Hannover Messe-Partnerland Holland Das (un-)bekannte Nachbarland

Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Matthias Back

Wofür steht das diesjährige Partnerland der Hannover Messe jenseits von Tulpen, Käse und Windmühlen? Dem Technik-Interessierten fallen noch Entwicklungen wie die erste Compact-Disk von Philips ein. Doch was hat das am dichtesten besiedelte Land Europas bei Produktion, Forschung und Entwicklung oder dem Hightech-Sektor zu bieten?

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Ineke Dezentjé Hamming-Bluemink, vom niederländischen Technologieverband FME-CWM, gibt Einblicke in den Auftritt des Partnerlands Holland.
Ineke Dezentjé Hamming-Bluemink, vom niederländischen Technologieverband FME-CWM, gibt Einblicke in den Auftritt des Partnerlands Holland.
(Bild: Jablonski)

Das Team der MM Hannover Messe Daily hat sich ins Nachbarland Holland aufgemacht und zwischen Grachten und Poldern nach den verborgenen und offensichtlichen Highlights geschaut. Um die Niederlande und ihr produzierendes Gewerbe etwas näher kennenzulernen, bietet sich zuerst einmal ein Gespräch mit Ineke Dezentjé Hamming-Bluemink an. Sie ist Direktorin des niederländischen Technologieverbands FME-CWM und zeigt sich sehr stolz darauf, das diesjährige Partnerland der Hannover Messe zu stellen: „Ich freue mich sehr auf Hannover. Die Besucher werden überrascht sein, wie viel Hightech unser Land zu bieten hat!“

Hannover Messe-Partnerland Holland
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Die Bedeutung der Messe ergibt sich für die ehemalige Politikerin allein schon aus den Handelszahlen: „Unser Wirtschaftssektor exportiert bei einem Umsatz von 80 Mrd. Euro etwa 70 %. 65 % der Waren und Dienstleistungen gehen dabei nach Deutschland. Ihr Land ist für uns als Zulieferer sehr wichtig“, betont sie und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Wenn es Deutschland gut geht, geht es uns auch gut.“ (Ausführliches Interview in der Dienstagsausgabe der Daily.)

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Ein Haus aus dem Drucker

Ermuntert durch diese Worte, startet unsere Tour bei einem Mix aus Architektur und generativer Fertigung: Das 3D-Print Canal House ist von der Fertigungstechnik her kein Hightech, die Vision aber ist außergewöhnlich. Bei dem Projekt geht es darum, strukturierte Bauteile für den Hausbau wie Wandmodule mit einem 3D-Drucker zu erstellen. Das geplante Haus wird eine typisch niederländisch schmale Bauweise haben und, wen wundert's, es soll ab- und wieder aufbaubar sein.

Architektin Hedwig Heinsmann erklärt, welche Funktionen die einzelnen Module später übernehmen können. Das Haus existiert zwar noch nicht, der Drucker jedoch schon. Aus einem alten Container gebaut, werden bereits erste Bauteile mit den Maßen 2 m × 2 m × 3,5 m hergestellt. Werkstoffe und Unterstützung erhalten die Projektmitarbeiter von Firmen wie Henkel, DUS, Heijmans oder Ultimaker.

FOM-Institut Amolf forscht erforscht die Physik von biomolekularen Systemen und Nanophotonik

Kontrastprogramm und „echte“ Hochtechnologie bietet die nächste Station: Ein Besuch im Wissenschaftspark in Amsterdam. Das dort ansässige FOM-Institut Amolf forscht in zwei Hauptrichtungen, die Physik von biomolekularen Systemen und Nanophotonik. Das sehr interdisziplinär aufgestellte Institut wird geleitet von Direktor Prof. Vinod Subramaniam, der einführend erklärt, dass die Finanzierung zu 55 % über Drittmittel und öffentliche Förderung (45 %) geschieht. Die 200 Angestellten stammen lediglich zu 60 % aus den Niederlanden.

Die allerersten Impressionen der Hannover Messe 2014
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Einer dieser Kollegen, Prof. Ron Heeren, führt tiefer in die Thematik des Instituts ein – eine Entwicklung im Bereich der Massenspektrometrie. In der Hand hält er einen neuen Detektor, der Proben mit einer deutlich besseren Auflösung untersuchen kann: „Wir arbeiten an der Schnittstelle von Physik, Chemie und Biologie und versuchen beispielsweise, Biomarker für Brustkrebsuntersuchungen zu verbessern.“

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