Geschäftsjahr 2016 Bayer feiert erfolgreiches Jahr und erwartet weiteres Wachstum

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Trotz aller Unkenrufe aus der Branche, verzeichnet Bayer ein Rekordjahr. Der Leverkusener Konzern konnte sich im vergangenen Geschäftsjahr vor allem auf das Pharma-Geschäft verlassen, das erneut für Umsatz- und Ergebnissteigerung sorgte. Erfreulich entwickelt sich auch das Geschäft von Tochterunternehmen Covestro, sowie die geplante Monsanto-Übernahme.

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Bayer erhöhte den Konzernumsatz um 1,5 % auf 46,769 Milliarden Euro und verbessert das Ebitda vor Sondereinflüssen um 10,2 % auf 11,302 Milliarden Euro.
Bayer erhöhte den Konzernumsatz um 1,5 % auf 46,769 Milliarden Euro und verbessert das Ebitda vor Sondereinflüssen um 10,2 % auf 11,302 Milliarden Euro.
(Bild: Bayer)

Leverkusen – Bayer freut sich über ein strategisch und operativ erfolgreiches Jahr 2016, so das Unternehmen. „Mit unserer operativen Performance haben wir ein neues Rekordniveau erreicht – und auch bei der vereinbarten Übernahme von Monsanto kommen wir gut voran“, sagte Vorstandsvorsitzender Werner Baumann auf der Bilanz-Pressekonferenz in Leverkusen. Pharmaceuticals konnte erneut mit erfreulichen Umsatz- und Ergebnissteigerungen überzeugen.

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Consumer Health verzeichnete währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) einen Umsatzanstieg, während das Ergebnis rückläufig war. Bei Crop Science waren der wpb. Umsatz und das um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda – trotz des anhaltend schwierigen Marktumfelds – konstant. Animal Health verzeichnete wpb. Umsatzzuwächse und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Covestro erhöhte das Ergebnis kräftig, während der Umsatz wpb. das Niveau des Vorjahres erreichte. „Wir haben allen Grund, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken, und wir sind gut ins neue Geschäftsjahr gestartet“, sagte Baumann. Für 2017 stellte er ein weiteres Wachstum von Umsatz und Ergebnis in Aussicht.

Monsanto-Übernahme schreitet voran

Mit der vereinbarten Übernahme von Monsanto habe Bayer im vergangenen Jahr auch strategisch einen weiteren großen Schritt nach vorn gemacht, betonte Baumann. „Die Übernahme passt perfekt zu unserer Strategie, mit unseren Life-Science-Geschäften auf attraktiven, innovationsgetriebenen Märkten führende Positionen einnehmen zu wollen.“ Nach Vollzug des Zusammenschlusses wäre Bayer in der Lage, durch mehr Innovation, stärkeres Wachstum und größere Effizienz langfristig erheblichen zusätzlichen Wert zu schaffen.

Die Monsanto-Aktionäre hatten im Dezember 2016 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Transaktion zugestimmt. Auch bei den erforderlichen behördlichen Verfahren macht Bayer Fortschritte. Bei etwa zwei Dritteln der rund 30 Behörden wurden die Genehmigungen bereits beantragt. Bayer und Monsanto arbeiten eng mit den Behörden zusammen. Bayer erwartet weiterhin, die Transaktion bis Ende 2017 abschließen zu können.

Konzernergebnis steigt um 10,2 %

Im Geschäftsjahr 2016 erhöhte sich der Umsatz des Bayer-Konzerns um 1,5 (wpb. 3,5) % auf 46,769 (Vorjahr: 46,085) Milliarden Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen stieg um 10,2 % auf 11,302 (10,256) Milliarden Euro. Das Ebit erhöhte sich um 12,8 % auf 7,042 (6,241) Milliarden Euro. Darin enthalten sind Sonderaufwendungen in Höhe von 1,088 (0,819) Milliarden Euro. Diese resultierten im Wesentlichen aus Wertberichtigungen auf immaterielle Vermögenswerte, Aufwendungen in Verbindung mit Effizienzsteigerungsprogrammen sowie Kosten für die Integration erworbener Geschäfte. Das Ebit vor Sondereinflüssen kletterte um 15,2 % auf 8,130 (7,060) Milliarden Euro. Das Konzernergebnis stieg um 10,2 % auf 4,531 (4,110) Milliarden Euro und das bereinigte Konzernergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft um 7,3 % auf 7,32 (6,82) Euro.

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit im fortzuführenden Geschäft stieg um 20,8 % auf 8,259 (6,836) Milliarden Euro. „Diesen erfreulichen Zuwachs verdanken wir vor allem der verbesserten Ergebnissituation und einer verringerten zusätzlichen Mittelbindung im Nettoumlaufvermögen“, erklärte Finanzvorstand Johannes Dietsch. Die Nettofinanzverschuldung verringerte sich im Geschäftsjahr 2016 um 32,5 % auf 11,8 Milliarden Euro. Hier standen den Mittelzuflüssen aus der operativen Geschäftstätigkeit und der Begebung einer Pflichtwandelanleihe die Mittelabflüsse für Dividenden sowie negative Währungseffekte gegenüber.

Umsatz- und Ergebnisanstieg auch bei Pharmaceuticals

Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln erhöhte sich der Umsatz wpb. um 8,7 % auf 16,420 (15,308) Milliarden Euro. „Bei Pharmaceuticals legte der Umsatz erfreulich zu. Wir konnten das Geschäft in allen Regionen merklich ausbauen“, sagte Baumann. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit der Gruppe der Hauptwachstumsprodukte.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen von Pharmaceuticals stieg um 13,8 % auf 5,251 (4,616) Milliarden Euro. Der deutliche Ergebniszuwachs ist im Wesentlichen auf die sehr gute Geschäftsentwicklung zurückzuführen. Gegenläufig wirkten deutlich höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie negative Währungseinflüsse in Höhe von etwa 65 Millionen Euro.

Consumer Health wächst mit dem Wettbewerb

Der Umsatz im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health) erhöhte sich wpb. um 3,5 % auf 6,037 (6,076) Milliarden Euro. „Dies entsprach in etwa der Entwicklung des Wettbewerbs“, erläuterte Baumann. In Lateinamerika und in Asien/Pazifik erzielte die Division wb. deutliche Zuwächse, Europa/Nahost/Afrika konnte mit einer leichten Steigerung zur Umsatzausweitung beitragen. Das Geschäft in Nordamerika blieb auf Vorjahresniveau.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen von Consumer Health verringerte sich um 3,1 % auf 1,411 (1,456) Milliarden Euro. Ergebnisbelastend wirkten sich höhere Herstellungskosten und negative Währungseffekte in Höhe von etwa 65 Millionen Euro aus. Diese Effekte konnte das Unternehmen jedoch zu großen Teilen durch die positive Umsatzentwicklung sowie Kostensynergien kompensieren.

Crop Science hält Niveau in schwierigem Marktumfeld

Im Agrargeschäft erzielte Bayer einen Umsatz von 9,915 (10,128) Milliarden Euro (wpb. plus 0,1 %). „Für unsere Division Crop Science blieb das Marktumfeld im vergangenen Jahr weiter schwach, insbesondere in Lateinamerika“, sagte Baumann. Dennoch habe Crop Science den Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres halten können. Der deutliche Rückgang von wb. 6,9 % in Lateinamerika wurde durch Zuwächse in den anderen Regionen ausgeglichen. So stieg der Umsatz in Nordamerika wb. um 3,9 %, in Asien/Pazifik wb. um 2,7 % und in Europa/Nahost/Afrika wb. um 1,8 %.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen von Crop Science lag mit 2,421 (2,406) Milliarden Euro auf Vorjahresniveau (plus 0,6 %). Einem positiven Währungseffekt von rund 140 Millionen Euro sowie gestiegenen Verkaufspreisen standen geringere Absatzmengen, höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie höhere Wertberichtigungen auf Forderungen gegenüber.

Animal Health profitiert von starkem Seresto-Wachstum

Im Tiergesundheitsgeschäft (Animal Health) stieg der Umsatz wpb. um 4,8 % auf 1,523 (1,490) Milliarden Euro. Aufgrund einer erhöhten Nachfrage entwickelten sich die Regionen Nordamerika und Asien/Pazifik besonders positiv. Ein sehr starkes Umsatzwachstum von wb. 55,4 % erzielte das Floh- und Zeckenhalsband Seresto, vor allem dank einer erhöhten Nachfrage in den USA und Europa. Die Advantage-Produktfamilie mit Floh-, Zecken- und Entwurmungsmitteln lag wb. auf dem Niveau des Vorjahres.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen blieb mit einem Plus von 0,6 % auf 349 (347) Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Positiven Ergebnisbeiträgen aus Mengen- und Preissteigerungen standen höhere Aufwendungen für Marketing und Vertrieb sowie gestiegene Herstellungskosten gegenüber. Zudem belastete ein negativer Währungseffekt von rund 10 Millionen Euro das Ergebnis.

Covestro steigert Ergebnis

Der Umsatz von Covestro lag mit 11,826 (11,982) Milliarden Euro (wpb. 0,0 %) auf dem Niveau des Vorjahres. Die Verkaufspreise waren in Summe rückläufig, im Wesentlichen aufgrund niedriger Rohstoffpreise. Die Absatzmengen lagen insgesamt über denen des Vorjahres. Das Ebitda vor Sondereinflüssen verbesserte sich deutlich um 19,6 % auf 1,984 (1,659) Milliarden Euro. Positive Ergebnisbeiträge aus Entlastungen bei den Rohstoffpreisen und gestiegenen Absatzmengen überwogen geringere Verkaufspreise und einen negativen Währungseffekt von rund 20 Millionen Euro.

Bereinigtes Ebitda im 4. Quartal 2016 gesteigert

„Auch im letzten Quartal des Jahres 2016 konnten wir unseren positiven Geschäftsverlauf fortsetzen“, führte Finanzvorstand Dietsch aus. Der Konzernumsatz stieg im 4. Quartal um 4,7 (wpb. 4,8) % auf 11,820 (11,285) Milliarden Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 13,7 % auf 2,179 (1,916) Milliarden Euro. Das Ebit verringerte sich hingegen um 14,3 % auf 789 (921) Millionen Euro. Unter dem Strich ergab sich ein Konzernergebnis von 453 (613) Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie für das fortzuführende Geschäft erhöhte sich auf 1,19 (1,08) Euro.

Finanzierung der Monsanto-Übernahme kommt voran

Mit der Refinanzierung der vereinbarten Monsanto-Übernahme komme Bayer gut voran, sagte Dietsch weiter. Die Akquisitionsfinanzierung über 57 Milliarden Dollar sowie die erste Eigenkapitalmaßnahme in Höhe von vier Milliarden Euro hat Bayer erfolgreich umgesetzt. „Ein Gelingen derartig großvolumiger Transaktionen ist nicht selbstverständlich. Dass wir die Aufgaben so erfolgreich gemeistert haben, ist auch ein Beleg für das hohe Ansehen von Bayer am Kapitalmarkt“, so Dietsch.

Für weitere Ausfinanzierungen der Akquisitionsfinanzierung plant Bayer Unternehmens- und Hybridanleihen sowie die zusätzliche Aufnahme von Eigenkapital über eine Bezugsrechtskapitalerhöhung. Sollten sich Möglichkeiten für eine Optimierung der Finanzierungsstruktur, der eingesetzten Instrumente oder des Zeitplans der Finanzierungsschritte ergeben, wird Bayer diese Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Fast 4,7 Milliarden Euro fließen in Forschung und Entwicklung

Der Erfolg von Bayer beruhe auf Innovationen, führte Baumann aus. „Das ist unsere Kernkompetenz.“ Deshalb investiere das Unternehmen erheblich in die Stärkung seiner Innovationskraft. Im vergangenen Jahr flossen fast 4,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (plus 9,2 %). „Für Life Sciences gaben wir mit 4,4 Milliarden Euro knapp 13 % vom Umsatz aus, auch dies ist ein neuer Höchstwert“, so Baumann.

„Die Anstrengungen zur weiteren Stärkung unserer Innovationsfähigkeit zahlen sich aus, das zeigen unsere Entwicklungspipelines.“ So hat Bayer bei Pharmaceuticals eine ganze Reihe vielversprechender Produktkandidaten in der klinischen Entwicklung. Sechs von ihnen – in der mittleren bis späten Pipeline – haben nach Einschätzung des Unternehmens ein kombiniertes Spitzenumsatzpotenzial von insgesamt mindestens sechs Milliarden Euro.

Bei Crop Science dürfte das kombinierte Spitzenumsatzpotenzial der Bayer-Pipeline für Pflanzenschutz und Saatguttechnologie für Produkte, die zwischen 2015 und 2020 auf den Markt kommen sollen, bei insgesamt über fünf Milliarden Euro liegen.

Fortsetzung der positiven Entwicklung im Jahr 2017 erwartet

„Für das Geschäftsjahr 2017 rechnen wir weiterhin mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung“, sagte Baumann. Der Konzernumsatz soll sich inklusive Covestro auf mehr als 49 Milliarden Euro erhöhen. Dies entspricht wpb. einem Anstieg im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Das Ebitda vor Sondereinflüssen soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft will Bayer ebenfalls im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern. Hierbei ist zu beachten, dass 2017 Covestro für das volle Jahr mit 64 % einbezogen ist. Ebenfalls berücksichtigt ist die im November 2016 erfolgte Platzierung der Pflichtwandelanleihe. Sie erhöhte die gewichtete durchschnittliche Anzahl von Aktien. Den Prognosen sind die Wechselkurse zum Stichtag 31. Dezember 2016 zugrunde gelegt, z. B. ein Euro-Dollar-Kurs von 1,05.

Für den Bereich Life Sciences plant Bayer einen Umsatz von ca. 37 Milliarden Euro. Dies entspricht wpb. einem Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Ebitda vor Sondereinflüssen soll im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich zunehmen.

Für Pharmaceuticals erwartet Bayer einen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Euro. Dies entspricht einem wpb. Zuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich. Den Umsatz mit den Hauptwachstumsprodukten Xarelto, Eylea, Stivarga, Xofigo und Adempas soll auf über sechs Milliarden Euro gesteigert werden. Für das um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda ist eine Zunahme im oberen einstelligen Prozentbereich geplant. Dabei will das Unternehmen die um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda-Marge weiter verbessern.

Bei Consumer Health rechnet Bayer mit einem Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro und plant im Einklang mit der erwarteten Marktentwicklung ein wpb. Wachstum im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das Ebitda vor Sondereinflüssen wird ein Plus im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet.

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Für Crop Science geht der Konzern von einem Umsatz von über zehn Milliarden Euro aus. Dies entspricht einer wpb. Steigerung im unteren einstelligen Prozentbereich. Das Ebitda vor Sondereinflüssen wird auf dem Niveau des Vorjahres erwartet.

Bei Animal Health erwartet Bayer eine wpb. Umsatzsteigerung im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich und plant eine Verbesserung des Ebitda vor Sondereinflüssen im oberen einstelligen Prozentbereich.

Covestro plant für 2017 eine Umsatzsteigerung sowie ein um Sondereinflüsse bereinigtes Ebitda auf oder über dem Niveau des Vorjahres.

Für das Jahr 2017 plant Bayer für den gesamten Konzern Sonderaufwendungen im Ebitda in einer Größenordnung von etwa 0,5 Milliarden Euro. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung will der Konzern auf 4,8 Milliarden Euro steigern. Die Sachanlageinvestitionen sollen sich auf rund 2,5 Milliarden Euro belaufen und die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte auf etwa 0,4 Milliarden Euro. Ohne Berücksichtigung von Kapital- und Portfoliomaßnahmen soll die Nettofinanzverschuldung am Jahresende 2017 bei etwa zehn Milliarden Euro liegen.

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