Newsticker November: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Stimmung in rheinland-pfälzischer Chemieindustrie trübt sich ein

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11.11.2021

Amsterdam (dpa) *16:30 Uhr – EMA macht weg frei für zwei neue Covid-Medikamente

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg frei gemacht für die Zulassung von zwei neuen Medikamenten gegen Covid-19. Es gehe um die Antikörper-Therapie Ronapreve des Schweizer Pharmaunternehmens Roche sowie das Mittel Regkirona (Regdanvimab) des Herstellers Celltrion aus Südkorea, teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit.

München (dpa) *10:26 Uhr – Deloitte-Umfrage: 60 Prozent der Großunternehmen mit CO2-Zielen

Rund 60 Prozent der von der Unternehmensberatung Deloitte befragten großen deutschen Unternehmen haben sich feste CO2-Reduktionsziele gesetzt. Dabei strebten knapp 40 Prozent CO2-Neutralität an, teilte Deloitte am Donnerstag mit. «Im europäischen Vergleich können sich die deutschen Unternehmen dabei im oberen Mittelfeld behaupten.»

Deloitte hatte im September 158 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen befragt. Besonders wichtig ist die CO2-Reduktion danach in der Konsumgüterindustrie und der Chemiebranche. Im Handel und im Maschinenbau hingegen hätten mehr als die Hälfte der Unternehmen keine konkreten Ziele dazu.

Insgesamt sei «erstaunlich, wie schnell die Unternehmen in Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeitsmanagement reagiert und sich ambitionierte Ziele gesetzt haben», sagte Deloitte-Partner Rolf Epstein. «Hier hat ein Großteil der Finanzvorstände erkannt, dass sie in diesen Feldern aktiv werden müssen, um bei ihren Kunden auf Dauer zu bestehen.» Als entscheidendes Motiv für die eigene Klimaschutzstrategie nannten 63 Prozent die Stärkung des Ansehens beim Kunden, 41 Prozent Kostenreduktion, 39 Prozent Kundenwünsche, 36 Prozent regulatorische Vorschriften.

Zwei Drittel der Unternehmen fokussieren ihre Klima-Maßnahmen auf die Vermeidung eigener Emissionen. Jeweils 46 Prozent streben an, auch in der Lieferkette Emissionen zu reduzieren und selbst klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Lücken sieht Deloitte noch beim Nachhaltigkeitsmanagement: «Erst 49 Prozent der Teilnehmer haben bereits eine Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in der externen Berichterstattung umgesetzt», sagte Markus Seeger, Direktor bei Deloitte und einer der Studienautoren. Auch bei der Definition von Nachhaltigkeitszielen und der Bereitstellung relevanter Daten als Entscheidungsgrundlage «klaffen noch Lücken».

Darmstadt (dpa) *07:33 Uhr – Darmstädter Merck verdient trotz Corona-Boom weniger

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie sorgt beim Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck anhaltend für Schwung. Beim operativen Ergebnis und unter dem Strich mussten die Südhessen im dritten Jahresviertel jedoch Einbußen hinnehmen, da sie im Vorjahr noch von einem hohen Sonderertrag profitiert hatten. Nach Steuern ging der Gewinn im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um fünf Prozent auf 764 Millionen Euro zurück, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Darmstadt mitteilte.

Im Zuge der Virus-Krise erlebt Merck schon seit geraumer Zeit einen Boom im Geschäft mit Produkten und Dienstleistungen für die Arzneiforschung. So beliefert der Konzern viele Impfstoffentwickler. Der gute Lauf der Laborsparte setzte sich auch im dritten Quartal fort. Auch die Pharmasparte und das Halbleitergeschäft verbuchten Zuwächse.

Zusammen mit ersten Eckdaten für das Jahresviertel hatte der Vorstand um Konzernchefin Belen Garijo daher bereits Anfang November seine Ziele für 2021 erneut angehoben. Wie bereits bekannt stieg der Umsatz von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahr um rund zwölf Prozent auf 4,97 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) ging dagegen um knapp neun Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zurück.

Seattle (dpa) *01:34 Uhr – Bayer kassiert weiteres US-Schadenersatzurteil wegen PCB-Klagen

Der Bayer-Konzern hat ein weiteres US-Verfahren wegen angeblich durch die seit Jahrzehnten verbotene Chemikalie PCB verursachte Gesundheitsschäden verloren. Eine Geschworenenjury in Seattle sprach Schülern, Eltern und Mitarbeitern einer örtlichen Schule am Mittwoch (Ortszeit) Schadenersatz von insgesamt 62 Millionen Dollar (54 Mio Euro) zu. Die Kläger machen das Umweltgift PCB vom US-Hersteller Monsanto, der 2018 von Bayer übernommen worden war, für Hirnschäden und andere schwere Erkrankungen verantwortlich.

Bayer erklärte in einer Stellungnahme, mit der Entscheidung nicht einverstanden zu sein. Der Schuldspruch sei nicht von der Beweislage gedeckt – tatsächlich hätten Tests auf eine «extrem niedrige» PCB-Belastung an der Schule hingewiesen. Die Leverkusener wollen das Urteil anfechten und erwägen wie in einem ersten vergleichbaren Fall, Berufung einzulegen. Im Juli hatte eine Jury in Seattle Bayer in einem ähnlichen Verfahren zur Zahlung von Schadenersatz von 185 Millionen Dollar an drei Lehrer der gleichen Schule verurteilt.

Wie auch der milliardenschwere Streit rund um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat sind die PCB-Verfahren ein teures Erbe des 2018 für über 60 Milliarden Dollar von Bayer übernommenen US-Saatgutriesen Monsanto. Das Unternehmen war von 1935 bis 1977 der einzige Hersteller von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in den USA. 1979 wurde die Chemikalie dort verboten. In Deutschland darf PCB seit Ende der 1980er Jahre nicht mehr verwendet werden. Bei den Verfahren im Zusammenhang mit der Schule nahe Seattle geht es etwa um Vorschaltgeräte für fluoreszierende Lampen, die PCB enthalten.

Doch Bayer hat in den USA noch andere rechtliche Probleme wegen der Chemikalie. So ist der Konzern auch mit zahlreichen Klagen wegen angeblicher Umweltschäden durch PCB konfrontiert. Hier wird Monsanto beschuldigt, jahrzehntelang verheerende Folgen der Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben. Eigentlich hatte sich Bayer bereits im Rahmen eines Vergleichs zur Beilegung des größten PCB-Verfahrens in den USA auf eine Zahlung von 650 Millionen Dollar geeinigt. Doch der zuständige Richter wies den Kompromiss zurück.

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