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Digitale Supply Chain

Datenbasierte Geschäftsprozesse – was Unternehmen beachten sollte

| Autor/ Redakteur: David Cahn* / Anke Geipel-Kern

Die digitale Supply Chain integriert Lieferanten, Kunden und Logistikdienstleister in ein unternehmensübergreifendes Netzwerk. Auch die Prozessindustrie profitiert von solchen Supply Chain Netzwerken.

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Globale Lieferketten verbinden Kunden und Lieferanten.
Globale Lieferketten verbinden Kunden und Lieferanten.
(Bild: ©bakhtiarzein - stock.adobe.com)

Der „Amazon-Effekt“ sorgt dafür, dass Kundenerfahrung und Transparenz in Lieferketten immer wichtiger werden. Vollständige Einblicke in den Status der Bestellung vom Eingang bis zur Auslieferung an der Haustür sind selbstverständlich geworden.

Auch Unternehmen der Prozess­industrie wünschen sich die gleiche Transparenz in Bezug auf ihre Lieferkettenprozesse. Ziel ist es, Effizienz, Gewinn und Kundenzufriedenheit zu erhalten, zu verbessern und gleichzeitig Risiken zu reduzieren. Doch wie lässt sich dieses Ziel erreichen? Eine zunehmende Zahl von Unternehmen setzt dabei auf digitalisierte Prozesse. Diese sollen dazu beitragen, Geschäftsabläufe zu automatisieren, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen und Ergebnisse zu optimieren.

Globale Lieferketten verbinden Kunden und Lieferanten.
Globale Lieferketten verbinden Kunden und Lieferanten.
(Bild: ©bakhtiarzein - stock.adobe.com)

Supply Network unterstützt digitale Transformation

Eine Grundlage für das weitere Vorgehen schaffen Digital Supply Networks. Die Netzwerke unterstützen als Kernbestandteil die digitale Transformation und bilden eine technologische Grundlage für die Verbesserung geschäftsübergreifender Prozesse und den Ausbau von Lieferkettenbeziehungen. Das begünstigt höhere Umsätze und niedrigere Betriebskosten. Die Integration von Lieferanten, Kunden und Logistikdienstleistern ins Netzwerk erfolgt über unterschiedliche Wege.

Über ein Digital Supply Network können sich Unternehmen mit ihren Handelspartnern entlang der Lieferkette verbinden. Eine Herausforderung ist dabei, dass jeder Partner Informationen in seinem eigenen Format einbringt. Die Palette reicht von unstrukturierten Daten über fortgeschrittenes Echtzeit-Daten-Streaming bis hin zu PDFs und vielem mehr.

Alle Informationen werden gebündelt erfasst

Ein Digital Supply Network erfasst die Informationen von Supply-Chain-Handelspartnern bei jeder Transaktion, Kommunikation und Zusammenarbeit. Manuelle Prozesse wie das Versenden einer Bestellung automatisieren das System. Papiergebundene Daten oder E-Mails übersetzt die Software in geeignete Formate, in denen das Dokument elektronisch mit anderen geteilt werden kann.

Alle Daten werden rationalisiert und über die Geschäftsprozesse hinweg korreliert. Nach der Verknüpfung werden die Daten in Informationen umgewandelt, die erweiterte Funktionen für mehr Transparenz bieten. Im Ergebnis können Unternehmen mit rationalisierten Daten, aktiver Zusammenarbeit und konstanter Transparenz Muster identifizieren. Diese Muster lassen sich verwenden, um Algorithmen für maschinelles Lernen zu speisen, die Erkenntnisse höherer Ordnung und Problemlösungen liefern.

Da ein Unternehmen rund um den Globus kauft und verkauft, ist es wichtig, ein Digital Supply Network zu nutzen, um entlang der gesamten Wertschöpfungskette Daten zu erfassen sowie Trends und Informationen über Produkt-, Nachfrage- und Versorgungsnetzwerke zu analysieren. Der Weg hin zur digitalen Transformation ist ein Entwicklungsprozess, der die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen stärkt und zeitgleich bei allen Beteiligten die Produktivität erhöht.

Netzwerk-Interoperabilität erschließt neue Märkte

Zu den digitalen Informationskanälen des Netzwerks gehören Handelspartner, Industrie-Hubs, GPS-Daten, Risikodatenanbieter, Wetterinformationen, das Internet der Dinge, die Blockchain und viele mehr. Für vernetzte Partner ist es leicht, Daten aus mehreren Quellen zu aggregieren, zu korrelieren und sichtbar zu machen.

Was aber wäre, wenn sich das eigene Netzwerk darüber hinaus noch mit den Netzwerken anderer kollaborativer Unternehmen verbinden könnte und so die Zusammenarbeit maßgeblich vereinfacht würde. Je mehr Unternehmen an einem Netzwerk beteiligt sind, desto größer ist der Mehrwert.

Auf lange Sicht ist es unerlässlich, dass Netzwerke mit anderen Netzwerken interagieren, damit sie wiederum ihre Handelspartner bei der Erreichung ihrer eigentlichen Ziele schneller und besser unterstützen.

Das wird als Netzwerkeffekt bezeichnet: Im Kern geht es darum, dass das Wachstum des Netzwerks einen Mehrwert für alle Teilnehmer hat. Wenn Unternehmen ihre Handelspartner in ihrem Kooperationsnetzwerk ansprechen, eröffnet das diesen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Angebote perspektivisch auf andere Netzwerke auszuweiten. Durch die Verbindung und Zusammenarbeit mit mehreren Netzwerken erreichen Unternehmen so potenzielle neue Kunden und erschließen schneller neue Märkte.

Kommunikation via EDI

Viele Unternehmen setzen bei der Kommunikation mit Handelspartnern und Lieferanten auf EDI (Electronic Data Inter­change). Der elektronische Austausch von Dokumenten verbessert die Transaktions­geschwindigkeit und -transparenz und reduziert gleichzeitig den Geldbetrag, der für manuelle Prozesse anfällt.

Eine Anbindung von Dienstleistern und Partnern per EDI lohnt sich allerdings nur dann, wenn Aufträge mit hoher Frequenz ausgetauscht werden. Wenn ein Unternehmen nur zweimal im Monat einen Partner anfragt, ist diese Verbindung von ERP- zu ERP-System zu kostenintensiv. EDI-Software ist teuer und die Herstellung, Konfiguration und Bereitstellung der Verbindung zu einem neuen Partner dauert Monate.

Portale vernetzen Partner mit geringem Aufwand

Eine weitere Variante zur Anbindung an das Netzwerk für Lieferkettenpartner bieten Portale für die Auftragserfassung und Abrechnung. Diese unterstützen auch die unternehmensübergreifende Automatisierung und Digitalisierung, erfordern aber in der Regel weniger Programmieraufwand. Wenn ein Lieferant jedoch eine Verbindung zu zwanzig verschiedenen Portalen herstellen muss, um Aufträge von Kunden zu erhalten, stellt dies eine unnötige Belastung für die vorhandenen Ressourcen dar. Insbesondere dann, wenn die Portale zunächst geprüft werden, um die Aufträge anschließend manuell ins eigene ERP-System zu übertragen.

Einige Anbieter von digitalen Versorgungsnetzen bieten einen Ansatz zur Integration führender Portale für eingehende Kunden­aufträge. Die Aktualisierung im Eingabesystem des Kunden (z.B. SAP) erfolgt mit dieser Lösung. Der Clou dabei: Dieser Ansatz digitalisiert den Prozess der Auftragseingabe im Eingang, reduziert Fehler und gibt den Kundendienstmitarbeitern die Möglichkeit, sich auf andere Bereiche zu konzentrieren, um ihren Kunden Mehrwert und Kundenservice zu bieten.

Nahtlose E-Mail-Anbindung von Prozessen

Führende digitale Lieferketten bieten zudem weitere Onboarding-Methoden für kleinere Handelspartner an. Eine einfache Lösung ist die Anbindung via E-Mail. Supply-Chain-Partner, die zum Großteil manuelle Prozesse zur Kommunikation nutzen, können so vollständig automatisiert werden und nach der Anbindung Geschäfte tätigen, die automatisch in das ERP-System des Unternehmens integriert werden.

Ein entscheidender Vorteil dieses Ansatzes ist die Möglichkeit, geschäftsübergreifende Prozesse zu digitalisieren, ohne dass alle Lieferkettenpartner über eine Integrationssoftware verfügen müssen. Diese kostengünstige Variante lässt sich mit geringem Aufwand umsetzen, insbesondere bei Lieferanten mit geringem Auftragsvolumen.

Digitalisierte Prozesse als Wettbewerbsvorteil

Die Digitalisierung von Prozessen und der Datenaustausch haben bereits in großem Stil begonnen und werden im Laufe der Zeit immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Wer frühzeitig mit seiner digitalen Transformation beginnt, erhält einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und einen hervorragenden Mechanismus zur Prozessverbesserung und Transformation von Wissen in Unternehmenswerte.

* * Der Autor ist Director Global Marketing bei Elemica, Atlanta/USA. Kontakt: Tel. +49-7024-1-3950

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