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Studie: Zahlungsmoral Chinesische Unternehmen sind Schlusslicht der weltweiten Spätzahler

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

China ist das Schlusslicht der weltweiten Spätzahler. Nach durchschnittlich 92 Tagen werden im Reich der Mitte Rechnungen beglichen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Euler Hermes Studie „Worldwide DSO – Paying the penalty for low growth“ zum weltweiten Zahlungsverhalten.

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Veränderung Zahlungsverhalten in den Schwellenländern 2015 (hellblau) und Prognose 2016 (dunkelblau)
Veränderung Zahlungsverhalten in den Schwellenländern 2015 (hellblau) und Prognose 2016 (dunkelblau)
(Bild: Euler Hermes)

Hamburg – Der Kreditversicherer hat in der Studie das Zahlungsverhalten in 36 ausgewählten Ländern und 21 Branchen für das Jahr 2016 analysiert. Richtgröße sind dabei die sogenannten „Days of Sales Outstanding“ (DSO), also die Zeitspanne zwischen Rechnungslegung und Zahlungseingang, von börsennotierten Unternehmen in den jeweiligen Ländern und Sektoren.

Chinesische Unternehmen zahlen nicht nur am spätesten, sondern auch fast einen ganzen Monat später als der weltweite Durchschnitt, der 2016 unverändert bei 64 Tagen liegt. Allerdings erhält jedes vierte Unternehmen erst nach 90 Tagen sein Geld. Deutschland gehört wie viele europäische Staaten weiterhin zu den traditionellen Schnellzahlern. Nach im Schnitt 53 Tagen werden sowohl 2015 als auch 2016 Rechnungen börsennotierter Unternehmen in der Bundesrepublik bezahlt. Damit liegen die Deutschen im oberen Mittelfeld auf Rang 13. Spitzenreiter bei den Schnellzahlern sind die österreichischen Nachbarn (DSO 2015/2016: je 44 Tage), vor Neuseeland (je 46), den Niederlanden (2015/2016: 47/46), der Schweiz und Dänemark (je 48/48), Südafrika (48/50) sowie den USA (49/50).

Zahlungsverhalten in China sinkt um vier Tage

„In keinem Land wird 2016 so spät bezahlt wie in China“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. „Bis 2014 war Italien weltweites Schlusslicht. 2015 war es Griechenland vor China und Italien gleichauf, der Türkei und Frankreich. Um weitere vier Tage wird sich nach unserer Einschätzung das Zahlungsverhalten 2016 im Reich der Mitte verschlechtern. Die beiden Gründe für diese Entwicklung sind jedoch unterschiedlich: Zum einen liegt dies am verlangsamten Wirtschaftswachstum, zum anderem aber auch an den großen Cash-Beständen der börsennotierten chinesischen Unternehmen, die sich längere Zahlungsziele leisten können.“

Seit 2010 haben börsennotierte chinesische Unternehmen ihre Cash-Bestände sowie Zahlungsmitteläquivalente verdoppelt und haben so einerseits Mittel für Investitionen, gerade auch im Ausland, und können andererseits ihre Kunden unterstützen, indem sie längere Zahlungsziele als Alternative zu Bankkrediten anbieten, die in China sehr restriktiv vergeben werden.

„Hohe Barmittel bei zumindest den großen chinesischen Firmen ist zunächst eine gute Nachricht für Unternehmen, die mit China Handel betreiben“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Dieses Modell könnte in der Zukunft allerdings riskant werden, speziell bei Firmen und Branchen, die vom chinesischen Staat nicht mehr als strategisch betrachtet werden. Zudem sollte dies nicht darüber hinweg täuschen, dass die Situation im Land uneinheitlich ist und teilweise auch ein gegenläufiger Trend zu beobachten ist, bei dem Unternehmen ihre Zahlungen aufgrund von finanziellen Engpässen verzögern. Je länger die Zahlungsziele, desto höher ist das Ausfallrisiko. Es kommt nicht von ungefähr, dass Lieferanten chinesischer Unternehmen im Schnitt mehr als drei Wochen länger auf ihr Geld warten müssen als noch im Jahr 2007 und auch fast einen Monat länger als im Weltdurchschnitt.“

Insbesondere die Elektronikindustrie in China steht vor großen Herausforderungen. Rechnungen wurden in dieser Branche 2015 nach durchschnittlich 139 Tagen bezahlt (+37 Tage seit 2010), Maschinenbauer beglichen ihre offenen Forderungen nach rund 134 Tagen (+22 Tage seit 2010) und das Baugewerbe nach 109 Tagen (+33 seit 2010).

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