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Großanlagenbau Aufträge aus dem Nahen und Mittleren Osten befeuern den Großanlagenbau

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Der deutsche Großanlagenbau kann trotz der Wirtschaftskrise wieder Hoffnung schöpfen. Zwar sind die kürzlich von der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau präsentierten Zahlen immer noch nicht zufriedenstellend, aber das Geschäft im Mittleren und Nahen Osten floriert derzeit.

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Ein Beispiel für die Investitionen in den Emiraten: Die Ethylenanlage mit einer Kapazität von einer Million Tonnen pro Jahr errichtete das Konsortium Linde Engineering und Samsung Engineering mit Flour als Project Managing Contractor. Auftraggeber war die Saudi Ethylene and Polyethylene Company (SEPC). Bild: Linde
Ein Beispiel für die Investitionen in den Emiraten: Die Ethylenanlage mit einer Kapazität von einer Million Tonnen pro Jahr errichtete das Konsortium Linde Engineering und Samsung Engineering mit Flour als Project Managing Contractor. Auftraggeber war die Saudi Ethylene and Polyethylene Company (SEPC). Bild: Linde
( Archiv: Vogel Business Media )

Getrieben von Großaufträgen aus dem Irak, Katar sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten verdoppelten sich die Buchungen deutscher Großanlagenbauer von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf aktuell 4,8 Milliarden Euro. So hat Uhde erst kürzlich einen Auftrag für den Bau einer LDPE-Anlage (Low Density Polyethylen) in Katar erhalten, der einen Eingangswert von 550 Millionen US-Dollar hat. Und Linde ist in den Vereinigten Emiraten in Abu Dhabi mit im Boot. Kunststoffhersteller Borouge, Joint Venture von Adnoc (Abu Dhabi National Oil Company) mit Borealis, baut mit dem Münchner Konzern für 1,075 Milliarden Dollar u.a. einen Ethancracker mit einer Kapazität von 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr. Das Projekt ist Teil der in den Economic Vision 2030 definierten Diversifizierungsstrategie, die das Ziel verfolgt, die bisher unterrepräsentierte Chemieindustrie zu einer tragenden Säule der wirtschaftlichen Entwicklung zu machen.

Voll im Gang ist der Ausbau eines integrierten Chemie-Komplexes der Superlative in Abu Dhabi. Mit dem Vorhaben will der Ölproduzent seine Wertschöpfungskette erweitern und gleichzeitig unabhängig von Importen werden.

Nach Recherchen der Germany Trade & Invest (Gtai) will das Joint Venture Chemaweyaat 70 Milliarden US-Dollar ausgeben und damit eine komplette Chemieinfrastruktur aus Cracker und der nachgeschalteten Produktion chemischer Grundstoffe schaffen. Informationen von Borealis zufolge sollen im Rahmen des Milliardenprojektes neben dem Naphta-Cracker und nachgelagerten Anlagen zur Produktion von Propylen- und Ethylenderivaten, ein Großreformer, Xylen-, Benzen-, Cumen-, Phenol- und Derivat-Produktionseinheiten entstehen. Nach Abschluss der ersten Bauphase in 2013 wird der Komplex der weltweit größte und integrierteste seiner Art sein, heißt es in der Pressemeldung. In den ersten fünf Projektjahren sollen 20 Milliarden US-Dollar fließen, von denen auch deutsche Anlagenbauer, wie etwa Ferrostaal, profitieren sollen. Anfang des Jahres hat sich die Fondsgesellschaft Ipic (International Petroleum Investment Company) nämlich einen 70-prozentigen Anteil an der MAN-Tochter gesichert und laut Handelsblatt verkündet, dass Ferrostaal ein wichtiger Lieferpartner sein werde.

Ebenfalls in Abu Dhabi soll ein neues Kunststoffcluster, der Abu Dhabi Polymer Park, entstehen. Auf einer Fläche von 1,5 Millionen Quadratmetern sollen sich 60 Unternehmen ansiedeln, welche die gesamte Kunststoffwertschöpfungskette abdecken. Laut Gtai sollen schon 2012 eine Million Jahrestonnen Rohkunststoff produziert werden. Bis 2015 erwartet die Abu Dhabi Basic Industries Corporation (Adbic) Investitionen in einer Größenordnung von vier Milliarden US-Dollar.

Einen ersten Investor gibt es bereits: Seit Anfang des Jahres baut die Bonar Emirates Technical Yarns eine Anlage. Das Unternehmen ist ein Joint Venture der Abu Dhabi Basic Industries Corporation (Adbic) und Low & Bonar PLC, einem britischen Kunststoffhersteller. Das erste Produkt sollen Kunstrasenplatten sein.

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