MSR/Prozessautomatisierung Auf Wachstumskurs

Redakteur: Redaktion PROCESS

Mit der Akquisition der Sparte ISB von CEAG, einem Geschäftsbereich von Cooper Crouse-Hinds, gelang Pepperl+Fuchs eine wichtige Portfolioerweiterung in der Feldbus-Verbindungstechnik und im eigensicheren Explosionsschutz für die Prozessindustrie. Damit fühlt sich das Mannheimer Unternehmen insbesondere für den internationalen Markt gut gerüstet.

Anbieter zum Thema

Mit der Akquisition der Sparte ISB von CEAG, einem Geschäftsbereich von Cooper Crouse-Hinds, gelang Pepperl+Fuchs eine wichtige Portfolioerweiterung in der Feldbus-Verbindungstechnik und im eigensicheren Explosionsschutz für die Prozessindustrie. Damit fühlt sich das Mannheimer Unternehmen insbesondere für den internationalen Markt gut gerüstet.

Engere Verbindungen beider Unternehmen gab es schon länger, über eine konkrete Akquisition verhandelte man aber erstmals auf der diesjährigen Achema in Frankfurt. Nur ganze acht Wochen später - Anfang Juli 2006 - kam das Übernahmeprozedere bereits zum Abschluss, übernahm Pepperl+Fuchs die Sparte Eigensichere Instrumentierung (ISB) in Bühl von der Cooper Crouse-Hinds GmbH Deutschland.

Warum die Übernahme in rekordverdächtiger Zeit gelingen konnte, hat aus Sicht von Dr. Gunther Kegel, Geschäftsführer bei Pepperl+Fuchs, zwei Ursachen: „Erstens passen die Produkte der Sparte ISB – Interface-Bausteine, Remote I/O-Systeme und anderes – zur Kernkompetenz des Geschäftsbereiches Prozessautomation der Pepperl+Fuchs-Gruppe und ergänzen die beiden Geschäftsfelder ,Komponenten + Technologien‘ sowie ,Systeme + Lösungen‘ in idealer Weise. Zweitens waren Verkäufer und Käufer von der ersten Minute an auf der gleichen Wellenlänge.“ Dies bestätigt auch Clife Hermanowski, Vice President und General Manager Europe von Cooper Crouse-Hinds, gegenüber PROCESS.

Cooper Industries, ein amerikanischer 5-Milliarden-US-Dollar-Konzern mit Hauptsitz in Houston, befasst sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Elektro- und Installationsmaterial. Dazu gehören beispielsweise Verteilungen und Anlagen, aber auch Beleuchtungstechnologie. Das heutige Produktsortiment der ISB lässt sich durch die Geschichte des Standortes erklären: Die Sparte ISB war als Bestandteil der früheren CEAG, die 1995 von Cooper übernommen wurde, durch die Fusion von ,Digitable‘, Apparatebau Hundsbach, und eigener Aktivitäten am Standort Bühl in der Nähe von Baden-Baden entstanden.

Die eigentliche Instrumentierung für den eigensicheren Bereich war im Produktportfolio nur mit geringerem Umsatzanteil vorhanden. Außerdem hatte Cooper die Herausforderung zu bewältigen, mit seinem breiten Portfolio unterschiedliche Zielfunktionen in den Kundenbranchen adressieren zu müssen, die wenig Synergiepotenzial versprachen. „Aus unserer unternehmerischen Verantwortung haben wir uns dann entschlossen, unseren Bühler Standort von CEAG in die Hände eines marktführenden Spezialisten zu übergeben“, erklärt Hermanowski.

Sowohl Cooper Crouse-Hinds als auch Pepperl+Fuchs gelten weltweit als Spezialisten im Explosionsschutz, stehen jedoch auf verschiedenen Standbeinen. Cooper Crouse-Hinds hat mit Markteinführung im Jahr 1995 den LB Remote 10 in Zone 2 oder im sicheren Bereich mit Profibus und Modbus an verschiedene Leitsysteme gekoppelt. Kurze Zeit später kam FB Remote 10 in Zone 1 hinzu. Weltweit sind heute mehr als 200 000 Ein-/Ausgangs-Module im Einsatz. Vor einigen Jahren wurde das Programm um die ExHub-Feldbusbarriere für Foundation Fieldbus erweitert.

Während bisher viele Teilkomponenten zum Aufbau eines Systems benötigt wurden, bot Cooper ein Gesamtkonzept, das auf Stabilität und Erfahrung setzte. So sind die Remote-I/O-Experten der CEAG und heutigen Pepperl+Fuchs-Mitarbeiter in Bühl in der Lage, ein Remote I/O-System in Zone 1 mit schlanken Techniken aufzubauen. Dabei verwenden sie die gleiche Elektronik wie im Nicht-Ex-Bereich, nur mit einer geschickten Kapselung. Das Zone l Remote I/O-System ‚Localbus‘ und der Fieldbarrier-Wettbewerber ,Ex-Hub‘ füllen damit Lücken im Pepperl+Fuchs-Portfolio und helfen nach Auffassung von Geschäftsführer Kegel, die technologische Führungsposition weiter auszubauen.

Zwar erscheint es ungewöhnlich, dass ein Mittelständler eine Sparte eines vergleichsweise großen Konzerns erwirbt, aber gerade Aufgaben in der Ex-Zone 1 werden gerne einem Spezialisten überlassen. Dabei ist zu bedenken, dass die Remote-I/O-Systeme der Leitsystemhersteller meist nur bis in die Zone 2 hineinreichen, was etwa 70 bis 80 Prozent des adressierbaren Gesamtmarktes entspricht. Die restlichen 20 Prozent, also Systeme in Zone 1, sind für einen Mittelständler hochinteressant. Dennoch: „In dieser Nische waren wir vor dem ISB-Zukauf eindeutig nicht gut platziert“, gibt Kegel unumwunden zu. Mit der Übernahme habe man diese Lücke jetzt geschlossen.

Schlüsselfertig und sicher

Angesichts des zunehmenden Trends der großen Automatisierungskonzerne, „alles aus einer Hand“ anbieten zu wollen, bleiben dennoch für Mittelständler wie Pepperl+Fuchs ausreichend Nischen frei. „Ein Leitsystemhersteller will sicher keine Komponenten einkaufen, sie eigensicher kapseln und sich um die entsprechenden Erdungs- und Schirmungskonzepte kümmern. Er vergibt das Paket schlüsselfertig“, macht Kegel deutlich.

Deswegen werde seiner Meinung nach das Thema Interfacetechnik als Hauptbeschäftigungsfeld von Pepperl+Fuchs, vor allem verbunden mit schlüsselfertigen Gehäuse-Lösungen ein Mittelstandsthema bleiben. „Der Kunde hat zu wenig Zeit, diese Komponenten im Einzelnen zu prüfen und zu fertigen. Zudem geht das Know-how der großen Leitsystemhersteller ganz klar in Richtung Prozesswissen, aber nicht in Richtung Hardware.“ Hauptaufgabe nach der Akquisition ist für Kegel jetzt die weitgehende Fortführung aller Produktserien und die nahtlose Belieferung der Kunden mit allen Produkten, die auch schon bisher am Standort Bühl gefertigt wurden.

Doch mit der Bühler Übernahme sind die Mannheimer Ex-Spezialisten noch längst nicht am Ende. „Wir haben jetzt einen relativ großen, gerade für den deutschen Markt sehr attraktiven Zukauf getätigt, den wir erst mal verarbeiten müssen“, beschreibt Kegel den Status Quo, gibt aber gleichzeitig auch Einblicke in die weitere Strategie: „Unser Ziel ist es aber, unsere technologische Bandbreite zum Thema Explosionsschutz noch weiter zu verbreitern.“ Denkbare Portfolioerweiterungen liegen für Kegel beispielsweise in den lukrativen Bereichen der Wasser- und Abwasserindustrie.

Der Grund: Alle Ölabscheider befinden sich im explosionsgefährdeten Bereich. „Sie müssen also in irgendeiner Form explosionsgeschützt werden. Das bietet uns noch reichlich Expansionsmöglichkeiten.“ Dabei werden sicherlich nicht alle potenziellen Akquisitionen so reibungslos verlaufen, wie bei der beschriebenen Übernahme des ISB-Bereiches von CEAG. Die beiden Verhandlungspartner Hermanowski und Kegel können sich sogar eine weitere Zusammenarbeit in zukünftigen internationalen Projekten vorstellen.

Denkbar ist für Kegel aber auch, dass sich die Feldbus-Interfacetechnik in Zukunft nicht mehr im Schaltschrank findet, sondern in den so genannten Enclosures (Gehäusen) von Cooper Crouse-Hinds. Hier sei es durchaus vorstellbar, dass man in Projekten gemeinsam auftreten und die Produkte aufeinander abstimmen könne. Damit würden Projekte möglich, die bis dato noch gar nicht auf dem Radar beider Unternehmen waren. Man darf gespannt sein, was sich der deutsche Mittelständler und der US-Konzern da einfallen lassen.

(ID:179194)