China Market Insider Chinas Gesundheit: Chancen und Herausforderungen für die deutsche Pharma-Industrie

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Wolfgang Ernhofer

Der chinesische Gesundheitsmarkt spielt im 14. Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Regierung eine zentrale Rolle. Von Januar 2021 bis Dezember 2025 konzentriert sich Peking ebenso stark auf die Modernisierung der Gesundheitsversorgung ihrer Bevölkerung wie auf andere High-Tech-Bereiche. Für die deutsche Pharma-Industrie und Hersteller von Medizintechnik bringen die Zielvorgaben der Zentralplaner in China für die kommenden fünf Jahre neue Chancen, aber auch größeren Wettbewerb in bestimmten Bereichen.

Firmen zum Thema

Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/China – Drei Quartale nach Beginn des neuen Plans im Januar dieses Jahres zeichnen sich eindeutig bestimmte Schwerpunkte ab, bei denen es für die deutsche Industrie die größten Chancen gibt. Dabei sind an erster Stelle ein verbesserter Marktzugang für „First-in-class”-Medikamente zu nennen. Die chinesische Regierung hat beschlossen, den Zugang ihrer Patienten zu innovativen, neuen Medikamenten zu verbessern.

„Eine höhere Zahl von „First-in-class”-Medikamenten und Medizinprodukten“ zählt einer kürzlich erschienen Sonderausgabe des „Pharma-Updates“ der deutschen Exportinitiative Gesundheitswirtschaft zu den wichtigsten Zielvorgaben des neuen Fünf-Jahres-Plans.

Chinas Pharma-Ausrüstermarkt: Aktueller Status, Trends und Handlungsempfehlungen“

Mit aktuell über 4.800 Pharmaproduzenten bietet der chinesische Markt weiterhin riesige Chancen für die globale Ausrüsterbranche. Dieser 40-seitige englischsprachige Report soll Ihnen dabei helfen, ein besseres Verständnis des gegenwärtigen chinesischen Pharmamarktes zu gewinnen. Basierend auf Umfrageergebnissen unter Anwendern in der pharmazeutischen Industrie sowie Experteninterviews zeigt der Report eine Branchen-Prognose auf und gibt Handlungsempfehlungen für Ihre zukünftigen Betriebs- und Investitionstätigkeiten in China.

Früher konnte es mehrere Jahre dauern, bis beispielsweise Lungenkrebs-Patienten in China Zugang zu modernen Arzneimitteln bekamen. Die Versorgung in Chinas Krankenhäusern, insbesondere in der Provinz, hinkte der Versorgung von Patienten in entwickelten Ländern um mehrere Jahre hinterher. Um dies zu ändern, ist schon seit 2019 das Zulassungsverfahren für Originalpräparate deutlich beschleunigt worden, und dieser Trend setzt sich nun im aktuellen Fünf-Jahres-Plan fort. Die Leitlinien sehen eine Bearbeitung von Anträgen auf klinische Studien innerhalb von 252 Tagen vor. In der Praxis dauerte es für die 51 Anträge beim chinesischen „Center for Drug Evaluation“ (CDE) dann rund ein Jahr (Stand 2019), heißt es in der Studie „Gesundheitsmarkt China“, die ebenfalls von Germany Trade & Invest (GTAI) und ihrer Exportinitiative Gesundheitswirtschaft veröffentlicht worden ist.

Verbesserte Marktchancen für internationale Pharmakonzerne

Während sich der Export von Generika nach China immer seltener lohnt – hier ist die Volksrepublik selbst stark genug – ergeben sich durch Chinas neuen Fokus vor allem für multi-nationale Pharmakonzerne mit innovativen Medikamenten verbesserte Marktchancen in China. In den nächsten fünf Jahren will beispielsweise Bristol-Myers Squibb nahezu 30 neue Medikamenten oder neue Indikationen für existierende Medikamente in China einführen, sagte der Geschäftsführer des Konzerns gegenüber der chinesischen Wirtschaftszeitung 21 Shiji Jingji Baodao. Ein Sprecher für Sanofi äusserte sich hocherfreut über noch schnellere Zulassungsverfahren im Rahmen von Pilotprojekten auf der Südinsel Hainan und in der chinesischen „Greater Bay Area“ rund um Hongkong, Shenzhen und Macao.

Und die chinesische Regierung setzt in diesem Jahr ihre Gesetzgebung fort, mit der die generellen Ziele aus Fünf-Jahres-Plänen und anderen Plänen Schritt für Schritt konkretisiert werden, beispielsweise im Juli dieses Jahres neue Richtlinien für F&E im Bereich Tumorbekämpfung in Chinas Kliniken. „Für Pharma-Unternehmen, die auf Originalpräparate fokussiert sind, ist dies ein großer Vorteil,“ schreibt dazu die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Wer nach Hinweisen sucht, welche Medikamente besonders willkommen sind, dem sei die Lektüre des Planes „Healthy China 2035“ empfohlen, in dem die Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten betont wird, die im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas stark auf dem Vormarsch sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Tumore
  • Chronische Atemwegserkrankungen
  • Diabetes sowie
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen.

„Die zukünftige Forschung und Entwicklung bei innovativen Arzneimitteln wird sich deshalb vor allem auf diese Indikationen konzentrieren, und die Entwicklung und Herstellung entsprechender Arzneimittel wird durch Forschungsprojekte subventioniert,“ heißt es im Pharma-Update der GTAI zu dem Thema.

Für innovative Medikamente in den für China besonders wichtigen Indikationen gibt es zudem neuerdings die Möglichkeit für Green-Light-Anträge, ganz ähnlich wie in den USA. Da kann es dann noch schneller gehen, ein neues Medikament auf den chinesischen Markt zu bringen. „Die Maßnahme begünstigt die Zulassung von Medikamenten zur Vorbeugung und Heilung schwerer Krankheiten wie AIDS und Tumorerkrankungen, schwerer Infektionskrankheiten wie Covid-19 sowie von Therapeutika für seltene Erkrankungen und Kinderkrankheiten,“ schreibt die GTAI in „Gesundheitsmarkt China”.

Biotechnologie wird zunehmend wichtiger

Eine weiterer „Hotspot“ der gerade angebrochenen Fünf-Jahresphase in China ist die medizinische Biotechnologie. Zwar ist in chinesischen Medien dazu immer mehr von Autarkie-Bestrebungen zu lesen, doch momentan werden die meisten innovativen Medizinprodukte in dieser Kategorie aus dem Ausland nach China importiert.

Im Jahr 2019 hatte der chinesische Markt für Biopharmazeutika einen Gesamtwert von 317,2 Milliarden Yuan (rund 42,5 Milliarden Euro), ist einem Marktbericht des chinesischen Forschungsinstitutes Zhongshang Chanye zu entnehmen. Und dieser Markt steht nun gerade vor einer gesteuerten Explosion, schreiben dieselben Marktforscher im Prognoseteil ihres Berichts. Durch die Einführung der Strategie des „dualen Zyklus“ und des 14. Fünf-Jahres-Planes „gibt es für Biopharmazeutika neue Marktchancen“, schreiben sie. Der Markt werde sich in China bis 2025 mehr als verdoppeln, auf 831 Milliarden Yuan (rund 111 Milliarden Euro).

Während dieser Markt also auch in der nun laufenden Fünf-Jahres-Periode in China überdurchschnittlich schnell wächst, wovon momentan noch vor allem ausländische Unternehmen profitieren, sind bestimmte Nischen auch das perfekte Beispiel für die schnelle Aufholjagd mit dem Westen, die in China begonnen hat. Der Markt für monoklonale Antikörper beispielsweise verzeichnet momentan in China jährliche Zusatzraten von etwa 50 Prozent. Das hat nun eine große Zahl chinesischer Unternehmen auf den Plan gerufen. Wo immer im Ausland ein Patent abläuft, beginnt in China sofort die Produktion generischer Antikörper. „Die Dominanz ausländischer Unternehmen in diesem Markt könnte bald enden,“ heißt es in der Studie „Gesundheitsmarkt China“ der GTAI.

Könnte, wird bald… – stimmt alles, perspektivisch gesehen. Dennoch gibt es in China momentan in diesem Bereich, ebenso wie bei rekombinanten Proteinen, Impfstoffen, oder in der Gen- und Zelltherapie für deutsche und europäische Unternehmen bis 2025 noch gute bis sehr gute Marktchancen.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

(ID:47749534)