Großanlagenbau in schwierigen Zeiten

Anlagenbau auf Talfahrt: Auch 2017 keine Trendwende in Sicht

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Ein wichtiger Wachstumsimpuls kommt dabei von der Bundesregierung: Im Großanlagenbau spielt die Absicherung der Exportgeschäfte durch die sogenannten Hermes-Deckungen eine wichtige Rolle. Der Bund hat jüngst Bestimmungen zur Deckungsfähigkeit ausländischer Lieferungen und Leistungen vereinfacht und den Genehmigungsprozess transparenter gestaltet, wenn die ausländischen Anteile 49 Prozent des abzusichernden Exportauftrags übersteigen. Dies war nach Ansicht des VDMA Großanlagenbaus ein wichtiger und richtiger Schritt.

Allerdings, Märkte und Wertschöpfungsketten verändern sich und immer mehr, Ausschreibungen in Entwicklungs- und Schwellenländern sehen stärkere lokale Lieferanteile vor. Schon allein dadurch sind die an das OECD-Regelwerk gebundenen deutschen Anbieter gegenüber der asiatischen Konkurrenz im Nachteil, da die Absicherung lokaler Leistungen durch das OECD-Regelwerk stark beschränkt ist. Der Großanlagenbau fordert den Bund daher auf, sich auch in der kommenden Legislaturperiode für ein „Level Playing Field“, insbesondere für eine Ausweitung der Absicherung lokaler Kosten, einzusetzen.

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Wachsendes Risiko von Doppelbesteuerungen

Ausgehend von einer hohen Exportquote von mehr als 80 Prozent ist das Projektgeschäft der Mitglieder des VDMA Großanlagenbaus von langen Montagetätigkeiten im Ausland geprägt. Aufgrund dessen müssen die Unternehmen zunehmend eine doppelte Besteuerung des anteiligen Betriebsstättengewinns verkraften – das heißt, derselbe Gewinn wird sowohl im Land der Auslandstätigkeit als auch in Deutschland besteuert. Gründe liegen häufig in fehlenden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den betroffenen Staaten, der fehlenden Harmonisierung der Gewinnermittlung und in der abnehmenden Vertragstreue bei vorliegenden DBAs.

Gleichzeitig gewinnen die Märkte in Afrika an Bedeutung. Allerdings haben dort 54 Staaten 54 unterschiedliche, nicht ansatzweise harmonisierte Steuersysteme. Deutschland unterhält jedoch im Jahr 2017 lediglich mit zwölf afrikanischen Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen. Der VDMA Großanlagenbau plädiert deshalb für mehr solcher Abkommen sowie für praxisnahe Lösungen bei Doppelbesteuerungen.

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