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MSR/Automatisierung Bereit zum Sprung über den Teich

| Redakteur: Redaktion PROCESS

Fresenius Kabi modernisierte in Rekordzeit mit dem Siemens Prozessleitsystem Simatic PCS 7 eine Produktionslinie im Grazer Werk. Die dort hergestellten Infusionslösungen genügen allen strengen Dokumentationspflichten der FDA. Herbert Neuhold hat bewegte Zeiten hinter sich.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Fresenius Kabi modernisierte in Rekordzeit mit dem Siemens Prozessleitsystem Simatic PCS 7 eine Produktionslinie im Grazer Werk. Die dort hergestellten Infusionslösungen genügen allen strengen Dokumentationspflichten der FDA.

Herbert Neuhold hat bewegte Zeiten hinter sich. Der Leiter der Automatisierungstechnik von Fresenius Kabi Graz hat eben die Umrüstung einer der fünf Produktionsanlagen bewältigt, und schon plant er zwei weitere. Fremdfirmen im Haus, die den Boxenstopp der Grazer Anlage nutzen, ist er daher gewohnt. Die Grazer Anlage läuft normalerweise im Drei-Schicht-Betrieb sechs Tage die Woche und produziert hochwertige Infusionslösungen. Während für die üblichen beiden Wartungsphasen der Anlagen zu Weihnachten und im Sommer jeweils zwei bis drei Wochen angesetzt sind, erforderte der letzte Modernisierungsschub einen längeren Stillstand einer Anlage:

Eine der fünf Produktionslinien wurde umgebaut und modernisiert. Im Zuge der Modernisierung wurde auch das Leitsystem auf den neuesten Stand gebracht: Der Grazer Siemens Solution Provider PLS Automation installierte Simatic PCS 7, ein System, das den hochgradig flexiblen Chargenprozess vollständig automatisiert abwickeln kann.

Fit für den US-Markt

„Die Herausforderung bei diesem Projekt war der extrem kurze Realisierungszeitraum, der uns rund um die Uhr beschäftigt hat“, stellt Johannes Brandl, verantwortlich für das Fresenius-Projekt bei PLS Automation, fest und führt weiter aus: „Einer der Vorteile von PCS 7 liegt im einfachen und durchgängigen Engineering mit einem hohen Integrationsgrad von Hardware und Software. Erst dadurch werden derart kurze Projektlaufzeiten überhaupt möglich.“ Peter Kajtna, Produktionsleiter Emulsionen, erklärt die jetzige Investition: „Wir produzieren hier aus Fetten, Aminosäuren und Zucker Infusionslösungen für die parenterale Ernährung.“

Notwendig wird die parenterale Ernährung, wenn Magen oder Darm - etwa infolge einer Krankheit oder einer Operation - ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können. Bei der künstlichen Ernährung über die Vene gelangen alle wichtigen Nahrungsbestandteile in Form ihrer molekularen Bausteine direkt ins Blut.“ Kajtna: „Mit unserem neuen Prozessleitsystem genügen wir den strengen FDA-Auflagen für die Chargendokumentation. Das erlaubt uns, künftig auch den US-Markt zu beliefern. Derzeit läuft die entsprechende Registrierungsphase dafür.“ Aktuell gehen die Infusionslösungen von Fresenius entweder direkt von Graz aus in die ganze Welt oder werden über das Fresenius Logistikzentrum in Deutschland zu den Kunden gebracht.

Die hochwertigen Infusionen der Fresenius Kabi Austria werden sowohl in Glas- als auch in Kunststoffgebinden abgefüllt - von der kleinen Ampulle bis hin zum Ein-Liter-Beutel. „Bevor der Stopfen auf die Glasflasche aufgesetzt werden darf, muss die Sauerstofffreiheit sichergestellt werden, was durch ein mehrfaches Absaugen der Luft erreicht wird“, so der Leiter der Automatisierungstechnik, Herbert Neuhold.

Komplexe Prozesse

Die Notwendigkeit für die Siemens-Lösung lag für Neuhold neben den strengen Dokumentationsanforderungen für die FDA auch im immer komplexer werdenden Produktionsprozess: „Bei der Ansatzbereitung für Infusionen werden die Bandbreiten der Toleranz in Sachen Temperatur, Druck oder Dichte stets kleiner. Hinzu kommt, dass die Produkte selbst komplizierter werden.“

Die Vorzüge der Prozessautomation mit dem Siemens-System liegen laut Neuhold vor allem in der sicheren Bedienungsführung im integrierten Software-System Simatic Batch flexible: „Alle Rezepturen - die Batch-Prozesse - sind darin vollständig abgebildet und schließen potenzielle Fehlerquellen aus. Alle Variablen der Rezeptur sind manipulationssicher, einzig die Ansatzgröße ist manuell änderbar. Die Chargen-Rückverfolgung ist also zeitgenau und personenspezifisch nachweisbar.“

Mit der neuen PCS 7-Anlage ist Fresenius Kabi Austria zudem in der Lage, die Produktionslinie wesentlich flexibler einzusetzen. „Das versetzt uns in die Lage, Kapazitätsengpässe innerhalb des Konzerns auszugleichen“, sagt Neuhold, „für solche Aufträge herrscht innerhalb des Fresenius-Konzerns ein ausgeprägter Wettbewerb zwischen den jeweiligen Töchtern.“ Fresenius hat sich in Österreich bereits vor mehr als 20 Jahren für Siemens als Standard für die Automatisierungstechnik entschieden - nicht zuletzt aufgrund einer hohen Kontinuität in Produkten und Qualität. Die Verzahnung der Automatisierungsebene mit übergelagerten Systemen hat Fresenius bisher mit einer AS/400 bewerkstelligt.

Ab 2006 wird - nach konzernweiten Vorgaben - ein SAP-System diese Funktionalitäten übernehmen. „Die Artikelstammdaten werden aus SAP über einen File-Server direkt an die Produktionsanlage gesendet.“ Weitere Modernisierungen mit Simatic PCS 7 sind bereits geplant.

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