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Speziallöschanlagen für die Schüttgutindustrie

Brandschutz direkt am Hotspot

| Autor/ Redakteur: Dipl.-Ing. Detlev Mengis / Sabine Mühlenkamp

Viele Unternehmen der Schüttgutindustrie vernachlässigen den Brandschutz in Schaltschränken oder wählen einen sehr aufwändigen und damit kostenintensiven Weg. Als clevere Alternative bieten sich drei, auf unterschiedliche Anforderungslevel entwickelte Löschmodule an, die für eine automatische Brandbekämpfung stehen.

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Das Löschmodul Basic ist nur eines von drei Modulen, die eine automatische Brandbekämpfung und eine einfache Installation ermöglichen.
Das Löschmodul Basic ist nur eines von drei Modulen, die eine automatische Brandbekämpfung und eine einfache Installation ermöglichen.
(Bild: Integra)

Das Risiko eines Brandes potenziert sich mit den jeweils zu verarbeitenden Materialien oder zu produzierenden Gütern. So unterliegen Betriebe, die sich auf die Verarbeitung gemahlener oder pulverförmiger Schüttgüter spezialisiert haben, von Natur aus einer erhöhten Brandgefahr, da sich Glimmnester bilden können. Neben diesen gehen etwa 30 % aller Brände auf das Konto von elektrischen Anlagen, Betriebsmitteln und Geräten. Jeder dritte Industriebrand beläuft sich nach Angaben der Versicherungswirtschaft auf Sachschäden von mehr als 500 000 Euro und treibt die Hälfte der Firmen, die einen Großbrand erlitten haben, in die Insolvenz. Brände ziehen infolge von Betriebsunterbrechungen nicht nur hohe Folgekosten nach sich, sondern gefährden auch die wirtschaftliche Existenz eines Produktionsbetriebes.

Zielgerichteter Brandschutz

Da ohne gesicherte elektrische Energie der Betrieb von Produktionseinrichtungen in Unternehmen nicht möglich ist, sind höchste Anforderungen an die Verfügbarkeit der elektrischen Anlagen zu stellen. Die Einhaltung regelmäßiger Prüf- und Wartungsintervalle können Brandgefahren, die von einer Anlage ausgehen können, zwar minimieren, aber nicht gänzlich ausschließen. Die statistisch erfassten Ursachen von Brandereignissen beziehen sich u.a. auf Kurzschlüsse, Überlastungen und Überhitzungen, fehlerhafte Anschlüsse, Wärmestau durch Nachrüstungen, Erhöhung der Belegungsdichte, gestörte Wärmeabfuhr sowie Materialermüdung. In diesem Zusammenhang stellen insbesondere Schaltanlagen und Schaltschränke eine Gefahr dar und Industrieversicherer nehmen diese Bereiche zunehmend in den Fokus. In der Praxis zeigt sich, dass noch zu viele Unternehmen der Schüttgutindustrie den Brandschutz in Schaltschränken vernachlässigen. Oftmals existieren vielzählige Unterverteilungen, Betriebseinrichtungen und Maschinensteuerungen, die konventionelle Schutzvorkehrungen aufwändig und teuer machen. Als clevere Lösung bieten sich drei, auf unterschiedliche Anforderungslevel entwickelte Löschmodule an, die für eine automatische Brandbekämpfung und gleichermaßen einfache Installation stehen.

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Das Integra-System besticht durch einen flexiblen Sensorschlauch, der Wärme zuverlässig detektiert. Bei einer Auslösung öffnet das Ventil pneumatisch und gibt das Löschmittel frei. Im Vergleich zu elektrischen und mechanischen Auslösesystemen bietet es den Vorteil, dass keine elektrische Energie notwendig ist. Die drei Systeme unterscheiden sich in der Detektionsart und -empfindlichkeit, sodass die Wahl des richtigen Moduls von den Anforderungen des Betreibers abhängt. Das Funktionsprinzip aller ist denkbar einfach: So wird der flexible Sensorschlauch unmittelbar im Gefahrenbereich von Kabeln und Komponenten installiert, wodurch eine hohe Auslöseempfindlichkeit erreicht wird. Im Falle eines Brandes verursacht die damit einhergehende Wärme, dass der unter Druck stehende Sensorschlauch an der heißesten Stelle bei circa 110 °C birst. Der daraufhin entstehende plötzliche Druckabfall im Sensorschlauch bewirkt die Öffnung des Differenzventils und der gesamte Schaltschrank wird mit dem Löschmittel CO2 geflutet. Dadurch wird das Feuer binnen kürzester Zeit gelöscht und in Folge dessen Schäden und Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert. Eine digitale Füllstandsüberwachung (DIMES) kontrolliert kontinuierlich den erforderlichen Füllgrad in der CO2-Löschmittelflasche.

Sicherer Schutz

Das Modul Basic bietet einen einfachen, günstigen Grundschutz und prädestiniert sich für den sicheren Einsatz bei robusten und staubigen Umgebungsbedingungen, wie sie in der schüttgutverarbeitenden Industrie gegeben sind. Zusätzlich ist diese Variante unempfindlich gegenüber Staub, Feuchtigkeit und Fette. Die erhöhte Schutzart IP54/65 erfüllt ohne weitere Maßnahmen die Ex-Bedingungen Zone 20. Das Löschmodul Sensitive wurde für weitergehende Ansprüche an die Auslöseempfindlichkeit von Feuerlöschsystemen entwickelt und bietet einen höheren technischen Aufwand hinsichtlich der Brand­erkennung. Dabei wird der lineare Sensorschlauch durch ein an die Bedürfnisse angepasstes Rauchmeldesystem ersetzt. Zusätzlich besteht das Modul aus einer Brandmelde- und Steuerzentrale, einem Mehrfachsensormelder, der Rauch und Wärme detektiert, einer elektrischen Handauslösung, einer Löschmittelflasche mit angepasster Löschmittelmenge und einer elektronischen Füllstandüberwachung (CO2). Diese Lösung eignet sich für kritische Umgebungsbedingungen, wenn die Gefahr eines langfristigen Ausfalls besteht, hochwertige Güter geschützt werden müssen oder eine Wiederbeschaffung aufwändig und schwierig ist.

Sollen die Ausfallzeiten und Folgeschäden auf ein Minimum beschränkt werden, ist das Modul Highsensitive die richtige Wahl. Es unterscheidet sich vom Modul Sensitive lediglich durch eine technisch aufwändigere Rauchdetektion. Die konventionellen Rauchmelder werden durch aktive Rauchansaugsysteme ersetzt, welche sich die Brandkenngröße selbst zuführen. Dies erfolgt über einen integrierten Lüfter und ein Rohrsystem mit definierten Ansaugbohrungen, über die permanent Luft aus dem Überwachungsbereich angesaugt wird. Die Luftproben werden in der Detektionseinheit mit hochempfindlichen Rauchsensoren auf Rauchpartikeln untersucht.

Für alle Module gilt: Die Anlagengröße wird durch das zu schützende Raumvolumen bestimmt. Je nach Einsatzbedingungen und aus Gründen des Personenschutzes lässt sich bei allen Modulen ein anderes Löschmittel als Kohlendioxid verwenden. Beispiele sind kleine Räume oder Ausstellfläche, bei Installationen im Fluchtweg oder bei begehbaren Objekten. Dafür eignen sich aus der Familie der sauerstoffverdrängenden Mittel, Stickstoff und Argonite.

Ergänzendes zum Thema
Eingebettet in ein Gesamtkonzept

Grundsätzlich erfüllen alle Brandschutzmaßnahmen nur den gewünschten Zweck, wenn diese in ein entsprechendes Brandschutzkonzept eingebettet sind. Dies setzt voraus, dass alle Rahmenbedingungen des Brandschutzes in die Beurteilung einbezogen werden. Hierunter versteht man folgende Fachbereiche:

  • Der bauliche Brandschutz verhindert, dass sich ein Brand ungehindert ausbreiten kann und stellt die Statik des Gebäudes sicher. Dadurch bleiben Flucht- und Rettungswege sowie Haus- und Brandschutztechnik funktionsfähig.
  • Der technische Brandschutz umfasst alle technischen Maßnahmen und Einrichtungen, vom frühzeitigen Erkennen bis zum gezielten Löschen von Bränden.
  • Der organisatorische Brandschutz dient der Vorbeugung von Brandgefahren und gibt den betroffenen Mitarbeitern gleichzeitig Verhaltensrichtlinien an die Hand, wie sie sich im Gefährdungsfall verhalten sollen. Hierzu zählt die Zusammenarbeit mit Hilfe leistenden Stellen, wie beispielsweise der Feuerwehr, die Einhaltung von Evakuierungsplänen sowie Unterweisungen und Brandschutzübungen.
  • Seminar: Risikoermittlung in der Anlagensicherheit In unserem Semiar „Risikoermittlung in der Anlagensicherheit“ lernen Sie mit welchen Methoden die Risiko- und Gefährdungsermittlung bei Prozess- und Chemieanlagen erfolgen kann und welche Tools dazu geeignet sind. Anhand eines konkreten Beispiels der Risikoanalyse einer Betriebsvorlage (Behälter) wird mit den vorgestellten Tools unter Anwendung der Mehtose PAAG-/LOPA eine Risikoanalyse durchgeführt.

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