Kommunikationsmanagement-Konzept Chemiepark-Kommunikation 360° wird zum Businessfaktor

Autor / Redakteur: Benjamin Jochum* / Wolfgang Ernhofer

Professionelle Kommunikation über verschiedenste Kanäle und Zielgruppen ist ein zunehmend wichtiger Baustein im Management eines Chemieparks. Im Sinne eines möglichst offenen Austauschs bietet der Chemiepark Knapsack Stakeholdern die Möglichkeit zum Dialog über verschiedenste Kanäle – das spiegelt sich nicht zuletzt im guten Verhältnis zu den Menschen in der Region wider.

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Moderne Kommunikation findet auf vielen verschiedenen Kanälen statt. Neben sozialen Netzwerken, Mitarbeiterzeitschrift, Nachbarschaftsmagazin und Pressearbeit, darf auch der persönliche Austausch nicht fehlen.
Moderne Kommunikation findet auf vielen verschiedenen Kanälen statt. Neben sozialen Netzwerken, Mitarbeiterzeitschrift, Nachbarschaftsmagazin und Pressearbeit, darf auch der persönliche Austausch nicht fehlen.
(Bild: Infraserv Knapsack; © Reservoir Dots, ©mozZz - stock.adobe.com)

Das Kommunikationsmanagement, um eine solche Vertrauensbasis aufzubauen ist komplex und setzt akribische Feinarbeit voraus, wie Thomas Kuhlow, Leiter Kommunikation im Chemiepark Knapsack, betont: „Es geht nicht nur darum, im Ereignisfall schnell und professionell zu informieren. Eine kontinuierliche Kommunikation auf Augenhöhe beispielsweise mit Mitarbeitern, Nachbarn und der Politik ist mindestens genau so wichtig und bildet gewissermaßen das Fundament unserer Arbeit.“

Die Grenzen zwischen den genannten „Zielgruppen“ sind dabei mitunter fließend: Nicht zuletzt, weil viele Mitarbeiter gleichzeitig auch Nachbarn und zudem aktiv in einem der zahlreichen Vereine in der Region sind – das rheinische Brauchtum spielt in Knapsack eine wichtige Rolle und die handelnden Personen im Chemiepark haben eine enge Beziehung beispielsweise zum Karneval. Nicht selten sind auch mehrere Generationen einer Familie bei den im Chemiepark Knapsack ansässigen Unternehmen tätig.

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Digitaler Hafen

Die Webseite des Chemieparks Knapsack ist aus Kommunikationssicht nach wie vor so etwas wie der digitale Hafen. Allerdings ist der Bereich Social Media ein zunehmend wichtiger Baustein der Strategie, so kommunizieren Kuhlow und sein Team u.a. aktiv über Facebook, Twitter und Instagram – durchaus keine Selbstverständlichkeit in der Branche. Während Twitter dabei eher den Nachrichten-Charakter erfüllt, entwickelt sich insbesondere die Facebook-Seite „Dein Chemiepark Knapsack“ mehr und mehr zur Dialog-Plattform für die Region und darüber hinaus und erreicht rund 40 000 Menschen monatlich, Tendenz weiter steigend. Kuhlow: „Wir freuen uns sehr, dass auch dieser Kanal mittlerweile so gut angenommen wird und die Community weiter wächst.“

Neuerdings ist der Chemiepark Knapsack zudem auch bei Instagram aktiv. „Das User-Verhalten ändert sich ständig, und das ist gut so – wir möchten auf diesem Weg auch jüngere Menschen erreichen“, so Kuhlow. Die Philosophie: Stakeholder sollen selbst entscheiden können, wie und wo sie mit Vertretern des Chemieparks Knapsack kommunizieren – entsprechend breit ist das Kommunikationsangebot mittlerweile gestaltet.

Persönlicher Austausch

Der Chemiepark Knapsack trägt dem Wandel in der Kommunikationskultur zwar Rechnung, die digitalen Kanäle sind allerdings „nur“ als Ergänzung zu verstehen und sollen keinesfalls den persönlichen Dialog ersetzen. Die Mitarbeiterzeitschrift Knapsack Spiegel – erscheint sechs Mal im Jahr – und das Nachbarschaftsmagazin Knapsack Spiegel Spezial – vier Mal im Jahr –, das an über 10 000 Haushalte in der Region versendet wird, belegen das.

Zudem finden regelmäßig Veranstaltungen statt, bei denen die Nachbarn die Gelegenheit haben, sich „barrierefrei“ im Gespräch mit den Standortleitern der Unternehmen zu aktuellen Themen auszutauschen. Weitere Beispiele sind die zahlreichen Besuchergruppen, denen der Chemiepark durch entsprechende Führungen nähergebracht wird, oder die regelmäßigen Treffen der Pensionärsvereinigung des Chemieparks.

Für den direkten Draht mit den Nachbarn gibt es außerdem ein Bürgertelefon, das sich um die Anliegen der Bürger kümmert, beispielsweise bei ungewöhnlichen Wahrnehmungen oder bei Unsicherheiten in der Nachbarschaft. Bei Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür am 22. September 2018 – bei denen der Chemiepark Knapsack gebührend das 111-jährige Standort-Jubiläum feiert – wird auch schon mal crossmedial die gesamte Bandbreite der Kommunikationsangebote kombiniert. Das zahlt sich aus: Die Vielfalt der Kommunikation, der Kommunikationswege und der Zielgruppen sowie die gelebte Offenheit schaffen Glaubwürdigkeit und Vertrauen, wie Kuhlow resümiert: „Dieses Miteinander macht aus vielen unserer Mitarbeiter, Nachbarn und Pensionäre Botschafter des Chemieparks. Auch auf diese Weise wird der permanente Dialog zum Erfolgsfaktor.“

Kommunikation im Ereignisfall

Wer sich das Vertrauen seiner Nachbarn in „Friedenszeiten“ erarbeitet, profitiert hiervon natürlich auch und insbesondere in Krisenzeiten. Dann komme es allerdings ganz besonders auf Professionalität, Geschwindigkeit, Kompetenz und Bürgernähe an. Im Fall eines Ereignisses im Chemiepark wird unmittelbar eine Pressemitteilung mit ersten allgemeinen Informationen versendet. Die Funktion eines Koordinators Presse und eines Koordinators Bürgertelefon ist im Krisenstab fest integriert, um z.B. Medien- und auch Bürger-Anfragen möglichst zeitnah beantworten zu können.

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Die gemeinsame Pressearbeit mit anderen Krisenstäben beispielsweise von Stadt oder Kreis garantiert, dass die Nachbarn jederzeit umfassend informiert werden. In diesem Rahmen stellt der Chemiepark auch Informationen zu Sirenentests und Ereignisfällen in Kooperation mit der Feuerwehr Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis über die Warn-App „NINA“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereit.

Diese und andere Maßnahmen haben ein klares Ziel: Das Vertrauen der Mitarbeiter und Nachbarn zu erhalten und durch gute Kommunikation bestenfalls sogar zu stärken. Andernfalls kann das erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, so Kuhlow: „Kommunikation kostet, gute Kommunikation kostet mehr – und keine oder schlechte Kommunikation ist richtig teuer.“

Kommunikation als Businessfaktor

Gute Kommunikation ist ein entsprechend „knallharter Businessfaktor“, betont Kuhlow. Eine große Akzeptanz im Umfeld spiele auch eine zunehmend wichtige Rolle bei Zukunftsprojekten, Neuansiedlungen und Investitionen der Standortfirmen. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen am Standort seit 2009 mehr als eine Milliarde Euro.

Ein markantes Zukunftsprojekt ist die „Dampfversorgung 2021“. Hier hat der Industriedienstleister und Chemiepark-Betreiber Infraserv Knapsack mit den Energieunternehmen EEW Energy from Waste (EEW) und RWE Power bereits 2017 neue Energielieferverträge geschlossen und damit die Versorgung der ansässigen Industrieunternehmen langfristig abgesichert. Ab 2021 wird das von EEW betriebene Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) den Chemiepark mit Prozessdampf aus der thermischen Abfallverwertung versorgen. Auf diese Weise verbessert sich die CO2-Bilanz in der Dampfversorgung des Chemieparks deutlich.

Auch regelmäßige Investitionen der Standortfirmen in Produktionsanlagen sorgen für eine weiterhin positive Entwicklung. So erweitert Lyondell Basell im Hürther Teil des Chemieparks Knapsack die Produktion zur Herstellung von Spezialitäten-Kunststoffen um eine weitere Produktionslinie. Der Standort in Knapsack wird nach der Inbetriebnahme der neuen Anlage im Januar 2019 der größte Produktionsstandort für Polypropylen Compounds in Europa sein.

Bayer errichtete in rund 1,5 Millionen Arbeitsstunden seit Mai 2015 eine hochmoderne PSM-5­(Pflanzenschutzmittel)-Anlage. Bei mechanischen und elektrischen Tests wurden seit Sommer 2017 insgesamt 4600 Messstellen, 40 Kilometer Rohrleitungen und 600 Apparate bzw. Maschinen auf Herz und Nieren geprüft. In diesen Tagen hat das Anfahrteam damit begonnen, die neue PSM-5-Anlage schrittweise in Betrieb zu nehmen.

Die genannten Beispiele haben eines gemeinsam: Sie sind nur möglich dank einer durch gute und transparente Kommunikation bedingten hohen Akzeptanz in der Nachbarschaft.

* * Der Autor arbeitet in der Unternehmenskommunikation bei Infraserv Knapsack, Hürth. Kontakt: Tel. +49-2233-48-6376

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