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10. Schüttgut-Forum

Aus der Praxis – Sicherheit für Mensch, Anlage und Produkt

| Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Sabine Mühlenkamp

(Bild: PROCESS)

Die Festung Marienberg hoch über den Dächern von Würzburg bietet seit über 800 Jahren Sicherheit vor Gefahren. Mitte November drehte sich dort auf dem Schüttgut-Forum alles um den Schutz von Silos und Förderanlagen sowie die neuesten Entwicklungen aus dem Brand- und Explosionsschutz.

Mit über 170 Teilnehmern starteten die Förderprozessforen mit einer gemeinsamen Keynote zu einem Thema, das alle angeht: Wie funktioniert eine gute Produktentwicklung, wenn sich das Rad aus Gesetzgebungen und Richtlinien, aber auch Anforderungen aus dem Markt immer schneller dreht? Frank Flammer von der Maschinenkanzlei legte dabei den Finger auf so manche offene Wunde. Unbestritten ist z.B., dass die Anzahl fehlerhafter Produkte steigt. Dabei entstehen 75 % der Fehler während der Entwicklung, aber 80 % dieser Fehler zeigen sich erst dann, wenn sie auf dem Markt sind. Einen Grund sieht Flammer darin, dass Komponenten, Maschinen und Anlagen oft zu schnell auf den Markt kommen.

Ein anderer Aspekt ist jedoch auch, dass gesetzliche Bestimmungen nicht immer sauber aufeinander abgestimmt sind. Insbesondere zwischen Maschinenrichtlinie und Betriebssicherheitsverordnung (siehe Schüttgut 3-2016, S. 38) und dem Übergang von Hersteller zum Betreiber fehlt die eindeutige Abgrenzung. So ist theoretisch ein Betreiber dafür verantwortlich, dass eine Maschine in seinem Betrieb sicher arbeitet. „Aber wie soll ein Betreiber einen Fehler z.B. in einer CNC-Maschine erkennen, wenn noch nicht einmal der Maschinenbauer diesen vorher bemerkt hat?“, fragte Flammer. Entgegensteuern kann man dieser Problematik nur, indem man Dinge hinterfragt und sich nicht scheut, auch mal einen Experten einzuschalten.

Wellblechsilos sind anfällig für Siloschäden

Um genau diese Expertise ging es dann im Anschluss für die 60 Teilnehmer des Schüttgut-Forums. Zunächst klärte Harald Heinrici, Schwedes und Schulze, über die theoretischen Grundlagen in der Schüttguthandhabung auf. Das A und O für eine Produktion ohne Ausfallzeiten und gleichbleibender Qualität ist das störungsfreie Lagern und Fließen von Schüttgütern. Grundlage hierfür ist zunächst die Kenntnis der Fließeigenschaften des Schüttguts. Darauf aufbauend lassen sich dann die Komponenten der Anlage auslegen. Angefangen vom Silo, das so zu konstruieren ist, dass Brückenbildung vermieden wird und möglichst Massenfluss herrscht, bis zum Austrag- und Fördergerät, das hinsichtlich Eignung und z.B. Antriebsbedarf ausgewählt werden muss. „Wenn Sie vor der Aufgabe stehen, eine neue Siloanlage zu konzipieren, rate ich Ihnen die Schnittstelle nicht zwischen Silo und Austragstechnik zu schalten, sondern dahinter“, so der Tipp von Heinrici. Die auf die Silowände wirkenden Belastungen sind eine weitere Eingangsgröße für die zu erstellende Silostatik. „Drücke im Silo sind proportional zum Durchmesser.“ Daher sind Silos in Öltanklagern auch eher breit und flach, während sie in der Schüttguttechnologie eher hoch und schmal sind.

Was passiert, wenn man die Grundlagen nicht beachtet, zeigten Dr. Harald Wilms, Zeppelin Systems, und Harald Heinrici dann in einem gemeinsam erarbeiteten Beitrag. Denn trotz verbesserter Kenntnis über Silotechnik und die Fließeigenschaften kommt es immer wieder zu Siloschäden, die entweder zu einem vollständigen Schaden oder zu kostenintensiven Sanierungsmaßnahmen führen. Häufig von Siloschäden betroffen sind z.B. Wellblechsilos, die extrem anfällig sind.

Nützliche Tipps aus der Praxis

Schüttguteigenschaften sind dabei eine wichtige Größe, um Lasten auf Silowände zu ermitteln. Andere Einflussgrößen sind die Betriebsbedingungen (z.B. Unterdruck, asymmetrische Fließzonen, falsches Fließprofil, Einbauten) und die Austragungstechnik (Wirkungsweise, Rückwirkung auf Fließprofil). Ein weiterer Fokus von Wilms richtete sich überdies auf das Fundament und den Stahlbau. Hier können bereits scheinbar kleine Unebenheiten große Auswirkungen haben, die dann deutlich in Form von Beulen des Silos sichtbar werden. „Eine andere Ursache ist ein viel zu weicher Stahlbau. Hier wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gespart“, so Wilms. Während seines Vortrags sparte Wilms nicht mit praktischen Vorschlägen, etwa in dem er empfahl, bei Sturm die Silos voll zu lassen oder sogar extra zu füllen. Trotz seiner spektakulären Bilder: „Wir haben über die Jahre erhebliche Erkenntnisgewinne beim Silo gemacht, die wiederum in Normen übertragen wurden – die überwiegende Zahl an Silos ist heute sicher!“

Hans Schneider von Zeppelin Systems leitete dann über zum perfekten System, das sowohl aus Silo als auch aus Austragesystem besteht. Bei der Auswahl und Auslegung der Teilsysteme ist es erforderlich, die Schnittstellen umfassend zu berücksichtigen. Dabei zeigte Schneider, wie sich z.B. ein fehlender Leckluftabzug auf die nachfolgende Förderung auswirkt. Das Problem dabei ist oft ein kommunikatives, wie Schneider weiß: „Nicht immer spricht der Silospezialist mit dem Austragsspezialist.“ In der Praxis hat sich gezeigt, dass die übergreifende technische Auslegung von Silo- und Fördertechnik hilft, Fehler zu vermeiden, Kosten zu reduzieren und das Gesamtsystem zu optimieren.

Weitere Bildergalerien zu den Förderprozess-Foren:

Impressionen von den Förderprozess-Foren 2016
Die Aussteller der 4. Förderprozess-Foren 2016
Förderprozess-Foren 2016: Exkursion Staatliche Feuerwehrschule Würzburg

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