Länderreport Singapur Chemiebranche in Singapur – eine Erfolgsgeschichte

Redakteur: Marion Henig

Singapur ist ein wichtiger Abnehmer, Produzent und Handelsplatz chemischer Erzeugnisse. Obwohl der Stadtstaat über keine Rohstoffe verfügt, spielt die lokale Chemieindustrie eine internationale Rolle. Etliche ausländische Branchenunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren niedergelassen, die Nachfrage entwickelt sich positiv.

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Die lokale Chemieindustrie ist der bedeutendste Industriezweig des Stadtstaates. (Bild: Wikipedia)
Die lokale Chemieindustrie ist der bedeutendste Industriezweig des Stadtstaates. (Bild: Wikipedia)

Kuala Lumpur – Etwa 700 singapurische Firmen und Niederlassungen internationaler Konzerne erzeugten 2010 mit 29.200 Mitarbeitern chemische Produkte im Wert von 100,2 Milliarden Singapur-Dollar (S$, Jahresdurchschnittskurs 2010: 1 Euro = 1,81 S$), das entspricht einem Plus von 22 Prozent gegenüber 2009. Die Branche hatte damit einen Anteil von 37 Prozent an der gesamten Industrieproduktion Singapurs. Die Exportquote der Unternehmen beträgt im Durchschnitt 53 Prozent. Aufgrund der weltweit starken Nachfrage sind die Kapazitäten gut ausgelastet und die Margen hoch. Die meisten Hersteller erwarten 2011 einen ähnlich guten Geschäftsverlauf wie im Vorjahr.

Die wichtigsten Sparten

Die wichtigsten Chemiesparten sind die Verarbeitung von Öl (Ausstoß 2010: 41,6 Milliarden S$) sowie die Herstellung von petrochemischen Produkten (30,0 Milliarden S$), Arzneimitteln (19,7 Milliarden S$) und Spezialchemikalien (6,8 Milliarden S$).

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Die nachgelagerte Petrochemie erhielt von den Stadtplanern sogar eine eigene, über 30 qkm große künstlich aufgeschüttete Insel, Jurong Island. Auf dieser haben sich 95 Ölfirmen, petrochemische Unternehmen, Hersteller von Spezialchemikalien und Zulieferbetriebe niedergelassen. Dazu gehören Weltmarktführer wie Air Products, Akzo Nobel, Asahi Kasei, Celanese, Chevron Phillips, Eastman Chemical, ExxonMobil, Huntsman Corp, Mitsui Chemicals, Shell, Sumitomo Chemicals und Teijin.

Hochwertige Spezialchemikalien werden gefördert

Insgesamt haben sie 31 Milliarden S$ auf Jurong investiert. Die Infrastrukturgesellschaft JTC will die Rahmenbedingungen für den Chemiecluster...

künftig weiter verbessern. Der gesamte Bestand an ausländischen Direktinvestitionen der Chemieindustrie betrug Ende 2008 circa 57 Milliarden S$.

Branchenunternehmen sagten 2010 nach Angaben der nationalen Investitionsbehörde Economic Development Board (EDB) neue Investitionen in Bauten und Ausrüstungen in Höhe von 1,7 Milliarden S$ zu. Im Vorjahr konnte der EDB Projekte im Wert von 3,1 Milliarden S$ akquirieren. Um die Wertschöpfung des Sektors zu erhöhen, fördern die Stadtplaner insbesondere Ansiedlungen von Betrieben, die hochwertige Spezialchemikalien produzieren.

Raffinerien locken Investoren aus nachgelagerten Branchen an

Singapur verfügt über beachtliche Raffineriekapazitäten von 1,4 Millionen bpd (barrel per day, Barrel pro Tag), die ungefähr das Doppelte der inländischen Nachfrage ausmachen. Die Zwischenprodukte der Raffinerien locken Investoren aus nachgelagerten Branchen an. So entstehen vier neue Werke für Synthetikkautschuk auf Jurong.

Nachdem Investitionsprojekte in der Finanzkrise 2009 stockten, beginnen 2011 einige Bauarbeiten. Die deutsche Lanxess AG legte im Mai 2010 den Grundstein für eine Butylkautschukfabrik. Weitere Unternehmen kündigten 2011 den Bau von Werken für synthetischen Kautschuk an. Jurong Aromatics hatte 2009 sein 2,4 Milliarden US$ teures Projekt gestoppt, beginnt 2011 nach einer Refinanzierung aber ebenfalls mit den Bauarbeiten.

Erfolgsgeschichte Pharma

Die Ansiedlung von internationalen Pharmakonzernen zählt zu den Erfolgsgeschichten des Stadtstaates. Inzwischen erzeugen 22 Fabriken Pharmazeutika und beschäftigen rund 4.800 Mitarbeiter. Der Produktionswert hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2010 vervierfacht. Der Ausstoß legte 2010 um 10,4 Prozent auf 19,7 Milliarden S$ zu. Die Exportquote der Betriebe beträgt im Durchschnitt über 90 Prozent. Der EDB möchte die Branche mit Unterstützung ausländischer Investitionen weiter ausbauen.

Die Infrastrukturgesellschaft JTC Corporation entwarf für die biomedizinische Industrie den 371 ha großen „Tuas Biomedical Park“. In diesem Industriepark haben weltweit führende Konzerne wie...

Schering-Plough, Merck Sharp & Dohme, Novartis, Pfizer, Lonza, Roche, Baxter und GlaxoSmithKline Großanlagen errichtet. Die Unternehmen stellen dort einige ihrer meistverkauften Produkte her. Novartis, Roche und Zuellig Pharma haben in den letzten Jahren ihre Kapazitäten aufgestockt. Baxter verfolgt derzeit ein Ausbauprogramm. Ein wachsender Teil der Investitionen fließt in Forschung und Entwicklung.

Marktentwicklung/-bedarf

Der wichtigste Abnehmer von chemischen Erzeugnissen in Singapur war 2010 neben der Chemieindustrie selbst die lokale Elektronikindustrie mit einem Produktionswert von 94 Milliarden Singapur-Dollar (S$), das entspricht knapp 52 Milliarden Euro. Weitere Abnehmer waren der Maschinenbau (27 Milliarden S$), die maritime Industrie (16 Milliarden S$), die Hersteller von Lebensmitteln und Tabakwaren (7,3 Milliarden S$), die Luftfahrttechnik (7,2 Milliarden S$), sowie die Druckbranche (2,7 Milliarden S$). Die Einfuhr von Chemieprodukten belief sich auf 28,6 Milliarden Singapur-Dollar.

Rohstoffe müssen vollständig aus dem Ausland bezogen werden

Die lokale Chemieindustrie, mit 100 Milliarden Singapur-Dollar Produktionswert der bedeutendste Industriezweig des Stadtstaates, fragt vor allem Vorprodukte nach. Einen Teil des Bedarfs decken die petrochemischen Verbundwerke des Chemieclusters auf der Insel Jurong, der Rest wird importiert. Rohstoffe müssen vollständig aus dem Ausland bezogen werden. Singapur importierte 2010 Erdöl im Wert von 32,8 Milliarden Singapur-Dollar für seine Raffinerien und den Zwischenhandel. Eine große Nachfrage besteht auch nach anderen Zulieferungen wie Kunststoffen in Primärformen.

Die Anzahl der Endverbraucher von chemischen Erzeugnissen ist in dem Stadtstaat mit 5,1 Millionen Einwohnern begrenzt. Die Singapurer verfügen allerdings mit 43.867 US$ (2010) über das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Südostasien. Daher besteht eine beträchtliche Nachfrage nach hochwertigen Konsumwaren, die 2011 um circa 7 Prozent zulegen soll.

Medikamentenmarkt entwickelt sich positiv

Die Bevölkerungszahl in Singapur wächst kaum. Der Anteil der über 65-jährigen soll sich jedoch bis 2020 auf 20 Prozent verdoppeln. Der Medikamentenmarkt hatte 2010 nach Berechnung der Marktforscher von Business Monitor International (BMI) ein Volumen von etwa 610 Millionen US$. Nach Ansicht von BMI soll er bis 2012...

um rund 8 Prozent pro Jahr zulegen. Generika machen mit circa 60 Millionen US$ nur knapp 10 Prozent des Absatzvolumens aus. Die Gesundheitseinrichtungen achten aber zunehmend auf die Kosten, daher rechnet BMI mit einem Generikaabsatz von 89 Millionen US$ im Jahr 2014.

Die meisten Medikamente werden importiert, obwohl die lokale Pharmaindustrie zu den größten Branchen des Landes zählt. Viele internationale Anbieter von Arzneimitteln haben bereits Vertriebsstrukturen in Singapur etabliert.

Der Markt für Körperpflegemittel und Kosmetika hatte 2009 nach Berechnung der Marktforschungsfirma Euromonitor ein Volumen von 793 Millionen US$ (+3,8 Prozent gegenüber 2008). Die Nachfrage nach Hautpflegeprodukten lag bei rund 246 Millionen US$. Euromonitor meint, der Markt für Körperpflegemittel sei relativ gesättigt. Mit innovativen Produkten könnten Anbieter jedoch ihre Marktposition bei den markenbewussten Singapurern ausbauen. Als dominierende Anbieter gelten die Konzerne L’Oréal, Procter & Gamble und Estée Lauder, die mit ihren Handelsmarken den Markt bearbeiten.

Gute Aussichten bestehen für den Absatz von Farben und Lacken

Gute Aussichten bestehen für den Absatz von Farben und Lacken, der nach Berechnung der Marktforschungsfirma Information Research von 2009 bis 2014 von 219.000 auf 307.000 t steigen dürfte. Die Verkäufe profitieren 2011 von den starken Aktivitäten im Schiffbau sowie im Bausektor. Beide Branchen melden volle Auftragsbücher. Rund 3.000 Unternehmen der Schiffs- und Werftindustrie sind wichtige Abnehmer von Farben und Lacken. In der maritimen Industrie werden vor allem Reparaturen durchgeführt, gefolgt von der Montage von Ölplattformen sowie dem allgemeinen Schiffbau.

Die Beschaffungen von Baumaterialien einschließlich Beschichtungen dürften 2011 erneut zulegen. Der Staat will seine Investitionen in den öffentlichen Bau kräftig erhöhen, die privaten Bauaktivitäten dürften hingegen leicht zurückgehen. Im Jahr 2010 verzeichnete die Baubranche ein Wachstum von 6,5 Prozent. Für 2011 prognostizieren Konjunkturexperten im Mittel eine Zunahme um 5,0 Prozent. Die Käufer von Farben, Lacken und Bauprodukten aus Kunststoffen achten wegen allgemein steigender Baukosten verstärkt auf die Einkaufspreise.

Außenhandel

Im Außenhandel mit chemischen Erzeugnissen erzielt Singapur einen Überschuss. Die Ausfuhren von Chemieprodukten legten 2010 gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf circa 57 Milliarden S$ zu. Singapur nimmt eine wichtige Funktion als Drehscheibe im regionalen Handel ein. Von den Chemieeinfuhren in Höhe von 29 Milliarden S$ wurden 2010 Erzeugnisse für 13 Milliarden S$ reexportiert.

Geschäftspraxis

Bevor Arzneimittel in Singapur auf den Markt gebracht werden dürfen, benötigen sie eine Zulassung der Health Sciences Authority. Kosmetika müssen ebenfalls dort angemeldet werden. Gefährliche Chemikalien benötigen eine Importlizenz. Die Kennzeichnung von Chemikalien sowie die Verpackungsbeschriftung regelt der „Poisons Act“. Über die Abfallentsorgung chemischer Produkte informiert die National Environment Agency.

* Quelle: Germany Trade and Invest

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