Energiedatenmanagement Das richtige Maß Effizienz

Autor / Redakteur: Sascha Rentzing* / Anke Geipel-Kern

Um die Anforderungen der neuen ISO 50003 zu erfüllen und eine kontinuierliche Steigerung ihrer Energieeffizienz nachzuweisen, müssen Unternehmen ihre Messkonzepte anpassen. Das offene und flexible Energiemanagement-System von Wago bietet klare Vorteile: Mit ihm lässt sich die Datenerfassung individuell zusammenstellen und jederzeit dem Bedarf anpassen.

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Parametrieren statt programmieren: Die Software des Wago-Energiemanagementsystems erkennt automatisch die Signale der angeschlossenen Zähler und Signale und stellt sie durch einfache Parametrierung komfortabel für weitere Energieanalyse-Tools bereit.
Parametrieren statt programmieren: Die Software des Wago-Energiemanagementsystems erkennt automatisch die Signale der angeschlossenen Zähler und Signale und stellt sie durch einfache Parametrierung komfortabel für weitere Energieanalyse-Tools bereit.
(Bild: Wago)

Das passt nicht zusammen: Einerseits droht Deutschland sein Klimaziel für 2020, die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, deutlich zu verfehlen, andererseits wird die Energieeffizienz als entscheidender Hebel zur CO2-Reduktion bisher zu wenig genutzt.

Ein Beispiel liefert die industrielle Produktion: Obwohl bei der Prozesswärme, der mechanischen Energie für Motoren und Maschinen und der Raumwärme große Energieeinsparungen möglich sind, macht die Industrie immer noch fast 30 Prozent des deutschen Energieverbrauchs aus.

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Doch bei der Energieeffizienz könnte es künftig größere Fortschritte geben, denn die Unternehmen werden durch strengere gesetzliche Vorgaben jetzt stärker in die Pflicht genommen. Wer künftig die Zertifizierung nach der Energiemanagementnorm ISO 50001 erhalten will, muss nicht mehr nur ein funktionsfähiges Energiemanagementsystem zur Verbesserung der Energieeffizienz vorweisen, sondern die Verbesserungen auch objektiv belegen. Ohne entsprechenden Erfüllungsnachweis wird das Zertifikat verwehrt.

Was bedeuten die neuen ISO-Normen?

Grundlage für die Regelung ist die neue ISO 50003, die Akkreditierungsvorgabe für Zertifizierungsstellen. „Die Anforderung, die energetische Leistung permanent zu verbessern, steckt auch schon in der ISO 50001, aber Vehemenz und Gewichtung sind neu“, sagt Ulrich Schmidt, Geschäftsführer der IFU-Cert Zertifizierungsgesellschaft für Managementsysteme.

Weitere neue Normen der ISO-50000-Reihe konkretisieren die Anforderungen der ISO 50003. So beschreibt die ISO 50006 die Anforderungen an die Messung der energiebezogenen Leistung unter Nutzung von energetischen Ausgangsbasen (EnB) und Energieleistungskennzahlen (EnPl). Die ISO 50015 wiederum bezieht sich auf die Messung und die Verifizierung der energiebezogenen Leistung von Organisationen.

Längere Audits, tiefere Einblicke

Unternehmen stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen ein Messkonzept entwickeln, mit dem die für die Zertifizierung erforderlichen Kennzahlen sicher definiert werden können. „Die Rahmenbedingungen werden schwieriger. Wer die ISO 50003 nicht ernst nimmt, wird Probleme bekommen“, sagt Wolfgang Hahn, Geschäftsführer des unabhängigen Beratungsunternehmens ECG Energie Consulting. Auf der anderen Seite bestehe die Gefahr, dass Unternehmen jetzt übereifrig zu viele Messwerte generierten, die nicht mehr interpretiert werden könnten. „Die Herausforderung ist, das richtige Maß zu finden“, so Hahn.

Auch die Audits selbst werden für die meisten Unternehmen einen größeren Aufwand bedeuten. Bisher werden zur Ermittlung der Zeiten für die Zertifizierung Faktoren wie der wirtschaftliche Sektor, die Mitarbeiterzahl oder die Komplexität des Energiemanagements eines Unternehmens herangezogen, die u.a. aus dem Gesamtenergieverbrauch und den Energieträgeranteilen hervorgeht. Auf dieser Grundlage ergibt sich für die Erstzertifizierung von Industrieunternehmen eine Basiszeit von zwei Audittagen und von nicht-indus­triellen Energiemanagementsystemen von anderthalb Tagen.

Mit der ISO 50003 entfällt diese Einteilung. Sie berücksichtigt stärker unternehmensspezifische Gegebenheiten, die die energetische Leistung beeinflussen, etwa die Anzahl signifikanter Energieverbraucher wie Maschinen oder Klimaanlagen. Außerdem werden nicht mehr alle Mitarbeiter, sondern nur noch das Personal mit wesentlichem Einfluss auf den Energieverbrauch eingerechnet. „Aus diesen Faktoren werden sich für das Gros der Unternehmen wahrscheinlich längere Auditzeiten und höhere Kosten ergeben“, sagt Hahn.

Langfristig dürfte sich der größere Aufwand jedoch auszahlen, denn durch den tieferen Blick in technische Details können die Unternehmen weitere Potenziale erkennen. Experten gehen davon aus, dass sich in der industriellen Produktion noch bis zu 30 Prozent Energie einsparen lassen.

Wago unterstützt Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen beim Aufbau eines maßgeschneiderten Messkonzepts, sodass die geforderten Effizienzgewinne sicher sichtbar werden. Auf Grundlage von Energieleistungskennzahlen und der energetischen Ausgangsbasis von Unternehmen entwickelt Wago geeignete Effizienzmaßnahmen und stellt eine Energiemanagementlösung zusammen, die Anwender auch in Zukunft weiterbringt.

Flexibel dank modularer Lösungen

Komplexe Messtechnik ist hierfür nicht nötig. Mit der Energiemanagement-Lösung von Wago lassen sich alle Prozessgrößen und Energieverbräuche mit nur einem System erfassen. Dank der Modularität des I/O-Systems können Unternehmen ihre Datenerfassung individuell zusammenbauen und jederzeit erweitern – ganz so, wie sie es benötigen.

Bei der Messdatenerfassung setzt Wago auf ein offenes und flexibles System. Alle Daten werden über den Wago-Controller PFC 200 und das Wago-I/O-System 750 gesammelt, an die sich beliebige Sensoren oder Messumformer anschließen lassen. So können verschiedene Szenarien bedient werden: Ein Anlagenbetreiber, der bereits eine eigene Energiemanagementsoftware nutzt, kann über die Wago-Lösung seine Messstellentiefe einfach erhöhen.

Aber auch Unternehmen, die erst in das Energiemanagement einsteigen, finden eine passende Lösung: Die Software „Energiemanagement“ im Controller PFC 200 speichert die aufgenommenen Messwerte und visualisiert diese. Nach Wunsch und Bedarf ist das auch in der neuen Wago Cloud Data Control möglich. Die Software kann Daten über das standardisierte Protokoll MQTT direkt in die Rechnerwolke senden. Und das dank des gehärteten Linux-Betriebssystems besonders sicher.

Unternehmen können so schnell und einfach Einsparpotenziale entdecken und Transparenz in ihre Verbräuche bekommen – die entscheidende Voraussetzung, um die Anforderungen der neuen ISO 50003 auf wirtschaftlichem Weg zu erfüllen.

Doch trotz moderner und wirtschaftlicher Lösungen für das Energiemanagement befürchten Experten, dass Effizienzgewinne und folglich der Verbesserungsnachweis für die Unternehmen langfristig schwierig werden könnte. „Die tief hängenden Früchte sind schnell geerntet. Dann werden immer höhere Investitionen in effizienzsteigernde Maßnahmen nötig sein, um die Pflichten der ISO 50003 erfüllen zu können“, sagt Hahn.

Die Frage sei, ob sich die Maßnahmen für die Firmen dann noch rechneten. „Wenn sich Investitionen erst in fünf bis acht Jahren amortisieren, ist das zu spät.“ Der Experte hält daher politische Unterstützung für erforderlich. „Die ISO 50003 sollte ein dynamischer Prozess zwischen Unternehmen und Politik sein und mit Förderprogrammen für energiesparende Technik wie Wärmepumpen flankiert werden.“ Daran mangele es derzeit noch.

* * Der Autor ist Redakteur bei Wago Kontakttechnik, Minden. Kontakt: Tel.+49-571-887-49620

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