15. Deutscher Biotechnologie-Report

Biotech-Branche mit neuem Mut

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Der Umsatzrückgang von insgesamt drei Prozent fiel zwar etwas schwächer aus als im Vorjahr (minus sieben Prozent); er betrifft – im Gegensatz zum Vorjahr – aber die börsennotierten Gesellschaften mit einem Minus von elf Prozent besonders stark. Gerade sie scheinen aber positiv in die Zukunft zu blicken: Sie steigerten ihre F&E-Ausgaben um 18 Prozent auf 133 Millionen Euro, während die privaten Unternehmen sie nur um zwei Prozent auf 670 Millionen Euro anhoben.

(Die Ergebnisse des 15. deutschen Biotechnologie-Reports der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young finden Sie in unserer Bildergalerie bequem zum Durchklicken.)

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Der Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers von EY, Siegfried Bialojan, sieht bei allen Problemen auch Grund zum Optimismus: „Zukunftsinvestitionen bei schwacher Geschäftsentwicklung – dieses Signal war nach der Finanzkrise bisher nicht beobachtet worden. Insbesondere die deutliche Zurückhaltung in den F&E-Investitionen über die letzten Jahre hatte Anlass zu großer Sorge gegeben. Jetzt zeigt sich Licht am Ende des Tunnels.“

Biotech als innovationstreibende Branche

„Für ein wirkliches Wachstum der Branche muss jedoch ein funktionierendes Kapitalökosystem wiederhergestellt werden“, sagt Bialojan. „Es müssen steuerliche Anreize für ein breites Spektrum von Anlegern geschaffen werden, um dadurch mehr privates Kapital für innovative Hightech-Unternehmen zu mobilisieren.“

Bialojan verweist auf den EY-Biotechreport aus dem vergangenen Jahr, „Ein Prozent für die Zukunft“, der die politische Diskussion angeregt und viel Zuspruch erfahren habe. Um auch in Deutschland ein besseres Investitionsklima zu erzeugen, sollen private und institutionelle Investoren bis zu einem Prozent ihres Vermögens in offene Hightech- und Highrisk-Eigenkapitalfonds anlegen können, so die aus der Studie abgeleitete Forderung. Dafür sollen sie von der Kapitalertragsteuer befreit werden. Durch die Begrenzung auf ein Prozent des Gesamtvermögens bliebe das Risiko für Anleger überschaubar.

„Es geht dabei nicht um ein Unterstützungsprogramm für eine Not leidende Biotech-Branche. Es geht um ein positives Signal an den Innovationsstandort Deutschland schlechthin“, so Bialojan. Ohne Risikokapital können echte Innovationen nicht entstehen. Biotech als besonders innovationstreibende Branche stehe dabei stellvertretend für die Innovationskraft am Standort Deutschland insgesamt. Innovationen und ihre Realisierung im Markt erforderten aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft. „Mut zum Risiko und Unternehmergeist müssen positiv besetzt und die Einstellung zum Thema Eigenkapital und Aktienkultur muss neu überdacht werden. Dadurch könnten wir eine ganz neue Dynamik für Innovationen in Deutschland erzeugen.“

Das derzeitige allgemeine Marktumfeld stelle ein ermutigendes Momentum dar, die durch kluges politisches Handeln genutzt werden sollte: Die IPO-Dynamik an den europäischen und US-Kapitalmärkten ist ungebrochen stark. Nach wie vor liegen die USA beim Emissionsvolumen vorn (IPO-Barometer EY, 4. Quartal 2014) : Bei 288 Börsengängen im vergangenen Jahr wurden dort insgesamt 95 Milliarden Dollar erlöst – ein Zuwachs um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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