Suchen

VCI warnt Chemieindustrie muss für harten Brexit gerüstet sein

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die Brexit-Austrittsverhandlungen verlaufen weiterhin ohne greifbare Ergebnisse. Insbesondere die die Chemieindustrie wäre von einem harten Brexit massiv betroffen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) empfiehlt bereits jetzt Vorbereitungen auf dieses Szenario zu treffen. Unter anderem sollte man Großbritannien beim Chemikalienrecht in die ECHA eingebunden halten.

Firmen zum Thema

Bei den Austrittsverhandlungen zeichnen sich weiterhin keine Ergebnisse ab.
Bei den Austrittsverhandlungen zeichnen sich weiterhin keine Ergebnisse ab.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Frankfurt am Main – Die Vorbereitungen auf ein Scheitern der Austrittsverhandlungen laufen auf Seiten der EU bereits seit mehreren Monaten. Nun hat auch die britische Regierung entsprechende Leitlinien veröffentlicht. Angesichts der weiterhin ergebnislosen Verhandlungen empfiehlt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, der Branche, Vorbereitungen zu treffen: „Ohne ein geregeltes Abkommen oder zumindest gemeinsame Übergangsregelungen für den Im- und Export von chemischen Erzeugnissen droht Chaos im Warenaustausch zwischen der EU und Großbritannien – bis zum völligen Stillstand. Einseitige technische Hinweise für die Betroffenen von der britischen Regierung lösen dieses Problem nicht. Für Unternehmen ist es höchste Zeit, Vorbereitungsmaßnahmen auch für den Fall eines Brexits ohne Abkommen zu ergreifen.“

Mitte Oktober bewertet der Europäische Rat den Stand der Verhandlungen. Entscheidend ist für Tillmann, dass die Partner angesichts des Zeitdrucks lösungsorientiert verhandeln. Bis Oktober müsse mit aller Kraft daran gearbeitet werden, ein Verhandlungsergebnis zu erreichen. „Erstens: Für die chemisch-pharmazeutische Industrie und unsere Kundenbranchen ist eine Einbindung Großbritanniens in die EU-Chemikalienbehörde ECHA auch nach dem Brexit enorm wichtig. Zweitens: Eine entsprechende Regelung sollte bereits in die Leitlinien über das zukünftige Verhältnis aufgenommen werden,“ betont der VCI-Hauptgeschäftsführer.

Ein unkontrollierter Brexit hätte für die chemisch-pharmazeutische Industrie unmittelbare und schwerwiegende Folgen. Die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte habe sich in den letzten 15 Jahren in der EU sehr dynamisch entwickelt, erklärt Tillmann. Unter anderem dadurch habe die Branche häufig komplexe und grenzüberschreitende europäische Wertschöpfungsketten. „Zollzahlungen und zeitaufwendige Zollprozeduren an der Grenze könnten zahlreiche Lieferketten ebenso zum Erliegen bringen wie plötzlich fehlende Registrierungen oder Zulassungen für chemische Produkte aus Großbritannien. Davon wären auch unsere Kundenbranchen massiv betroffen“, so Tillmann. Um chaotische Zustände im Fall des unkontrollierten Brexits abzuwenden, brauche es geeignete Back-up-Maßnahmen der Politik.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45464699)