Chlor-Alkali-Produktion Chlor-Alkali-Branchenvertreter sieht Ziele des Nachhaltigkeitsprogramms gefährdet

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Die europäischen Chlor-Alkali-Produzenten müssen sich mehr Mühe geben, um die Zielvorgaben für Nachhaltigkeit zu erfüllen, anderenfalls könnte das Ansehen dieses Sektors auf dem Spiel stehen.

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Alistair J. Steel, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes EuroChlor: „Das wohlverdiente Ansehen Chlor-Alkali-Branche hängt davon ab, wie gut wir auf die Herausforderung reagieren, unsere Leistungsfähigkeit im Bereich Arbeitssicherheit und Umwelt in den nächsten drei Jahren zu steigern.“
Alistair J. Steel, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes EuroChlor: „Das wohlverdiente Ansehen Chlor-Alkali-Branche hängt davon ab, wie gut wir auf die Herausforderung reagieren, unsere Leistungsfähigkeit im Bereich Arbeitssicherheit und Umwelt in den nächsten drei Jahren zu steigern.“
( Bild: EuroChlor )

Brüssel – Wie Alistair J. Steel, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes EuroChlor, berichtet, ist der Fortschritt des langfristigen Nachhaltigkeitsprogramms der Branche im letzten Jahr zum Stillstand gekommen, obwohl zwei der für 2010 vorgesehenen Energieziele vier Jahre vor dem Plantermin erreicht wurden. „Die Produzenten können stolz auf den beachtlichen Fortschritt sein, den sie erreicht haben, aber nachdem nun sechs Jahre abgelaufen sind und der Endtermin 2010 näher rückt, müssen wir darauf achten, nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen. Das wohlverdiente Ansehen Chlor-Alkali-Branche hängt davon ab, wie gut wir auf die Herausforderung reagieren, unsere Leistungsfähigkeit im Bereich Arbeitssicherheit und Umwelt in den nächsten drei Jahren zu steigern“, sagt Steel. In Bezug auf Energieverbrauch, Wasserstoffverbrauch und Verletzungen von Mitarbeitern mit Ausfallzeiten hätten sich die Produzenten zwar ständig verbessert, dagegen sei aber die Unfallzahl mit Subunternehmern angestiegen. „Wir müssen uns mehr anstrengen, um die Erwartungen zu erfüllen“, fordert Steel.

Energieverbrauch wieder auf Kurs

Nach einem geringen Anstieg des durchschnittlichen Energieverbrauchs im Jahr 2005 kam die Branche im letzten Jahr wieder „in die richtige Spur“ und senkte den durchschnittlichen Energieverbrauch auf 3440 kWh pro Tonne erzeugtes Chlor. Die Verbesserung ist weitgehend auf die fortlaufende Umstellung seitens der Industrie von der quecksilberbasierten Produktion auf die energieeffizientere Membrantechnologie zurückzuführen.

Wasserstoffrecycling

Die Hersteller kamen im letzten Jahr ihrem Ziel für 2010, 95 Prozent des Wasserstoffs zu recyceln, mit einer Verbesserung um ein Prozent von 88,1 Prozent (2005) auf 89,1 Prozent etwas näher. Wasserstoffgas fällt bei der Produktion von Chlor und Ätznatron an. Er wird primär als Rohstoff oder Kraftstoff eingesetzt. Das wiedergewonnene Gas (1 Prozent) entspricht 3250 Millionen Kubikmetern mit einem Energiewert von 120 GWh. Die Zielvorgabe für 2010 stellt eine Verbesserung von 80 Prozent (2001) auf 95 Prozent dar.

Subunternehmer verzeichnen mehr Unfälle

Die Anzahl der Unfälle mit Zeitausfall bei Mitarbeitern der Produzenten ging von 9,09 pro Million Arbeitsstunden im Jahr 2005 auf 8,32 im Jahr 2006 zurück, wobei sich dieser Wert für Subunternehmer von 7,72 auf 10,50 erhöhte, dabei aber unter den Werten von drei der letzten sechs Jahre lag. Im Chlor-Alkali-Sektor sind in Europa derzeit rund 39 000 Menschen direkt beschäftigt.

Harte Zielvorgabe bei Quecksilberemissionen

In Bezug auf die Quecksilberemissionen in Europa (EU 25) ergab sich ein geringfügiger Zuwachs von 1,046 g Hg/Tonne Chlorverbrauch auf 1,055 g Hg/t Chlorverbrauch, aber der Durchschnitt in Westeuropa (EU 15) blieb bei 1 g/t Chlorverbrauch. Dieser Anstieg, der von der Branche als vorübergehend betrachtet wird, war vor allem auf höhere Emissionswerte in einigen wenigen Werken zurückzuführen, insbesondere in einem, in dem umfangreiche Wartungsarbeiten stattfanden.

Das Verfahren auf Quecksilberbasis kommt in 43 Werken in 14 Ländern zur Anwendung und war für 43 Prozent des regionalen Chlorverbrauchs verantwortlich, gefolgt vom Membran- (39 Prozent), Diaphragma- (15 Prozent) und anderen Verfahren (3 Prozent). 2007 wird erstmalig die Membrankapazität die Quecksilberkapazität überschreiten.

Obwohl alle anderen Endtermine des Programms für 2010 angesetzt sind, beschloss die Industrie, eine bereits 1998 eingegangene Verpflichtung aufrecht zu erhalten, einen Sollwert für Quecksilberemissionen von 1 g/t Chlorverbrauch auf nationaler Ebene bis Ende 2007 zu erreichen.

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