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Länderreport China Chemische Industrie in China nimmt wieder Fahrt auf

| Autor / Redakteur: Bernd Schaaf / Marion Henig

Die chemische Industrie der VR China hat die Kehrtwende geschafft und legt wieder ein beachtliches Wachstum vor. Doch Branchenbeobachter kritisieren seit längerem, dass in China in vielen Sparten bedenkliche Überkapazitäten aufgebaut werden. Einen ausführlichen Bericht zur Marktentwicklung in China lesen Sie hier.

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Topografie der VR China
Topografie der VR China
( Bild: Wikipedia )

Shanghai/VR China – Nach einem verhaltenen Start mit negativen Wachstumsraten in den ersten beiden Quartalen 2009 hat die chemische Industrie der VR China die Kehrtwende geschafft. Gestützt durch das Konjunkturpaket der Regierung und stabile Zuwachsraten wichtiger Abnehmerindustrien legte die Produktion im 3. Quartal 2009 im Vergleich zum Durchschnitt der ersten beiden Quartale um knapp 18 Prozent zu. Die Chemieimporte gingen im Zeitraum Januar bis September zwar um 15 Prozent zurück, aber auch hier ist die Talsohle durchschritten.

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Marktentwicklung/-bedarf

Im Zeitraum Januar bis September 2009 konnte bei der Produktion chemischer Erzeugnisse ein kleines Plus von 2,5 Prozent auf gut 2,8 Billionen Renminbi (RMB; etwa 301 Milliarde Euro; durchschnittlicher Devisenkurs Januar bis September 2009: 1 Euro = 9,35 RMB) erzielt werden. Insgesamt dürfte der chinesische Markt für chemische Erzeugnisse (Produktion - Export + Import) 2009 im Vergleich zum Vorjahr nach ersten Schätzungen um etwa acht Prozent auf gut 600 Milliarden Dollar zulegen.

Auch bei den Investitionen legt die Chemie ein beachtliches Wachstum vor. Nach Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) erhöhten sich die Aufwendungen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zur Vorperiode um 21,8 Prozent auf gut 825 Milliarden RMB. Während die Investitionen der Petrochemie (-2,2 Prozent) stagnierten und bei Kunststofffasern sogar ein Minus von 16,5 Prozent zu verzeichnen war, legten sie insbesondere bei Arzneimittel (+37,8 Prozent) kräftig zu. Auch die Aufwendungen der Sparten chemische Vorerzeugnisse (+28,6 Prozent), Kunststoffprodukte (+27,4 Prozent) sowie Gummierzeugnisse (+29,2 Prozent) zogen stark an.

Große Abnehmersektoren wie die Kfz-Branche oder der Immobilienbau zeigen keinerlei Schwäche und liegen weit über den Werten, die noch zu Jahresanfang prognostiziert wurden. Auch vom Einzelhandel werden überaus positive Impulse gemeldet. So stiegen die Umsätze der Sparte nach NBS-Angaben in den ersten drei Quartalen 2009 im Vergleich zur Vorperiode um 15,1 Prozent auf 1.090 Milliarden RMB. Von dieser Entwicklung dürfte auch die Nachfrage nach Kosmetika, Waschmitteln sowie Medikamenten profitieren.

Binnenmarkt für Arzneimittel wächst rasant

Der chinesische Binnenmarkt für Arzneimittel erreichte 2008 einen Wert von umgerechnet 122 Milliarden Dollar. Auf Basis der bislang verfügbaren Daten dürften die Verkäufe 2009 um mehr als 20 Prozent auf 147 Milliarden Dollar zulegen. 2010 könnte der Markt einen Wert von etwa 175 Milliarden Dollar erreichen.

Während Beobachter für das 4. Quartal 2009 für die chemische Industrie also insgesamt optimistisch sind, gibt es Sektoren, die weiterhin in schwierigem Fahrwasser navigieren. Hierzu zählt in erster Linie die Düngemittelbranche, deren seit langem bestehenden Probleme weiterhin ungelöst sind. Zu der massiven Überproduktion, die seit Jahren zu einer Erzeugung auf Lager führte, kommen seit dem Ausbruch der Krise vor einem Jahr auch noch der massive Preisverfall auf dem Inlandsmarkt sowie einbrechende Exporte hinzu.

Keine einzige Düngemittelsparte konnte sich seit 2008 wieder erholen. Im Sommer 2009 zogen die Preise zwar wieder langsam an, doch im November ging es abermals abwärts. Sowohl Monoammoniumphosphat-(MAP-) als auch Diammoniumphosphat-(DAP-)Erzeugnisse ab Werk lagen um mehr als 50 Prozent unter den jeweiligen Werten des Vorjahres, und bei Urea (-32 Prozent), Compounddünger (-37 Prozent) oder Ammoniumchlorid (-44 Prozent) sieht die Situation aktuell nicht viel besser aus.

Vom Importeur zum Exporteur

Ähnlich zeigt sich das Bild bei einigen Basischemikalien wie Ethylacetat. Die massive Ausweitung der Produktion in den vergangenen Jahren hat dazu geführt, dass sich die VR China von einem Nettoimporteur zum Exporteur gewandelt hat. Viele Hersteller nehmen beim Export dabei auch hohe Preisabschläge in Kauf. So erhöhten sich die Ethylacetat-Ausfuhren in den ersten drei Quartalen volumenmäßig um 15,7 Prozent, wertmäßig gingen die Lieferungen jedoch um 14,9 Prozent zurück. Trotz der überschüssigen Kapazitäten wird die Sparte aber weiter ausgebaut. Bis 2012 soll ein Produktionsumfang von 1,95 Millionen Tonnen pro Jahr erreicht werden.

Beobachter kritisieren seit langem die Tatsache, dass in vielen Sparten der Chemie Überkapazitäten aufgebaut werden, deren Beseitigung extrem schwierig sein dürfte.

(Lesen Sie auf Seite 2 mehr zur allgemeinen Branchenstruktur sowie über geplante Großprojekte, den Außenhandel Chinas und der gängigen Geschäftspraxis vor Ort)

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