B2B-Gehaltsreport Automatisierer bekommen 18 % mehr Gehalt

Autor / Redakteur: Sariana Kunze / Matthias Back

Was verdienen Arbeitnehmer im B2B-Umfeld konkret? Antwort liefert der große B2B-Gehaltsreport von Vogel Business Media über die aktuelle Einkommenssituation in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Der Bereich Automatisierungs- und Elektrotechnik sticht dabei hervor. Denn Automatisierer gehören nicht nur beim Gehalt zu den Siegertypen.

Automatisierer gehören im Brachenvergleich zu den Siegertypen. Ein großer B2B-Gehaltsreport von Vogel Business Media ergab, dass sie ca. 18 % mehr als der Durchschnitt verdienen.
Automatisierer gehören im Brachenvergleich zu den Siegertypen. Ein großer B2B-Gehaltsreport von Vogel Business Media ergab, dass sie ca. 18 % mehr als der Durchschnitt verdienen.
(CC0 Public Domain, pixabay.com)

82.250 Euro – so viel verdient ein Arbeitnehmer aus dem Bereich Automatisierungs- und Elektrotechnik mit Zusatzleistungen im Durchschnitt pro Jahr in Deutschland. Damit liegen die Automatisierer deutlich über dem Gesamtergebnis des großen B2B-Gehaltsreports von Vogel Business Media – denn das allgemeine Jahresgehalt liegt bei 69.711 Euro. Die Befragten können so stolze 17,99 % mehr Jahresbruttoeinkommen auf ihrem Konto verbuchen. Ein ähnlicher Unterschied zeigt sich bei den Zusatzleistungen. Mit 10.275 Euro liegen Leistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld im Bereich der Automatisierungs- und Elektrotechnik ca. 200 Euro über dem Gesamtergebnis. Insgesamt gaben 95,4 % aller Befragten der Automatisierungs- und Elektrotechnik an, Zusatzleistungen zu bekommen – etwa 4 % mehr als im Durchschnitt. Vor allem Zusatzleistungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld, die betriebliche Altersvorsorge, leistungsabhängige Boni, Die Gewinnbeteiligung und die Bereitstellung eines Firmenwagens sind deutlich höher oder öfter vorzufinden als im Gesamtergebnis. An der Befragung für den Gehaltsreport nahmen über alle Branchen hinweg 5.000 Arbeitnehmer teil.

Viele Automatisierer in leitenden Positionen

Insgesamt 86,9 % aller Befragten im Automatisierungs- und Elektrotechnikbereich erhielten im Laufe der letzten fünf Jahre eine Gehaltserhöhung und geben als Hauptgründe dafür mit 51,7 % eine Tariferhöhung an, gefolgt von zusätzlichen Aufgaben mit 31,8 %. Damit haben sie über 6 % mehr Gehaltserhöhungen als der Durchschnitt erhalten. Eine Beförderung als Grund für die Gehaltserhöhung geben nur 17,6 % der Befragten an. Auffällig ist, dass mit dem Unterschied von 12,4 % Tariferhöhungen im Automatisierungs- und Elektrotechniksektors eine viel größere Rolle bei der Gehaltserhöhung spielen als bei dem Gesamtergebnis. Eine Gehaltserhöhung in den nächsten fünf Jahren sehen immerhin 59,9 % der Befragten.

Etwa ein Viertel aller Automatisierer geben an, im Vertrieb oder Verkauf tätig zu sein. Weitere große Bereiche mit etwa 10 % sind Forschung und Entwicklung, und mit jeweils etwa 9 % Konstruktion und Marketing.

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In der Automatisierungs- und Elektrotechnik arbeiten 56,3 % in leitenden Positionen. Damit liegen sie ca. 8 % über dem Durchschnitt. Die restlichen 43,8 % arbeiten als Fachkraft, Spezialisten oder in anderen Positionen. Demzufolge haben auch ganze 56,8 % mindestens eine temporäre Mitarbeiterverantwortung – ein Zahlenwert, der sich fast identisch mit dem Gesamtergebnis deckt.

39 % der Automatisierer bekommen keinen Überstunden-Ausgleich

Bei den Zahlen zum Wechsel des Arbeitgebers sagen 23,3 % aller Angestellten aus dem Automatisierungs- und Elektrotechnikbereich, dass sie noch nie den Arbeitgeber gewechselt haben. Dieser Wert ist bei dem Gesamtergebnis mit 27,3 % etwas höher, ausgleichend dazu wechselt ein Automatisierer häufiger ein- bis dreimal den Arbeitgeber.

Ähnlich zeichnet sich das Ergebnis bei der Befragung zum Wechsel innerhalb des Unternehmens ab: Während in der Gesamtbefragung 51,7 % der Mitarbeiter noch nie im Unternehmen die Position gewechselt haben, geben das nur 40,3 % im Automatisierungs- und Elektrotechnikbereich an.

Bei einem Blick auf die wöchentlichen Arbeitszeiten erkennt man zwischen dem Gesamtergebnis und der Automatisierungs- und Elektrotechnik nur marginale Unterschiede. Während im Durchschnitt der vereinbarte Mittelwert der Wochenarbeitsstunden bei 38,8 Stunden liegt, ist er in der Automatisierungs- und Elektrotechnik leicht erhöht bei 39,4 Stunden. Auch die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden liegen mit 44,9 Stunden etwas über dem Gesamtergebnis (43,8 Stunden). Es bleibt festzuhalten, dass die Arbeitszeiten Automatisierungs- und Elektrotechnik-Spezialisten leicht über dem Durchschnitt liegen.

Auch interessant ist die Handhabung mit Überstunden: Überdurchschnittlich häufig (56,3 %) werden die Überstunden im Bereich Automatisierungs- und Elektrotechnik mit einer Freizeit-Regelung ausgeglichen. Mit 13,2 % jedoch seltener als im Gesamtergebnis werden Überstunden ausbezahlt, und 39,1 % geben sogar an, keinen Ausgleich für geleistete Überstunden zu bekommen (der Durchschnitt liegt bei 37,3%).

Der Schulabschluss und Weiterbildung sind entscheidend

Während die Altersgruppe der 20-29-jährigen im Durchschnitt noch etwa 47.600 Euro Jahresbruttoeinkommen (ohne Zusatzleistungen) haben, steigt der Einkommensdurchschnitt der 40-49-jährigen auf etwa 75.890 Euro an. Zudem ist das Gehalt auffällig von der Ausbildung abhängig: Während Angestellte mit dem höchsten Schulabschluss Abitur im Schnitt 78.550 Euro Jahresbruttoeinkommen (ohne Zusatzleistungen) erhalten, kommt ein Angestellter mit niedrigerem Schulabschluss wie Volks-/Haupt- oder Mittelschule nur auf 56.180 Euro. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Mitarbeiter, die sich zusätzlich durch ein Studium oder eine Weiterbildung qualifiziert haben, bis zu 19 % mehr Gehalt erhalten können.

Ein Blick auf die Abhängigkeit des Gehalts von der Anzahl der Mitarbeiter in einem Unternehmen zeigt auf, dass das Gehalt – mit kleinen Schwankungen – mit der Größe des Unternehmens steigt. Mit jeweils 27 % ist der größte Anteil der Automatisierungs- und Elektrotechnik in großen Unternehmen mit 1.001 bis 10.000 Mitarbeitern und in Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern vertreten. Diese Zahlen liegen deutlich über dem Gesamtergebnis, hier arbeitet der Großteil mit ca. 25 % in Unternehmen mit 101 bis 500 Mitarbeitern und etwa 22 % in Unternehmen mit 11 bis 100 Mitarbeitern.

Automatisierer mögen ihre Chefs

Auch von der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit hängt das Gehalt ab: Je länger ein Mitarbeiter einem Unternehmen angehört, desto höher ist das Gehalt. Der Großteil der Befragten sowohl im Gesamtdurchschnitt (35,9 %) wie auch bei den Automatisieren (31,6 %) arbeiten seit fünf bis 14 Jahren für ihr Unternehmen. Nicht nur die Stetigkeit im Unternehmen ist ein wichtiger Gehaltsfaktor, auch die Zugehörigkeitsdauer in der Branche. Wie bei der Unternehmenszugehörigkeit steigt mit der Dauer das Gehalt um etwa 100%, wenn man über 30 Jahre in derselben Branche tätig ist. Während laut dem Gesamtergebnis mit etwa 33 % ein Großteil der Befragten fünf bis 14 Jahre in ihrer Branche arbeiten, zeigt das Ergebnis der Automatisierungs- und Elektrotechnikbanche deutliche Unterschiede auf: Über 27 % arbeiten seit 20 bis 30 Jahren in der Branche, immerhin fast 21 % schon seit 15 bis 19 Jahren.

Bei der Befragung der Zufriedenheit mit ihrer Arbeit schneidet die Automatisierer fast durchgehend überdurchschnittlich ab. Das Arbeitsklima beschreiben ein Viertel aller Befragten mit „sehr zufrieden“ und die Hälfte mit „zufrieden“ und ist mit dem Schnitt 2,0 leicht über dem Arbeitsklima des Gesamtergebnisses, das mit der Note 2,1 abschließt.

Auch bei der Zufriedenheit mit dem Gehalt liegt die Automatisierungs- und Elektrotechnikbranche mit der Note 2,5 leicht über dem Durchschnitt (2,6): Die Hälfte aller Befragten sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Gehalt. Mit dem Vorgesetzten sind in der Automatisierungs- und Elektrotechnik immerhin fast 65 % sehr zufrieden oder zufrieden, während nur 58 % im Gesamtergebnis zu diesem Schluss kommen. Dagegen ist die Arbeitsbelastung höher als im Durchschnitt: Nur etwa 6 % sind wirklich zufrieden mit ihrer Arbeitsbelastung, während fast dreiviertel (73,1 %) der Angestellten nur mäßig zufrieden oder zufrieden mit der Belastung sind.

Aufstiegschancen lassen zu wünschen übrig

Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind immerhin über 50 % zufrieden: Sowohl das Gesamtergebnis, als auch die Automatisierungs- und Elektrotechnikbranche vergibt die Note 2,4. Auch die Aufstiegschancen werden eher unzufrieden betrachtet: Über 60 % in der Automatisierungs- und Elektrotechnikbranche sind nur mäßig oder nicht zufrieden mit den ihnen gebotenen Aufstiegsmöglichkeiten – sie liegen damit jedoch immer noch über dem Durchschnitt des Gesamtergebnisses, das den Aufstiegschancen die Note 3,2 vergibt.

Über 60 % sind mit den angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Automatisierungs- und Elektrotechnik zufrieden oder mäßig zufrieden und liegen mit der Gesamtnote von 2,7 leicht über dem Gesamtergebnis.

Zusammengefasst liegt die Zufriedenheit bei den Automatisierern leicht über dem Durchschnitt. Gute Noten erhalten das Arbeitsklima, die Vorgesetzten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, während die Aufstiegschancen nur im Mittelmaß liegen und die Arbeitsbelastung leicht über dem Gesamtdurchschnitt ausfällt.

Der größte Faktor für einen Jobwechsel ist für über die Hälfte der Befragten ein höheres Gehalt, gefolgt von dem Wunsch nach anspruchsvolleren Aufgaben. Der Faktor Gehalt steht auch für die Automatisierungs- und Elektrotechnikbranche an erster Stelle, wenn auch mit 54,7 % etwas hinter dem Gesamtergebnis (57,7 %). Deutlich mehr Automatisierer (28,2 %) wollen ihren Job im Vergleich mit dem Gesamtergebnis (23,6 %) gar nicht wechseln.

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