Effizient in Echtzeit

14.07.2014

Um Marktführer zu sein, muss man selbst in einem Nischenmarkt wie dem der ex-zertifizierten Mobilgeräte mehr bieten als die Mitbewerber. Christian Rokseth, CEO des kürzlich von BARTEC akquirierten norwegischen Unternehmens PIXAVI, über sein Erfolgsgeheimnis.

Herr Rokseth, BARTEC PIXAVI ist der weltweit führende Anbieter von mobilen Kommunikationsgeräten für den ExBereich. Wie haben Sie das geschafft?

Unser Konzept ist es, die mobilen Geräte von Grund auf selbst herzustellen – mit eigenen Technologien. Andere Wettbewerber sind auf Dritte angewiesen, etwa bei der Entwicklung von Leiterplatten und Software. Wir hingegen machen alles selbst – mit einem sorgfältig ausgesuchten Team.
 

Zu Beginn waren Sie jedoch auf sich allein gestellt. 1999 entwickelten Sie aus Ihrer Masterarbeit heraus ein kabelloses Audio-, Video- und Datenkommunikationssystem. Was hat Sie angetrieben?

Ich hatte festgestellt, dass es in den Raffinerien zwar schon ein schnelles Internet gab, es fehlten aber drahtlose Lösungen für die Kommunikation auf den Ölbohrplattformen. Hier wollte ich ansetzen. Um den ersten WLAN-Access-Point nach Norwegen zu importieren, musste ich 1998 eine Sondererlaubnis beantragen. Die nächste Aufgabe war, die Hardware zu verschlanken*.
 

Was war der wirtschaftliche Aspekt Ihrer Überlegungen?

Nachdem ich die Situation bei Reparaturbedarf auf einer Bohrinsel analysiert hatte, fragte ich mich: Warum muss man immer den Betrieb stoppen, bis die Experten an Bord sind? Ich wollte den Reiseaufwand minimieren und zugleich das nötige Fachwissen vor Ort sicherstellen, damit Probleme effizient in Echtzeit gelöst werden.
 

Was genau kann denn auf einer Bohrinsel „passieren“, und wie hilft Ihre Technologie?

Ein typisches Beispiel ist der Ausfall eines Ölkompressors. Früher musste eine Bohrplattform gut und gerne zwei Tage geschlossen werden, bis der Experte vor Ort war. Heute kann der Kunde solch ein Problem mithilfe von BARTEC PIXAVI per Video lösen. Der Stillstand ist praktisch gleich null, der Kunde gewinnt zwei Tage.
 

Beeindruckend. Und wie viel Lernaufwand muss er im Gegenzug einrechnen?

Können Sie ein Smartphone bedienen? Wer damit umgehen kann, ist auch fit für unsere Produkte.
 

Für welche Extrembedingungen sind Ihre Produkte denn geeignet – Stichwort Explosionsschutz?

Unsere Produkte sind robuster als vergleichbare andere. Bevor ein Gerät auf den Markt kommt, muss es strenge Tests bestehen. Zum Beispiel lassen wir es aus einem Meter Höhe auf einen Betonboden fallen. Als Nächstes schmettern wir eine kiloschwere Kugel aus 20 Zentimetern Höhe auf das Display. Dann variieren wir noch die Umgebungstemperatur zwischen -20 und +45 °C. 
 

Waren Sie eigentlich selbst schon einmal in einer gefährlichen Situation? Oder haben Sie als Junge mit explosiven Substanzen experimentiert?

(lacht) Sie wissen schon: Das Ziel in unserem Business ist es, Explosionen zu vermeiden und nicht zu verursachen. Aber gut. In meiner Jugend war ich oft in der Werkstatt meines Vaters und hatte dort zahlreiche gefährliche Projekte am Laufen, die ich lieber geheim halten möchte. Sagen wir so: Ich bin froh, dass ich überlebt habe!
 

Abgesehen von dieser Überlebenserfahrung: Womit können Sie persönlich in Ihren Kundengesprächen noch punkten?

Nun, ich bin Norweger! Im Ernst, das hilft. Denn anders als in den USA, wo die Bohrungen hauptsächlich auf dem Festland stattfinden, werden Öl und Gas in Norwegen weit vor der Küste gefördert. Das fördert auch innovatives Denken. Darüber hinaus bringe ich mein Fachwissen als Elektro- und Maschinenbauingenieur ein.
 

Und damit sind Sie also damals an die Ölgesellschaften herangetreten. Wie haben die reagiert?

Die Öl- und Gasindustrie nahm meine Vorschläge von Anfang an begeistert auf. Zu kämpfen hatten wir allerdings mit den Gewerkschaften. Diese konnten sich dann aber selbst davon überzeugen, dass keine Arbeitsplätze gefährdet waren. So kam die Sache ins Rollen, und noch heute ist die Ölund Gasindustrie eine starke Säule unserer Aktivitäten.
 

Wie gehen Sie heute im Detail vor, um Herausforderungen beim Kunden zu lösen?

Als Basis benötigen wir entweder Kollegen mit Mobiltelefon oder ein WLAN-Netzwerk vor Ort. Das ist heutzutage kein Problem, 90 Prozent der Bohrplattformen verfügen heute über WLAN. Sobald dies gegeben ist, lassen sich die BARTEC PIXAVI Geräte verbinden, etwa unser ex-zertifiziertes, drahtloses Videokonferenzsystem Xcaster EX5000. Per Echtzeit-Video und -Audio erhält das Servicepersonal auf der Bohrinsel Unterstützung von Fachleuten auf dem Festland. Die beste und sicherste Lösungsstrategie für den akuten Fall ist dann in der Regel schnell gefunden und angewandt.
 

Sie stellen HD immer besonders heraus. Braucht man denn HD für jede Anwendung?

Nun, HD ist mittlerweile Standard. Es anzubieten ist somit Notwendigkeit, nicht Luxus.
 

Zum Schluss noch ein Ausblick: Welche spannenden „Notwendigkeiten“ planen Sie für die Zukunft?

Momentan liegt unser Fokus auf der Markteinführung der neuen Smartphone- und Video-Kommunikationstechnologie, die wir noch dieses Jahr herausbringen. Diese Produkte werden die Kommunikation in einigen Branchen revolutionieren.

Interview: Markus Lipp /// Fotos: Karl Pedersen