MOBIL, ABER RICHTIG!

21.07.2014

Nach dem Erfolg mobiler Lösungen im privaten Umfeld dringen Tablet-PCs & Smartphones nun auch in industrielle Bereiche wie die Prozessindustrie vor.

BARTEC INSIGHT im Gespräch mit dem Marktanalysten David Krebs von VDC Research und Nader Halmuschi, Leiter Automatisierungstechnik bei BARTEC.

 

Herr Krebs, vielen Dank, dass Sie sich aus Boston zugeschaltet haben. Sie sind als Marktanalyst tätig, auf welches Gebiet konzentrieren Sie sich im Speziellen?

Ich beschäftige mich in erster Linie mit mobilen Lösungen für Unternehmen und Behörden. Von besonderem Interesse ist dabei, wie diese eingesetzt werden, um mobile Arbeiter besser in den Informationsfluss einzubinden und die Produktivität ihrer Tätigkeiten zu erhöhen.


Wie schnell wächst der Markt für mobile Lösungen und was sind die wesentlichen Treiber?

Wir beobachten bereits in vielen Bereichen zweistellige Wachstumsraten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es gibt weltweit rund eine Milliarde mobiler Arbeiter. Die von Privatleuten geschätzte Mobiltechnologie erreicht jetzt zeitverzögert die industrielle Arbeitswelt. Auch hier sehen wir nun multifunktionale, leistungsfähige und vor allem robuste Handhelds, Smartphones und Tablet-PCs, die eine Fülle von Anwendungen vereinen. Die Motivation, in solche Lösungen zu investieren, leitet sich von dem Wunsch nach mehr Produktivität und Umsatz ab. Darüber hinaus geht es um den Echtzeitzugriff auf unternehmensrelevante Informationen, einen besseren technischen Service und auch neue Wege der Zusammenarbeit.


Was sind Ihre Erkenntnisse bezüglich explosionsgeschützter mobiler Lösungen?

Die Anwender in diesem Marktsegment besitzen ein hohes Interesse an Prozessverbesserungen, aber auch an erhöhter Leistung und Arbeitssicherheit. Der Trend geht vom spezifischen Datenerfassungs- und Kommunikationsgerät zur multifunktionellen Lösung.


In Bad Mergentheim begrüße ich unseren Gastgeber, Herrn Halmuschi: Wie schätzen Sie die Nachfrage nach ex-geschützten mobilen Lösungen ein?

Mithilfe detaillierter Marktanalysen und Kundenbefragungen haben wir vier große Bedarfsfelder identifiziert: Neben den beiden großen Bereichen Produktivität und Integration geht es vielen unserer Kunden darum, Fehler und Ausfallzeiten zu reduzieren. Dazu kommen Compliance-Anforderungen, die sich durch digitalisierte und automatisierte Prozesse erfüllen lassen. Im Vergleich zu den bisher im Ex-Bereich üblichen Handscannern sind multifunktionelle Smartphones und Tablet-PCs wesentlich flexibler einsetzbar.


Herr Krebs: Welche Chancen und Herausforderungen kommen auf führende Anbieter wie BARTEC zu?

Die Kunden fangen gerade erst an, mobile Aufgaben zu automatisieren, vorwiegend in der technischen Wartung, aber auch im Bereich der videogestützten Kollaboration. BARTEC ist einer der wenigen Anbieter, die das Potential dieses Zukunftsmarktes erkannt haben und die zugleich das nötige Maß an Erfahrung, Know-how sowie Vermarktungs- und Service-Kapazitäten mitbringen. Herausforderungen könnten in der künftigen Differenzierung liegen. Einen allgemeinen Erfolgsfaktor stellt der für die Datenübertragung notwendige Infrastrukturausbau dar, insbesondere in Verbindung mit abgelegenen Einsatzorten.


Herr Halmuschi: Wie stellt sich BARTEC diesbezüglich auf?

Im Rahmen unserer Strategie „BARTEC goes mobile“ nutzen wir unsere international führende Stellung in der Ex-Branche, um unseren Kunden zwei neue mobile Lösungen näherzubringen: das nach ATEX und IECEx für Zone 1 und 2 sowie CSA Class 1 Div 1 zertifizierte Smartphone Impact X und den ATEX Zone 2/UL Class 1 Div 2 zertifizierten Tablet-PC Agile X. Während das handliche und einfach zu bedienende Impact X seine Stärken insbesondere in den Bereichen Arbeitssicherheit und Videokollaboration ausspielen kann, ermöglicht das ebenfalls leichte Agile X als mobiles Büro eine völlig neue Bewegungsfreiheit im Feld. Im Sinne eines möglichst breiten Einsatzspektrums unterstützen beide Geräte eine Vielzahl an Kommunikationsstandards von WLAN bis LTE. Kommunikationsinfrastruktur wie beispielsweise ex-geschützte WLAN-Antennen ergänzt das Portfolio, so dass BARTEC in der Lage ist, komplette Systemlösungen zu bieten.


Herr Krebs, in welchen Branchen sehen Sie den größten Bedarf?

Grundsätzlich sprechen diese Lösungen alle Branchen an, in denen explosionsgefährdete Bereiche vorhanden sind. Neben der Öl- und Gasindustrie sind das vor allem die Pharmazie und Chemie, aber auch die Automotive- und Lebensmittelbranche.


Welche Einsatzszenarien werden in naher Zukunft selbstverständlich sein, Herr Halmuschi?

Typische Einsatzfälle für das Smartphone Impact X stellen die einhändige, sichere Aufzeichnung von HD-Videos auf einer Ölbohrplattform dar oder die Übertragung eines aktuellen Wartungsszenarios mithilfe einer passenden Helmkamera. Mit einem optionalen Unterarmholster hat der Mitarbeiter sogar beide Hände frei und kann trotzdem jederzeit kritische Situationen melden. Zu den typischen Nutzern unseres ex-geschützten Tablet-PCs Agile X zähle ich Techniker und Ingenieure, die über das HD-Display auf komplexe Informationen wie technische Zeichnungen, Tabellen und andere Office-Dokumente zugreifen. In anderen Szenarien ist der Einsatz beider Gerätetypen sinnvoll.


Herr Krebs, worauf achten die Anwender am meisten?

Nicht zuletzt die globalen Kunden blicken kritisch auf die bisherigen Produkte, die künftige Roadmap und vorhandene Supportstrukturen. Sie suchen kein einzelnes Produkt, sondern eine maßgeschneiderte Lösung, die alle Unternehmensstandards erfüllt und eine gute Balance aus Konsistenz und technischer Innovation erlaubt. Etablierte Anbieter wie BARTEC können sicherlich mit einem Vertrauensbonus rechnen.


Wie fällt Ihre Prognose aus, Herr Halmuschi?

Überaus positiv! Viele unserer Kunden können es kaum erwarten, die Produktivität und Sicherheit mithilfe von mobilen Lösungen zu verbessern. Dabei scheinen uns die aktuellen Marktprognosen eher konservativ zu sein. Allein die Öl- und Gasindustrie der USA beschäftigt rund 400.000 Menschen, die von unseren neuen Lösungen profitieren können – nicht nur im Feld, sondern auch für Office-Aufgaben. Zusätzlichen Rückenwind bekommen wir durch den laufenden Ausbau der Datennetze und letztendlich von den Anwendern selbst, die ihre Arbeit mit privat vertrauten Technologien konstruktiv bereichern möchten.

Interview: Hans-Peter Bayerl /// Fotos: Dominik Gigler