Jahresbilanz BASF fährt 2015 ein Umsatz-Minus von 5% ein

Redakteur: M.A. Manja Wühr

2015 lief für BASF nicht so wie erwartet. Die Wachstumsraten der Weltwirtschaft, der Industrieproduktion und der chemischen Industrie blieben 2015 deutlich hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück. Auch für 2016 rechnen die Ludwigshafener mit großen Herausforderungen.

Firmen zum Thema

2015 musste sich BSAF mit einem Umsatz 70,4 Milliarden Euro ein Minus von 5 Prozent verkraften. Auch 2016 wird eine Herausforderung.
2015 musste sich BSAF mit einem Umsatz 70,4 Milliarden Euro ein Minus von 5 Prozent verkraften. Auch 2016 wird eine Herausforderung.
(Bild: BASF)

Ludwigshafen – „Im Jahresverlauf ließ die Dynamik der Weltwirtschaft spürbar nach. In diesem weltwirtschaftlichen Umfeld haben wir entschiedene Maßnahmen ergriffen: unsere Vorräte deutlich verringert, unser Kostenmanagement verstärkt und unser Portfolio gestrafft“, sagte Dr. Kurt Bock, Vorsitzender des Vorstands von BASF, bei der Bilanzpressekonferenz in Ludwigshafen. 2015 sank der Umsatz um 5 % auf 70,4 Milliarden Euro. Die Verkaufspreise nahmen in nahezu allen Bereichen (minus 9 %) ab und waren maßgeblich von den stark gesunkenen Rohstoffpreisen beeinflusst. Der Absatz nahm 2015 insgesamt leicht zu (plus 3 %), vor allem infolge höherer Mengen bei Oil & Gas. Im Chemiegeschäft – es umfasst die Segmente Chemicals, Performance Products und Functional Materials & Solutions – lagen die Mengen fast auf Vorjahresniveau. Bei Agricultural Solutions stiegen Mengen und Preise. Währungseffekte beeinflussten den Umsatz in allen Segmenten positiv (plus 6 %). Der Tausch von Vermögenswerten mit Gazprom minderte den Umsatz (Portfoliomaßnahmen: minus 5 %).

Ölpreis drückt auf BASF-Umsätze

Das EBIT vor Sondereinflüssen lag mit 6,7 Milliarden Euro um 618 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahres. Wesentliche Einflüsse waren der ölpreisbedingte Umsatzrückgang aus der Öl- und Gasförderung sowie ein verringertes Ergebnis bei Sonstige insbesondere auf Grund von Währungseffekten. Die signifikante Ergebnissteigerung im Segment Functional Materials & Solutions wirkte gegenläufig.

Das EBIT der BASF-Gruppe lag im Jahr 2015 mit 6,2 Milliarden Euro um 1,4 Milliarden Euro unter dem Wert des Vorjahres. Aus Sondereinflüssen resultierte 2015 eine Ergebnisbelastung im EBIT von minus 491 Millionen Euro nach einem Ergebnisbeitrag von plus 269 Millionen Euro im Vorjahr. Maßgeblich hierfür waren vor allem Wertminderungen von Vermögenswerten im Segment Oil & Gas in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Grund dafür sind die starken Rückgänge der Öl- und Gaspreise in den vergangenen Monaten.

Der Jahresüberschuss nach Anteilen anderer Gesellschafter lag mit 4,0 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert von 5,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie sank von 5,61 Euro auf 4,34 Euro. Das um Sondereinflüsse und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte bereinigte Ergebnis je Aktie betrug 5,00 Euro, nach 5,44 Euro im Vorjahr.

Operativer Cashflow auf Rekordniveau

Mit einem Rekordbetrag von 9,4 Milliarden Euro überstieg der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit im Jahr 2015 den des Vorjahres um 2,5 Milliarden Euro. Vor allem die Freisetzung von Mitteln aus dem Nettoumlaufvermögen leistete hierzu einen Beitrag. Der Free Cashflow stieg im Jahr 2015 trotz höherer Auszahlungen für Sachanlagen und immaterielles Vermögen um 2,0 Milliarden Euro auf 3,6 Milliarden Euro. Mit 44,5 % (31. Dezember 2014: 39,5 %) erreichte die Eigenkapitalquote ein sehr hohes Niveau. Die Nettoverschuldung nahm um 710 Millionen Euro auf 13,0 Milliarden Euro ab.

BASF steht zu ihrer anspruchsvollen Dividendenpolitik und plant, der Hauptversammlung eine Dividende von 2,90 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2015 vorzuschlagen (Vorjahr: 2,80 Euro). Somit würden rund 2,7 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. „Auf Basis des Jahresschlusskurses 2015 von 70,72 Euro bietet die BASF-Aktie erneut eine hohe Dividendenrendite von rund 4,1 %. Wir streben auch künftig an, die Dividende jährlich zu steigern, sie zumindest aber auf dem Niveau des jeweiligen Vorjahres zu halten“, so Bock.

Was sich BASF von 2016 verspricht lesen Sie auf Seite 2.

Ausblick für das Jahr 2016

Folgende wirtschaftliche Rahmenbedingungen für das Jahr 2016 liegen dem Ausblick von BASF zugrunde (Vorjahreswerte in Klammern):

  • Wachstum der Weltwirtschaft von +2,3 % (+2,4 %)
  • Wachstum der globalen Chemieproduktion (ohne Pharma) von +3,4 % (+3,6 %)
  • Wechselkurs von durchschnittlich 1,10 US$/Euro (1,11 US$/Euro)
  • Ölpreis (Brent) von 40 US$/Barrel im Jahresdurchschnitt (52 US$/Barrel)

Bock: „Der Jahresauftakt mit den Turbulenzen der Rohstoff- und Aktienmärkte verdeutlicht, mit wie viel Unsicherheit ein Ausblick für 2016 verbunden ist. Das Jahr hat verhalten begonnen, vor allem infolge einer schwachen Mengenkonjunktur in China. Dennoch erwarten wir, dass die Weltwirtschaft 2016 voraussichtlich etwa so wachsen wird wie im Jahr 2015.“ In der Europäischen Union wird das Wachstum etwa auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Das Wachstum in den USA wird sich voraussichtlich etwas verlangsamen. BASF erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in China weiter leicht zurückgeht und sich die Rezession in Russland und Brasilien etwas abschwächt. Die globale Chemieproduktion wird im Jahr 2016 voraussichtlich leicht schwächer wachsen als 2015.

„Die Risiken für die Weltwirtschaft steigen weiter. Dennoch wollen wir den Absatz in allen Segmenten steigern. Insbesondere infolge der Devestition des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts wird der Umsatz der BASF-Gruppe jedoch deutlich sinken. Wir erwarten ein EBIT vor Sondereinflüssen, das leicht unter dem Wert von 2015 liegt. Dies ist in dem derzeitigen volatilen und herausfordernden Umfeld ein anspruchsvolles Ziel und insbesondere von der Entwicklung des Ölpreises abhängig“, sagte Bock. Das Unternehmen rechnet mit einem deutlichen Ergebnisrückgang bei Oil & Gas. Bei Chemicals wird BASF an die guten Ergebnisse der ersten drei Quartale 2015 nicht anschließen können und rechnet mit einem deutlich niedrigeren Beitrag. In den übrigen drei Segmenten will BASF das Ergebnis dagegen leicht steigern.

Investitionsniveau wird sinken

Im Jahr 2015 hat BASF knapp 5,2 Milliarden Euro in Sachanlagen investiert, nach 5,1 Milliarden Euro im Vorjahr (ohne Sachanlagenzugänge aus Akquisitionen, aktivierte Explorationen, Rückbauverpflichtungen und IT-Investitionen). Für die Jahre 2016 bis 2020 geht das Unternehmen davon aus, dass das jährliche Investitionsniveau im Vergleich zu 2015 niedriger sein wird, nachdem mehrere Großanlagen in Betrieb genommen wurden. „Die Investitionsprojekte, die wir in den vergangenen Monaten abgeschlossen haben, belasten unser Ergebnis in diesem schwächeren Marktumfeld. Sie sind jedoch die Grundlage für künftiges Wachstum – in Europa, in Nordamerika und in den Schwellenländern. Diese aufstrebenden Märkte bieten große Chancen für BASF, auch wenn sie momentan langsamer als erwartet wachsen“, sagte Bock. Für das Jahr 2016 plant BASF insgesamt Investitionen in Höhe von rund 4,2 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr will das Unternehmen die Investitionen somit um 1 Milliarde Euro reduzieren.

Entwicklung Segment Chemicals

Im Segment Chemicals ist der Umsatz im 4. Quartal vor allem infolge niedrigerer Preise um 22 % auf 3,2 Milliarden Euro gefallen. Das EBIT vor Sondereinflüssen verringerte sich vor allem wegen rückläufiger Margen bei Petrochemicals um 331 Millionen Euro auf 249 Millionen Euro. Im Gesamtjahr ging der Umsatz um 14 % auf 14,7 Milliarden Euro zurück. Wesentlich hierfür waren niedrigere Preise auf Grund gesunkener Rohstoffkosten, insbesondere bei Petrochemicals. Das EBIT vor Sondereinflüssen lag mit 2,2 Milliarden Euro um 211 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahres. Dies ist vor allem auf rückläufige Margen bei Monomers sowie gestiegene Fixkosten durch die Inbetriebnahme neuer Produktionsanlagen zurückzuführen, beispielsweise in Camaçari/Brasilien oder Chongqing/China.

Entwicklung Segment Performance Products

Der Umsatz im Segment Performance Products ging im 4. Quartal preis- und portfoliobedingt um 2 % auf 3,6 Milliarden Euro zurück. Das EBIT vor Sondereinflüssen stieg durch höhere Ergebnisbeiträge von Performance Chemicals und Dispersions & Pigments gegenüber dem Vorjahresquartal um 11 Millionen Euro auf 228 Millionen Euro. Im Gesamtjahr nahm der Umsatz um 1 % auf 15,6 Milliarden Euro zu. Dabei konnten positive Währungseffekte in allen Bereichen die niedrigeren Verkaufspreise und den schwächeren Absatz mehr als kompensieren. Das EBIT vor Sondereinflüssen verfehlte das Niveau des Vorjahres um 89 Millionen Euro und lag bei 1,4 Milliarden Euro. Grund waren höhere Fixkosten. Diese resultierten aus negativen Währungseffekten, der Inbetriebnahme neuer Anlagen, beispielsweise in Camaçari/Brasilien und Freeport/Texas, sowie dem Abbau von Vorräten.

Entwicklung Functional Materials & Solutions

Bei Functional Materials & Solutions stieg der Umsatz im 4. Quartal um 1 % auf 4,5 Milliarden Euro infolge höherer Mengen und positiver Währungseffekte. Insbesondere wegen des höheren Ergebnisbeitrags von Performance Materials wuchs das EBIT vor Sondereinflüssen um 169 Millionen Euro auf 389 Millionen Euro. Im Gesamtjahr stieg der Umsatz im Segment um 5 % auf 18,5 Milliarden Euro. Bei stabilen Mengen gingen die Preise insgesamt leicht zurück, der Währungseffekt war positiv. Das EBIT vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 452 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro, vor allem auf Grund der deutlichen Verbesserungen bei Performance Materials und Construction Chemicals.

Entwicklung Agricultural Solutions

In einem anspruchsvollen und wettbewerbsintensiven Geschäftsumfeld stieg der Umsatz im Segment Agricultural Solutions im 4. Quartal preis- und mengenbedingt um 5 % auf 1,2 Milliarden Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 21 Millionen Euro auf 144 Millionen Euro, insbesondere aufgrund des guten Herbizid-Geschäfts in Nordamerika. Mit 5,8 Milliarden Euro übertraf der Umsatz im Gesamtjahr vor allem auf Grund höherer Verkaufspreise den Wert des Jahres 2014 um 7 %. Im Jahresverlauf war ein weiterhin niedriges Preisniveau für Agrarprodukte zu verzeichnen und deshalb eine gedämpfte Nachfrage nach Pflanzenschutzprodukten. Besonders in Schwellenländern belasteten das volatile Umfeld und Abwertungen der lokalen Währungen das Geschäft. Das EBIT vor Sondereinflüssen erreichte mit 1,1 Milliarden Euro nahezu den Wert des Vorjahres (minus 2 %).

Entwicklung Segment Oil & Gas

Im Segment Oil & Gas ging der Umsatz im 4. Quartal um 82 % auf 731 Millionen Euro zurück. Maßgeblich hierfür war der Ende September vollzogene Tausch von Vermögenswerten mit Gazprom, durch den die Beiträge des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts entfielen. Das EBIT vor Sondereinflüssen reduzierte sich um 220 Millionen Euro und lag bei 127 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2015 ging der Umsatz um 14 % auf 13,0 Milliarden Euro zurück. Neben den maßgeblichen Veränderungen im Portfolio trug der drastische Rückgang des Ölpreises dazu bei. Ein Mengenanstieg sowohl bei Exploration & Production als auch bei Natural Gas Trading wirkte sich positiv auf den Umsatz aus. Das EBIT vor Sondereinflüssen nahm infolge des Umsatzrückgangs um 429 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro ab.

Der Umsatz von Sonstige lag im 4. Quartal mit 660 Millionen Euro um 6 % unter dem Vorjahresquartal, insbesondere wegen niedrigerer Preise im Rohstoffhandel sowie der Ende 2014 erfolgten Devestition von Ellba Eastern Private Ltd., Singapur. Das EBIT vor Sondereinflüssen ging im 4. Quartal um 86 Millionen Euro auf minus 114 Millionen Euro zurück, vor allem infolge negativer Währungseffekte. Im Gesamtjahr sank der Umsatz von Sonstige hauptsächlich auf Grund eines geringeren Beitrags des Rohstoffhandels um 23 % auf 2,8 Milliarden Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen nahm um 322 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr ab und lag bei minus 888 Millionen Euro. Maßgeblich hierfür waren vor allem ein niedrigeres Währungsergebnis und höhere Aufwendungen für Rückstellungen für das Long-Term-Incentive-Programm.

(ID:43897454)