wir im produzierenden Gewerbe in Deutschland haben, dann halte ich das für absolut abwegig.“ Im Gegensatz zu Kegel sieht Sadi dies als realistisch an und fragt Kegel, wie er denn seine Daten schützt.

Hackerangriff von außen ist zu erwarten

Doch Kegel nutzt die Gelegenheit, seinen Gedanken zu den Hackerangriffen von außen weiter zu verfolgen: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir uns gegen eine Million Chinesen schützen können, die staatlich bezahlt Viren entwickeln und versuchen, die ganze Welt zu durchströmen.“ Hier habe man überhaupt keine Chance. Und von diesen Chinesen würden 300.000 nicht in China leben, führt Kegel weiter aus. „Also, wenn Sie einen chinesischen Gaststudenten haben, dann gucken Sie sich den mal genauer an, was das für jemand ist.“

Angriff erfolgt oft von innen

Mögliche Störungen würden oftmals gar nicht von außen kommen, ist Kegel überzeugt. Das Scheunentor stehe vielmehr oft schon von innen weit offen. „Das sind Dinge, die wir tagtäglich erleben, es sind die Amerikaner, es sind die Russen und es sind die Chinesen, die das ganz offen und blind machen und gegen die können Sie sich nicht schützen“, warnt Kegel. Denn diese brauchten sich an kein Gesetz der Welt zu halten. Alles, was wir verabredeten, sei immer ein Pakt, dass wir gegenseitig unsere Verträge auch einhalten würden. Nur: Das störe die alle gar nicht. Also, absolute Datensicherheit wird man laut Kegel keinesfalls schaffen.

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