Suchen

Eine Marke der PROCESS Gruppe

Medizinische Biotechnologie

Biopharmazeutika im Aufwind

Mit 23 Zulassungen im Jahr 2017 wurden im vergangenen Jahr mehr Biopharmazeutika zugelassen als je zuvor. Erstmals liegen sie vor allen anderen Medikamenten (22). Dies sind Ergebnisse des Branchenreports „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2018“, den die Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) für vfa bio erarbeitet hat.

Firmen zum Thema

Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und Vorstandsvorsitzender der Rentschler Biopharma SE.
Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und Vorstandsvorsitzender der Rentschler Biopharma SE.
(Bild: Rentschler Biopharma SE)

Frankfurt – Zehn der zugelassenen Biopharmazeutika waren Biosimilars, also Nachahmerpräparate von Biopharmazeutika nach Ablauf des Patentschutzes. Die Branche der medizinischen Biotechnologie, die diese Medikamente entwickelt, produziert und vertreibt, erwies sich 2017 erneut als Jobmotor: Es gab in Deutschland einen Zuwachs um 2.900 (+6,6 %) auf 47.000 Mitarbeiter, die großenteils hoch qualifiziert sind.

Der Umsatz mit Biopharmazeutika betrug 2017 10,2 Milliarden Euro (im ambulanten und Klinik-Bereich zusammen, öffentlich bekannte Rabatte berücksichtigt) gegenüber 9,3 Milliarden Euro 2016. Ihr Marktanteil erreichte 26,0 % (zuvor 24,8 %). Ausschlaggebend für diese Umsatzentwicklung sind laut Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und CEO der Rentschler Biopharma SE, weiter zunehmende Verordnungen aufgrund des hohen Bedarfs. Denn mit Biopharmazeutika ließen sich einige Therapien verwirklichen, die anders nicht möglich wären, etwa in der Immunonkologie oder der Behandlung bestimmter Stoffwechselerkrankungen.

Der medizinische Bedarf für Biopharmazeutika zeigt sich auch in den Entwicklungsprojekten: Insgesamt befinden sich bei den untersuchten Unternehmen 639 weitere Biopharmazeutika in der klinischen Erprobung; damit bleiben die Anstrengungen für künftige Produkte auf gleichbleibend hohem Niveau wie im Vorjahr.

Den Innovationszyklus fördern

Dies alles zeige, dass die medizinische Biotechnologie weltweit noch an Bedeutung zunehmen werde, so Mathias. Doch andere Länder würden mittlerweile weitaus mehr tun als Deutschland, um sie bei sich zu entwickeln. Wenn Deutschland nicht zurückstehen und im Gegenteil sogar mehr Anteil an der Wertschöpfung haben wolle – also an Forschung, Entwicklung und Produktion – dann sei es gut beraten, den zugrunde liegenden Innovationszyklus nachhaltig zu unterstützen. Dazu gehöre, das Gesundheitssystem innovationsoffen zu gestalten. Der CEO forderte die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung, wie es fast alle Wettbewerberländer erfolgreich getan hätten. Dringend müsse für kleine und mittlere Unternehmen mehr Innovationskapital mobilisiert werden. Unternehmen wie Investoren bräuchten Signale, dass es sich lohnt, gerade in Deutschland weiter Geld und Grips für die Entwicklung neuer Biopharmazeutika aufzuwenden, so Mathias.

Stoffwechselkrankheiten im Fokus

Ein Schwerpunkt des aktuellen Reports bilden Stoffwechselkrankheiten. Unter diesen ist Diabetes die häufigste: In Deutschland leiden rund sieben Millionen Patienten am Typ 2 und noch einmal etwa 300.000 am Typ 1, Tendenz steigend. Dadurch entstehen jährlich Kosten von 35 Milliarden Euro. Nur rund 20 % davon entfallen auf die eigentliche Diabetesbehandlung. Die übrigen Kosten entstehen durch Folgeerkrankungen, Frühverrentungen und Produktivitätsverluste. Das Risiko der Folgeerkrankungen ist aber umso geringer, je besser die Patienten ihren Blutzuckerspiegel medikamentös einstellen können. Ärzte können dafür die jeweils bestgeeignete Therapie aus einem Arzneimittelrepertoire zusammenstellen, in dem Biopharmazeutika wie Insuline und GLP-1-Analoga eine wichtige Rolle spielen. Die therapeutische Vielfalt ist eine Voraussetzung für die bedarfsgerechte Versorgung.

Das Beispiel Diabetes zeige, wie wichtig es sei, Arzneimittelausgaben nicht isoliert zu betrachten, so Judith Wallenstein, Senior Partnerin bei BCG. Für Diabetes-Patienten ständen hochwirksame Medikamente für die kurzfristige und langanhaltende Kontrolle des Blutzuckerspiegels zur Verfügung – eine Situation, die sich in Zukunft noch weiter verbessern dürfte. Dennoch seien viele Patienten sehr schlecht eingestellt. Nur ein holistischer ‚Value-Based Health Care‘-Ansatz, der auf eine wirklich patientenorientierte Versorgung ziele, würde diese Situation verbessern – auch durch einen besseren Zugang zu Daten und digitalen Patientenmanagement-Modellen, erklärte Wallenstein.

Der Report kann unter als pdf heruntergeladen oder kostenfrei bestellt werden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45374536)