Forschungspressekonferenz BASF setzt auf mehr Forschung außerhalb Europas

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die BASF hat im Jahr 2013 1,8 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Mit neuen Forschungslaboren will der Chemiekonzern besonders in Nordamerika und Asien seine Aktivitäten ausbauen. Die Nanotechnologie soll dabei in zahlreichen Anwendungsgebieten eine große Rolle spielen.

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Slentite ist das erste mechanisch stabile Polyurethan-Aerogel für Dämmplatten. Dank seiner Struktur mit Nanoporen zwischen 50 und 100 nm und der damit niedrigeren Wärmeleitfähigkeit, können noch dünnere Dämmplatten hergestellt werden. Dies senkt die Energiekosten und eröffnet gestalterische Freiräume bei der Dämmung. (Vergrößerung 8000:1)
Slentite ist das erste mechanisch stabile Polyurethan-Aerogel für Dämmplatten. Dank seiner Struktur mit Nanoporen zwischen 50 und 100 nm und der damit niedrigeren Wärmeleitfähigkeit, können noch dünnere Dämmplatten hergestellt werden. Dies senkt die Energiekosten und eröffnet gestalterische Freiräume bei der Dämmung. (Vergrößerung 8000:1)
(Bild: BASF)

Ludwigshafen – „Absolut gesehen stehen wir mit unseren Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in der Chemieindustrie an erster Stelle“, sagte Dr. Andreas Kreimeyer, Vorstandsmitglied der BASF und Sprecher der Forschung auf der gestrigen Forschungspressekonferenz zum Thema „Nanotechnologie: Kleine Dimensionen – große Chancen“ in Ludwigshafen.

Insgesamt arbeiten bei BASF rund 10 650 Mitarbeiter in internationalen und interdisziplinären Teams an etwa 3000 Forschungsprojekten, um Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft zu finden und dadurch nachhaltiges profitables Wachstum für das Unternehmen zu sichern. Die Innovationskraft des Unternehmens zeigt sich am Umsatz mit neuen Produkten, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre in den Markt eingeführt worden sind: Dieser betrug im vergangenen Jahr rund 8 Milliarden Euro.

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Allein 2013 hat das Unternehmen mehr als 300 neue Produkte in den Markt eingeführt. Auch das Patentportfolio ist beeindruckend. Mit 1300 angemeldeten Patenten im vergangenen Jahr und rund 151 000 Anmeldungen und Schutzrechten weltweit steht BASF bereits zum fünften Mal in Folge an der Spitze des Patent Asset Index.

Neue Forschungslabore in Nordamerika und Asien

Im Jahr 2020 soll die Hälfte der Forschung außerhalb von Europa durchgeführt werden. Diesem Ziel ist der Chemieriese 2013 einen weiteren Schritt näher gekommen und hat den Forschungsanteil außerhalb Europas auf 28 % (2012: 27 %) erhöht. Um die Globalisierung der Forschung weiter voranzutreiben, hat das Unternehmen u.a. sechs neue Labore an verschiedenen Standorten in Asien und den USA eröffnet.

Zudem wurde in Kalifornien zusammen mit Universitäten die „California Research Alliance by BASF“ (CARA) gegründet. Forschungsschwerpunkt sind hier die Biowissenschaften und neue anorganische Materialien für die Bereiche Energie, Elektronik und erneuerbare Ressourcen. In Asien hat das Unternehmen zusammen mit Spitzenuniversitäten aus China, Japan und Korea die Forschungsinitiative „Network for Advanced Materials Open Research“ (NAO) gegründet. Gemeinsam wird dort an neuen Materialien für eine Vielzahl von Anwendungen, beispielsweise für die Automobil-, Bau- und Wasser- oder Windenergieindustrie, geforscht.

Mit Nanotechnologie Lösungen für die Zukunft entwickeln

Besonders die Nanotechnologie steht momentan im Fokus der BASF. Nanoporen sorgen bei einem neuen Hochleistungsdämmstoff für die besonderen Materialeigenschaften. Slentite ist die erste Hochleistungsdämmstoff auf Polyurethanbasis, die bei gleicher Dämmleistung nur halb so viel Platz benötigt wie herkömmliche Materialien. Bei dem organischen Aerogel besteht rund 90 % des Volumens aus mit Luft gefüllten offenen Poren, die lediglich einen Durchmesser von 50 bis 100 nm haben. Dadurch wird die Bewegungsfreiheit der Luftmoleküle eingeschränkt und die Wärmeleitung reduziert. Einsatzgebiete des Hochleistungsdämmstoffs sind unter anderem Alt- und Neubauten.

Ein Forschungsgebiet der BASF, bei dem die Nanotechnologie ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, beschäftigt sich mit der Formulierung von Wirkstoffen und hier speziell mit der Mikroverkapselung. Dabei werden aktive Substanzen mit einer schützenden Hülle, beispielsweise aus Wachs, Polymer oder Öl, umgeben. So können sie gezielter eingesetzt werden und effizienter wirken. Wichtig ist hierbei die kontrollierte Freisetzung der aktiven Substanzen. Den Forschern ist es gelungen, je nach Anwendung die Hülle so zu gestalten, dass sie nur wenige Nanometer dick oder nanostrukturiert ist. Dadurch kann gesteuert werden, wann und mit welcher Geschwindigkeit die Stoffe an dem gewünschten Zielort freigesetzt werden.

Das im Jahr 2012 gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz eröffnete Forschungslabor für Graphen erforscht auch weiterhin die wissenschaftlichen Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten von kohlenstoffbasierten Materialien wie Graphen. Für eine besonders gute Bildqualität bei Flüssigkristallbildschirmen sorgt Irgaphor Red S 3621 CF, das neue Rot der BASF. Es wird in Farbfiltern von Notebook- und Computerbildschirmen sowie Fernsehern eingesetzt.

Je kleiner die Partikel sind, desto besser ist die Leuchtkraft des Bildschirms. Dem Chemieunternehmen ist es gelungen, bei ihrem Produkt eine Teilchengröße von weniger als 40 nm zu erreichen. Durch die sehr kleinen Teilchen wird das Licht im Farbfilter weniger stark gestreut. Im Vergleich zu bisherigen Farbmitteln wird durch das neue Rot das Kontrastverhältnis des Bildschirms verdoppelt. Der Betrachter sieht dadurch ein sehr scharfes, farbreines, kontrastreiches und letztendlich brillantes Bild.

Potenziale der Nanotechnologie sicher nutzen

Die Erschließung neuer Technologien umfasst sowohl die sachliche Bewertung der Chancen als auch der Risiken. Neben der Entwicklung von Nanomaterialien ist daher deren Risikobewertung ein weiterer Forschungsschwerpunkt. Seit rund zehn Jahren betreibt BASF daher Sicherheitsforschung mit Nanomaterialien. In dieser Zeit hat das Unternehmen mehr als 150 eigene toxikologische und ökotoxikologische Studien durchgeführt und sich an rund 30 verschiedenen Projekten mit externen Partnern beteiligt.

Damit die Potenziale der Nanotechnologie genutzt werden können, sind innovationsfreundliche, gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen entscheidend. „Die öffentliche Diskussion ist uns sehr wichtig. Wir suchen bewusst den Dialog auch mit kritischen Meinungsbildnern“, betont Kreimeyer. So hat BASF zum Beispiel als erstes und bisher einziges Unternehmen in Deutschland ein regelmäßig stattfindendes Dialogforum zum Thema Nanotechnologie ins Leben gerufen.

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