Klimaschutz Bayer präsentiert konzernweites Programm zum Klimaschutz

Autor / Redakteur: Gabriele Rzepka / Dr. Jörg Kempf

Die aktuellen Prognosen den Klimawandel betreffend sind erschreckend, die Erderwärmung laut zahlreicher Wissenschaftler nicht mehr aufzuhalten. Jetzt heißt es, den Schaden zu begrenzen. In diesem Sinne hat sich auch Bayer in der Klimadebatte zu Wort gemeldet.

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Produktionsanlage von BMS zur Herstellung von Makrolon in Map Ta Put, Thailand – einer von 100 Standorten, den die Klimaexperten unter die Lupe nehmen wollen.
Produktionsanlage von BMS zur Herstellung von Makrolon in Map Ta Put, Thailand – einer von 100 Standorten, den die Klimaexperten unter die Lupe nehmen wollen.
( Bild: Bayer Technology Services )

Unter dem Schlagwort „Bayer Climate Program“ stellte Bayer im November vergangenen Jahres seine Aktivitäten zum Thema Klimaschutz vor. „Wir wollen in unserer eigenen Produktion die natürlichen Ressourcen schonen und die Kohlendioxid-Emissionen weiter senken. Darüber hinaus entwickeln wir neue Lösungen für den Klimaschutz und den Umgang mit dem Klimawandel“, eröffnete Werner Wenning, Vorsitzender des Bayer-Vorstandes, die Veranstaltung. Insgesamt konnte das Unternehmen die absoluten Treibhausgas-Emissionen zwischen 1990 und 2006 bereits um 36 Prozent reduzieren. Energieeffiziente, moderne Verfahren haben dies möglich gemacht.

Auf Energieeffizienz setzt Bayer vor allem in dem sehr energieintensiven Bereich MaterialScience (BMS). Bei steigendem Umsatz wird sich der absolute Energiebedarf zwar weiter erhöhen. Pro Tonne Verkaufsprodukt soll aber der spezifische Bedarf weltweit um 25 Prozent sinken. „Der spezifische Energiebedarf ist hier für uns die richtige Messgröße. Sie ist eine anspruchsvolle Vorgabe zur Steigerung der Energieeffizienz bei gleichzeitigem Wachstum“, bekräftigt Wenning diese Entscheidung. Bei den anderen Geschäftsbereichen geht es um absolute CO2-Reduzierung: 15 Prozent bei CropScience und fünf Prozent bei HealthCare.

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Klima-Check

Besondere, klimarelevante Projekte – so genannte Leuchtturmprojekte – sollen einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eines davon ist der Climate Check. Dabei handelt es sich um eine Methode, bestehende Anlagen auf ihre Energieeffizienz hin zu analysieren und zu optimieren. Was auf den ersten Blick nicht neu erscheint, ist es laut Wenning doch: „Wir verfolgen mit dieser Methode einen ganz neuen Ansatz.“

Den gesamten Produktionsprozess im Blick

Erstmals erfassen und bewerten die Experten den gesamten Produktionsprozess, inklusive aller Vorprodukte und Energien. Der Climate Check besteht aus zwei Komponenten: Dem Climate Footprint und der Climate Impact Analysis. Der Footprint ist mit dem Carbone Footprint vergleichbar. Diese Größe gibt die CO2-äquivalente Emission jedes Produktionsabschnittes an. In diesen Wert fließen Angaben zur Rohstoffausnutzung, zu den Emissionen aus der Vorkette, zu denen des Transports vom Lieferant zum Werk, zu den werksinternen Transporten, zur Energiebereitstellung und zu sämtlichen Prozessen und Vorprozessen mit ein. Ist der Ist-Zustand erhoben, folgt die Climate Impact Analysis. Mithilfe einer Analyse sämtlicher Abläufe identifizieren die Klimaspezialisten Maßnahmen zur Optimierung einzelner Anlagen und Prozesse.

Wolfgang Plischke, Mitglied des Bayer-Vorstands, ist vom Wert dieses Instruments überzeugt: „Der Climate Check sagt uns, welchen Einfluss auf das Klima die von uns eingesetzten Rohstoffe haben, ob der von uns gewählte Energiebezug und die Energieform die effizientesten sind und wie wir unsere Logistikprozesse am besten organisieren.“ Den Klima-Check will das Unternehmen zukünftig auch auf neue Technologieprojekte und große Investitionsvorhaben anwenden. „Das wird uns helfen, neue Potenziale und Wege zur Emissionsreduktion zu identifizieren und unsere Emissionsziele zu erreichen“, so Plischke weiter. Bis Ende 2009 will Bayer 100 seiner Produktionsstätten weltweit mit dem Klima-Check untersuchen. Das erfasst laut Unternehmensangaben etwa 85 Prozent der von den Produktionsstätten verursachten direkten und indirekten Emissionen.

Null Emissionen

Fast 20 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen gehen auf den Energiebedarf in Gebäuden zurück. Ein Drittel etwa sind Industrie- und Bürogebäude. Hier setzt ein weiteres „Leuchtturmprojekt“ an: Ein Industrie- und Bürogebäude mit Null Emission, das in allen Klimazonen einsetzbar ist. Gleichgültig ob die Wärme im Gebäude verbleiben oder nicht von außen in die Büros eindringen soll, der Schlüssel sind Dämmstoffe mit einer geringen Wärmeleitfähigkeit. „Polyurethan ist in puncto Wärmeleitfähigkeit anderen Werkstoffen weit überlegen und damit bestens geeignet für energieeffizientes Bauen in allen Klimazonen der Welt“, ist Plischke überzeugt. Bei dem Null-Emissionen-Gebäude ist PU aber nur eine Komponente.

Das erste EcoCommercial Building will Bayer ab Frühjahr 2008 in Indien bauen. Verschiedene klimafreundliche Technologien kommen dabei zum Einsatz. Die Energie für seinen Betrieb bezieht das Gebäude über eine Photovoltaik-Anlage. Mit der Solarenergie deckt der Neubau seinen gesamten Energiebedarf, vom Strom über Heizung, Warmwasser bis hin zur Kühlung. Eine große Rolle spielt die Verglasung der Fassade. Der Trick ist dabei, das Tageslicht als Lichtquelle zu nutzen, ohne zu hohe Wärmeübergänge an den Glasflächen zu provozieren. Die thermische Trägheit der Gebäudemasse berücksichtigen die Planer ebenfalls: Über spezielle Lüftungssysteme führen sie nachts die in Beton, Stützen und Mauerwerk gespeicherte Wärme ins Freie ab, sodass eine Klimaanlage unnötig ist. Plischke ist von dem neuen Konzept überzeugt: „Unsere Berechnungen haben ergeben, dass ein EcoComercial Building im Vergleich zu der in Indien sonst üblichen Bauweise mit 70 Prozent weniger elektrischer Energie auskommt.“

Höhere Liter-Ausbeute

In der Klimadiskussion sind die Biofuels nicht mehr weg zu denken. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen hat den Charme, CO2-neutral und unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein. Um der Konkurrenz um Anbauflächen zwischen Nahrungsmitteln und Energiepflanzen die Schärfe zu nehmen, geht der Trend immer mehr zu Pflanzen mit höheren Ernteerträgen. Der Hochertragsraps von Bayer ist ein solches Produkt. Bezogen auf die Liter-Ausbeute an Biodiesel pro Hektar Anbaufläche bedeutet dies, dass etwa 190 Liter mehr Biodiesel pro Hektar anfallen, als bei ähnlichem Hybridsaatgut.

Ziel des gesamten Klimaprogramms ist es, „den wirtschaftlichen Erfolg in Einklang mit dem Schutz der Umwelt und den Bedürfnissen der Gesellschaft zu bringen“, so Wenning abschließend.

Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.

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