15. Deutscher Biotechnologie-Report

Biotech-Branche mit neuem Mut

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Leuchtturmcharakter hat zudem die Meldung vor wenigen Wochen, dass Bill Gates Millionen in den Tübinger Impfstoffhersteller Curevac investiert, an dem auch Dietmar Hopp beteiligt ist. „Wann, wenn nicht jetzt? Wir sollten dieses Momentum nutzen“, fordert Bialojan; der Zeitpunkt für neue Anreize sei gekommen. „Es wäre sträflich, sich in dieser Situation zurückzulehnen und darauf zu vertrauen, dass die allgemeine Wirtschaftserholung automatisch auch die Biotechnologie erreicht. Die Versorgung mit Risikokapital reicht nach wie vor nicht aus, im Gegenteil: Sie verschlechtert sich immer weiter. Eine steuerliche Investitionsförderung könnte diesen Trend umkehren.“

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Deutschland fällt weit zurück

„An der chronischen Unterfinanzierung der deutschen Biotech-Industrie hat sich bislang leider wenig geändert“, stellt Bialojan fest. Im vergangenen Jahr seien die Risikokapitalinvestitionen von einem ohnehin niedrigen Niveau weiter abgesunken: um 5,4 Prozent auf 155 Millionen Euro.

Ganz anders in Großbritannien und der Schweiz. Die beiden Länder haben Deutschland inzwischen weit hinter sich gelassen: In Großbritannien sammelten Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr 447 Millionen Euro ein – eine Steigerung von 155 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Ähnlich fulminant erhöhten Risikokapitalgeber ihre Investitionen in der Schweiz: Das Kapitalvolumen im Venture-Capital-Bereich stieg in den beiden letzten Jahren um jeweils 43 Prozent und verdoppelte sich damit auf 308 Millionen Euro. „Am Ende würden sich hierzulande entsprechende Anreize für Risikokapital volkswirtschaftlich auszahlen“, ist Bialojan überzeugt.

„Biologisierung von Industrien“ – Zukunft Bioökonomie

Ähnlich der digitalen Revolution sieht er auch in der Biotechnologie als Treiber der „Biologisierung von Industrien“ ein enormes Potenzial: „Die wirtschaftlichen Potenziale lassen am Ende zumindest einen ebenso großen volkswirtschaftlichen Gewinn erwarten, wie wir ihn heute im IT-Bereich bereits sehen.

Der Biotechnologie stehen aber ungleich größere Hürden in der Etablierung und gesellschaftlichen Akzeptanz im Wege. Einerseits sind ihre Entwicklungen dem Endkunden in der Regel nicht so präsent beziehungsweise beeinflussen sein Leben nicht so offenkundig, wie dies bei vielen IT-Innovationen der Fall ist. Andererseits sind die Entwicklungszeiten länger – und damit auch die Kosten und Risiken auf dem Weg zum Markt deutlich größer. Gerade der Zugang zu Kapital ist somit ein entscheidender Knackpunkt, der die beiden Gebiete unterscheidet.“

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