Suchen

Arbeitssicherheit Allein, aber sicher – warum und wie Sie eine Gefährdungsbeurteilung durchführen sollten

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Allein- bzw. Einzelarbeit gibt es in Unternehmen aller Größen und Branchen. Sie liegt vor, wenn eine Person allein, außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen, Arbeiten ausführt. Grundsätzlich ist sie zulässig; ob dabei besondere Gefährdungen für den Beschäftigten entstehen, muss der Arbeitgeber ermitteln. Der Beitrag gibt Tipps.

Industrielle Hochdruckreinigung von Druckgeräteteilen in der Chemischen Industrie mit spezieller Schutzausrüstung
Industrielle Hochdruckreinigung von Druckgeräteteilen in der Chemischen Industrie mit spezieller Schutzausrüstung

Freiburg – Mit zunehmender Automatisierung, Rationalisierung und Digitalisierung wird es zukünftig immer mehr Alleinarbeitsplätze geben. Unternehmen suchen nach Lösungen, um Risiken abzuschätzen und erforderliche Maßnahmen festzulegen. Doch wie definiert sich eigentlich Alleinarbeit?

Ein Alleinarbeitsplatz ist räumlich von anderen Arbeitsplätzen abgetrennt, er kann stationär oder mobil sein. Alleinarbeit liegt auch vor, wenn einer allein arbeitenden Person in einem Notfall nicht unverzüglich Hilfe geleistet werden kann. Sie ist weit verbreitet und betrifft alle Branchen und Unternehmensgrößen: Einzelhandel, Handwerk, Außendienst ebenso wie Landwirtschaft und Gebäudereinigungsgewerbe. Auch in Chemieanlagen, ausgedehnten Lagern oder im Wach- und Sicherheitsgewerbe können sich Mitarbeiter außerhalb von Sicht- und Rufweite befinden.

Übrigens: Verboten ist Alleinarbeit in Druckkammern sowie in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen. Eingeschränkte Verbote gelten z.B. für Laboratorien, Tätigkeiten bei der Herstellung von Biogas sowie Arbeiten im Spezialtiefbau.

Das sind die Gefahren

Alleinarbeit kann eine erhöhte Unfallgefährdung mit sich bringen, sie muss jedoch nicht zwangsläufig gefährlicher sein als die gleiche Tätigkeit in der Gruppe. Gefährliche Arbeiten erhöhen das Risiko für Unfälle, z.B. Arbeiten mit Absturzgefahr, in Silos oder engen Räumen, beim Schweißen, bei Feuer– sowie Sprengarbeiten oder beim Bäume fällen.

Gefährdungen sind vor allem:

  • Hilfeleistung im Notfall fehlt: Ein Notfall kann entstehen durch einen Unfall, eine plötzliche Erkrankung, Einwirken von Gefahrstoffen, psychische Belastungen oder einen Überfall.
  • Beschäftigte sind überfordert: Arbeitnehmer können sich isoliert fühlen und aus Angst Fehlentscheidungen treffen und falsch handeln, das Unfallrisiko erhöht sich.

Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln, welche Gefährdungen sich bei Alleinarbeit ergeben und welche Maßnahmen festgelegt und umgesetzt werden müssen. Neben technischen Risiken muss auch die persönliche Lage der Mitarbeiter betrachtet werden – im Hinblick auf Alter, Erfahrung und Gesundheitszustand sowie auf das persönliche Sicherheitsbedürfnis.

Für eine objektive und nachvollziehbare Beurteilung ist die DGUV-R 112-139 „Personen-Notsignalanlagen“ hilfreich: Sie enthält ein Bewertungssystem für Einzelarbeitsplätze, das auf Kennziffern basiert. Es ist auch für Fälle anwendbar, in denen Personen-Notsignal-Anlagen als Maßnahme viel zu hoch gegriffen wären.

Und das sind die Maßnahmen – weiterlesen ...

Das sind die Maßnahmen

An erster Stelle steht die Frage, ob Alleinarbeit tatsächlich notwendig ist. Ist sie unvermeidbar, so müssen Arbeitgeber Personen auswählen, die sowohl psychisch als auch körperlich und intellektuell dafür geeignet sind. Beschäftigte, die an Alleinarbeitsplätzen Angst haben, an Kreislauf- oder Stoffwechselkrankheiten wie z.B. Diabetes leiden oder Anleitungen und Anweisungen nicht verstehen, können die Anforderungen nicht erfüllen.

Geeignete technische bzw. organisatorische Schutzmaßnahmen sind i.d.R. Überwachungsmaßnahmen. Allerdings darf sich der Beschäftigte dabei nicht kontrolliert oder belästigt fühlen. Das Ziel und die Art der Schutzmaßnahmen müssen daher transparent kommuniziert werden und sollten z.B. im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemeinsam mit dem Beschäftigten festgelegt werden.

In Unternehmen werden – in Abhängigkeit von Tätigkeit und Gefährdung – im Wesentlichen folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Sichtverbindung herstellen,
  • Kontrollgänge regelmäßig durchführen,
  • Verbindung über Telefon oder Sprechfunk halten,
  • Überwachungskamera und Monitor verwenden,
  • Personen-Notsignal-Anlagen einsetzen.

Dabei muss die Funktionsfähigkeit der eingesetzten Überwachungssysteme ständig gewährleistet sein. Anhand von Übungen müssen Abläufe trainiert, Fehlerstellen erkannt und durch geeignete Alternativen ersetzt werden. Und schließlich müssen Beschäftigte unterwiesen werden, u.a. mit Übungen zum Verhalten im Notfall.

Als Experte im Arbeitsschutz unterstützt QUMsult Unternehmen sowohl mit geeigneter Software als auch als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit: Mit der Betriebsdatenbank SARA gelingt die Gefährdungsbeurteilung systematisch, Gefährdungen und Maßnahmen können dokumentiert werden.

(ID:44292487)