Suchen

Eine Marke der PROCESS Gruppe

Lunapharm-Skandal Brandenburg verschärft Arzneimittelkontrolle

| Redakteur: Alexander Stark

Die von der Landesregierung Brandenburg eingesetzte Task Force Lunapharm hat ihren abschließenden Untersuchungsbericht veröffentlicht. Als Reaktion darauf, kündigte Brandenburgs neue Gesundheitsministerin Susanne Karawanskij eine Aufstockung der Kontrolleure an.

Firmen zum Thema

Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Brandenburg mindestens elf Patientinnen und Patienten mit Arzneimitteln aus den zurückgerufenen Chargen, die Lunapharm von der griechischen Apotheke bezogen hat, behandelt.
Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Brandenburg mindestens elf Patientinnen und Patienten mit Arzneimitteln aus den zurückgerufenen Chargen, die Lunapharm von der griechischen Apotheke bezogen hat, behandelt.
(Bild: Pixabay / CC0)

Potsdam – Die Labor-Ergebnisse der insgesamt 39 untersuchten Proben, die entweder als Rückstellmuster bei Lunapharm gelagert waren oder danach bei Transportunternehmen beschlagnahmt wurden, liegen vollständig vor und wurden in den Bericht eingearbeitet. Bei keiner der untersuchten Proben wurde die Qualität der Medikamente beanstandet. Eine Rückstellprobe war jedoch schon im Januar 2016 abgelaufen. Bei ihr wurde eine geringfügige Abweichung bei einem der untersuchten Parameter festgestellt.

12 zusätzliche Stellen geschaffen

Susanna Karawanskij, die letzte Woche zur neuen Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg ernannt wurde, sagte, dass die nunmehr vorliegenden Laborergebnisse keine Hinweise auf eine verminderte pharmazeutische Qualität der betroffenen Arzneimittel gäben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Patientinnen und Patienten dem Risiko einer gesundheitlichen Schädigung ausgesetzt waren, sei damit sehr gering, könne aber gleichwohl nicht völlig ausgeschlossen werden.

Der Gesundheitsministerin zufolge hat der Bericht maßgeblich zur Aufarbeitung des Skandals beitragen. Die Empfehlungen würden geprüft und Schritt für Schritt umgesetzt. Erste Maßnahmen seien bereits eingeleitet worden. In diesem Zusammenhang hat der Haushaltsgesetzgeber zwölf zusätzliche Stellen für den Bereich der Arzneimittelaufsicht bewilligt. Diese Stellen wurden größtenteils bereits ausgeschrieben und sollen so schnell wie möglich besetzt werden, erklärte das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG). Im Ministerium werde zudem ein neues Referat geschaffen, das sich ausschließlich um die Arzneimittelaufsicht kümmern soll. Außerdem soll wieder ein Controlling-System installieren werden, um interne Abläufe kontinuierlich zu prüfen und zu verbessern.

Ministerin fordert bundesweite Maßnahmen

Karawanskij betonte, dass es sich um ein europaweit agierendes Netzwerk handele, das mit einem offenbar hohen Maß an krimineller Energie illegalen Arzneimittelhandel betreibe. Hier seien die Ermittlungsbehörden in allen Ländern gefordert. Die Ministerin forderte die gesetzliche Importquote für Arzneimittel auf den Prüfstand zu stellen.

Durch das System aus Reimporten und Parallelimporten seien höchst verschachtelte Handelsbeziehungen zwischen Herstellern, Großhändlern und Zwischenhändlern entstanden, welche die Arzneimittelaufsichten der Länder vor enorme Herausforderungen stellen würden. Diese Themen müssten Bund und Länder jetzt erörtern.

Die komplexen Handelsbeziehungen im Arzneimittelbereich seien auch ein Grund dafür, dass die Identifizierung von betroffenen Patientinnen und Patienten in Brandenburg so schwierig sei. Denn Brandenburger Apotheken ständen nicht direkt in der Lieferliste von Lunapharm.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter „rund um das Thema Pharma“.

Dem Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) sind aktuell sieben Apotheken bekannt, die im Land Brandenburg Arzneimittel der zurückgerufenen Chargen der Lunapharm Deutschland GmbH über andere Handelspartner bezogen und an Patientinnen und Patienten abgegeben haben. Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Brandenburg mindestens elf Patientinnen und Patienten mit Arzneimitteln aus den zurückgerufenen Chargen, die Lunapharm von der griechischen Apotheke bezogen hat, behandelt. Die Recherche nach betroffenen Patientinnen und Patienten wird fortgesetzt, so das Ministerium.

Auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums kann der abschließende Bericht "Beurteilung von Organisationsstrukturen, Arbeitsabläufen und Ressourcen der Arzneimittelüberwachung im Land Brandenburg sowie Bewertung der Arzneimittelrisiken und der EU- und bundesrechtlichen Rahmenbedingungen“ der Task Force Lunapharm heruntergeladen werden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45510149)